„FAZ“-Mitherausgeber Frank Schirrmacher ist tot

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Frankfurt/Main. Frank Schirrmacher, einer der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und zuständig für das Feuilleton, ist am Donnerstag an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Das teilte die Zeitung mit. In seiner zwanzigjährigen Zeit als Herausgeber habe er zahllose kulturelle Debatten angeregt und das intellektuelle Leben Deutschlands nachhaltig geprägt.

Seine Bücher, allesamt Bestseller und in etliche Sprachen übersetzt, seien auch politisch einflussreich gewesen – angefangen von der Demographie-Debatte, die sich an seinem Buch „Methusalem-Komplott“ entzündete, bis zu „Payback“ und „Ego – Das Spiel des Lebens“, in denen Schirrmacher als einer der ersten die gesellschaftlichen Dimensionen des digitalen Wandels erkannte und eindringlich beschrieb, teilte die Zeitung weiter mit. „FAZ“-Mitherausgeber Berthold Kohler: „Wir sind tief erschüttert und fassungslos. Das ist ein entsetzlicher Verlust für die `Frankfurter Allgemeine Zeitung`. Frank Schirrmacher war ein großer Journalist, der mit seinen Texten wichtige Debatten in Deutschland angestoßen hat. Im Herausgeber-Kreis hat er mit seinen Ideen und seiner Energie immer wieder Impulse für die Entwicklung der Zeitung gegeben. Wir werden ihn als Kollegen und Persönlichkeit sehr vermissen.“

Schirrmacher, 1959 geboren, trat 1985 als Redakteur ins Feuilleton der „FAZ“ ein, wurde fünf Jahre später Literaturchef als Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki und folgte 1994 Joachim Fest im Amt des für das Feuilleton zuständigen Herausgebers nach. Schirrmachers Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen und Bedingungen, die die Lebensformen verändern – seien sie ökonomischer oder technologischer Art – ist legendär: Sein analytischer Blick erfasste das Wesentliche im Wandel, seine Fähigkeit zur pointierten Darstellung komplexer Sachverhalte machte ihn zu einem führenden Intellektuellen unserer Zeit, teilte die „FAZ“ weiter mit. Schirrmacher hinterlässt seine Ehefrau und zwei Kinder.

Trauer und Bestürzung

Mehrere Politiker haben mit Trauer und Bestürzung auf den Tod von Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, reagiert. „Mit Frank Schirrmacher verliert unser Land einen herausragenden Journalisten und Publizisten. Als Herausgeber hat er die Entwicklung der `Frankfurter Allgemeinen Zeitung` nachhaltig geprägt, wichtige Innovationen auf den Weg gebracht und viele junge Talente gefördert“, schrieb Bundespräsident Joachim Gauck in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Schirrmachers. „Er hat maßgebliche Debatten zu zentralen Zukunftsfragen unseres Landes angestoßen. Bei mancher Zuspitzung speiste sein Urteil sich stets aus umfassender Sachkenntnis, einem wachen historischen Bewusstsein und einer Grundhaltung der Humanität. Die Stimme der Vernunft, die Frank Schirrmacher in vielen Debatten verkörperte, wird uns fehlen.“

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte, der Tod von Schirrmacher habe ihn „tief bestürzt“. „Er hat in seiner Zeitung und im deutschen Feuilleton wichtige gesellschaftspolitische Debatten angestoßen. Wie nur wenige hat er engagiert für seine Überzeugungen gestritten und dabei die Gabe gehabt, zutiefst politisch zu denken und zuzuspitzen, ohne zu verletzen“, so Steinmeier. FDP-Chef Christian Lindner sagte, Schirrmacher sei einer „der interessantesten Gesprächspartner in unserem Land“ gewesen. „Mit ihm verliert Deutschland einen seiner profiliertesten Journalisten, bedeutendsten Vordenker und klügsten Köpfe.“

Als herausragenden Publizisten unserer Zeit würdigten der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, den verstorbenen Schirrmacher. „Er war ein international angesehener Denker und Autor, seine Stimme prägte die Debatten in Kultur und Politik. Frank Schirrmacher hat grundlegende Fragen der Gesellschaft gestellt und Antworten gegeben, die vielen Menschen Orientierung bieten“, sagten Bouffier und Al-Wazir. Sein Wirken als verantwortlicher Herausgeber der FAZ, der auch langjähriges Mitglied im Kuratorium des Hessischen Kulturpreises war, sei immer zukunftsorientiert gewesen, wie nicht zuletzt sein Engagement im Bereich Neuer Medien zeige. Bouffier und Al-Wazir: „Mit Frank Schirrmacher verliert die FAZ einen profilierten Herausgeber und Journalisten, unser Land verliert einen großen Geist. Die Impulse und Denkanstöße, die er gegeben hat, werden uns fehlen. Wir trauern mit seiner Familie und seinen Freunden wie mit allen, die ihm persönlich wie beruflich verbunden waren. Ihnen gilt unsere aufrichtige Anteilnahme.“

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erklärte: „Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands trauert um Frank Schirrmacher. Das Land hat heute einen großen Intellektuellen, publizistischen Visionär und klugen Deuter unserer Zeit verloren. Und ich einen Freund. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen. Er war einer der Ersten, der die Digitale Revolution in ihrer ganzen Dimension erfasst hat. Seine Neugierde, seine Aufgeschlossenheit und seine analytische Schärfe machten ihn zu einem der klügsten und innovativsten Denker seiner Zeit. Er hat das politische Feuilleton in Deutschland neu erfunden.“

„Mit Frank Schirrmacher verliert Deutschland einen herausragenden Publizisten und eine seiner wichtigsten intellektuellen Stimmen. Wie kaum ein anderer prägte er die Debatten in Deutschland und Europa in den vergangenen Jahren, zuletzt zu den Risiken und Gefahren von Big Data für unsere persönliche Freiheit und unsere Demokratie. Seine intellektuelle Neugier und sein Engagement haben uns in vielen Dingen die Augen geöffnet, uns sensibilisiert und klüger gemacht“, erklärte Martin Schulz, Beauftragter des SPD-Parteivorstandes für die Europäische Union. +++ fuldainfo

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