Frühindikatoren deuten auf abgeschwächte Neuinfektionszahlen

Forsa: Impfbereitschaft nimmt leicht ab

Nachdem die Corona-Neuinfektionzahlen seit Wochen nahezu ungebremst angestiegen sind, gibt es seit Mittwochabend zumindest Indikatoren, die auf eine mögliche Abschwächung hindeuten. Die Abfragen bei den 401 kreisfreien Städten, die seit über einem Jahr täglich um 20 Uhr von der dts Nachrichtenagentur ausgewertet werden, zeigen erstmals seit 8. März weniger Neuinfektionen als am gleichen Wochentag der Vorwoche. Konkret wurden 20.475 Neuinfektionen von den Gesundheitsämtern gemeldet, zwei Prozent weniger als vor einer Woche. Die Daten dieser Kommunenabfrage weichen stets etwas von den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) ab. Bei manchen Städten und Landkreisen sind die Zahlen des RKI aktueller, bei manchen diejenigen, die Kommunen selbst im Laufe des Tages veröffentlichen.

Forsa: Impfbereitschaft nimmt leicht ab

Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung ist leicht gesunken. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und n-tv am Mittwoch wollen sich 69 Prozent (16. März: 71 Prozent) impfen lassen, sobald sie die Möglichkeit haben. Zwölf Prozent (16. März: acht Prozent) der Bundesbürger wurden bereits gegen das Coronavirus geimpft, zehn Prozent (16. März: 13 Prozent) möchten lieber erst einmal abwarten und acht Prozent (16. März: sieben Prozent) wollen sich gar nicht impfen lassen. Rund die Hälfte der Befragten (51 Prozent), die sich sobald wie möglich gegen Corona impfen lassen wollen oder hinsichtlich einer Impfung erst einmal abwarten möchten, würden sich, im Falle eines entsprechenden Impfangebots, mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. 44 Prozent dieser Befragten würden ein solches Impfangebot im Moment ablehnen. 58 Prozent derer, die schnellstmöglich eine Impfung erhalten wollen, würden ein Impfangebot mit Astrazeneca annehmen. Bei Befragten, die lieber noch abwarten wollen, wären dies neun Prozent. Bislang gibt es keine Zulassung des russischen Impfstoffs „Sputnik V“ in Europa, 57 Prozent der befragten Bürger geben aber an, dass sie sich auch damit impfen lassen würden, wenn dieser in der EU und Deutschland zugelassen wird. 30 Prozent lehnen dies ab. Die Bereitschaft, sich auch mit dem russischen Impfstoff „Sputnik V“ impfen zu lassen, ist unter den Ostdeutschen (69 Prozent) etwas höher als unter den Westdeutschen (55 Prozent) und unter den Männern (64 Prozent) etwas höher als unter den Frauen (51 Prozent). Von den unter 30-Jährigen (64 Prozent) und den über 60-Jährigen (63 Prozent) würde der russische Impfstoff eher akzeptiert werden als von den Befragten im mittleren Alter. Von den Befragten, die sich sobald wie möglich gegen Corona impfen lassen möchten, geben 65 Prozent an, dass sie sich mit „Sputnik V“ impfen lassen würden. Von denjenigen, die hinsichtlich einer Impfung erst einmal abwarten möchten, meinen  dies 43 Prozent. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) hielten eine zweiwöchige Verschärfung der Maßnahmen für richtig, 34 Prozent fänden das nicht richtig. Auf mehrheitliche Ablehnung würden verschärfte Maßnahmen ausschließlich bei den Anhängern der FDP und der AfD stoßen. Der von einigen vorgebrachte Vorschlag einer Lockerung der bisher geltenden Impfreihenfolge, die bislang zunächst eine Impfung von Risikogruppen und medizinischem Personal vorsieht, stößt bei 75 Prozent der Bundesbürger auf Zustimmung. 22 Prozent fänden es nicht gut, jetzt von der bisherigen Impfreihenfolge abzuweichen. Für die Erhebung befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL am 31. März 2021 insgesamt 1.001 Personen.

Bremens Bürgermeister gegen mehr Zentralismus bei Corona-Politik

Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hat vor einer weiteren Zentralisierung des Coronakrisenmanagements gewarnt. Es sei ein „Irrglaube, dass zentralistisch organisierte Entscheidungen zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führen“, sagte er der „Welt“. Mehr Zentralisierung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt erwogen. Deren Idee, die Pandemie mit bundesweit geltenden Ausgangsbeschränkungen einzugrenzen, stehe er skeptisch gegenüber, so Bovenschulte. Zum einen werde die Wirkung von Ausgangssperren oft überschätzt, „zum anderen gebietet es der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, zunächst alle milderen Mittel der Pandemiebekämpfung auszuschöpfen“. Eine Ausgangssperre müsse „wirklich das allerletzte Mittel sein“. Zugleich plädierte der Bremer Bürgermeister für eine gesetzliche Verpflichtung aller Unternehmen zu innerbetrieblichen Schnelltests für all diejenigen Mitarbeiter, die nicht von zu Hause aus arbeiten  können. Ehe diese vergleichsweise milde Maßnahme nicht ergriffen werde, sei es überhaupt nicht zu rechfertigen, „die Menschen flächendeckend in ihren Wohnungen einzusperren“. Mit Blick auf den beginnenden Bundestagswahlkampf appellierte Bovenschulte an die SPD-Führung in Berlin, ein erneutes Bündnis mit CDU und CSU nicht grundsätzlich auszuschließen. Die Sozialdemokraten seien in der Vergangenheit nicht gut damit gefahren, bestimmte Koalitionen vor einer Wahl auszuschließen. „Ich würde die Tür zumindest nicht gänzlich zuschlagen“, so Bovenschulte. Eine erneute Koalition mit der Union sei nicht die Priorität. „Aber sie vor der Wahl auszuschließen und sie nach der Wahl dann unter Umständen doch eingehen zu müssen, weil das Ergebnis keine andere stabile Regierungsbildung zulässt – das ist mit Sicherheit kein Erfolgsmodell.“ +++

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