Etwa 250 Ärzte und medizinisches Fachpersonal demonstrierten in Fulda

„Wir sind für Euch da; Wir lassen Euch nicht im Regen stehen“ – getreu diesem Motto sind heute Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachangestellte sowie Pflegefachkräfte aus Stadt und Landkreis Fulda symbolisch mit blauen Regenschirmen auf die Straße gegangen, um auf Bundesebene ein Umdenken in der aktuellen Gesundheitspolitik zu erreichen. Ihre Forderung: Bessere Rahmenbedingungen vonseiten der Bundespolitik für eine bessere medizinische Behandlung der Patienten. Etwa 250 Medizinerinnen und Mediziner der niedergelassenen Haus- und Facharztpraxen des GesundheitsNetzes Osthessen (GNO) sowie der Ambulanten Medizin Osthessen beteiligten sich an dem etwa zwei Kilometerlangen Protestzug durch die Fuldaer Innenstadt. Aufgerufen zur Protestaktion haben unter anderem der Hausärzteverband Hessen (HÄVH), der Dachverband hessischer Ärztenetze Hessenmed sowie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, initiiert wurde sie vom Gesundheitsnetz Osthessen.

„Mit den Praxisschließungen am heutigen Mittwoch protestieren wir gegen die aktuelle Bundesgesundheitspolitik, weil wir auch in Zukunft für unsere Patientinnen und Patienten da sein möchten“, sagt Armin Beck, niedergelassener Hausarzt aus Hofheim und Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen. Beck sieht die wohnortnahe, ambulante medizinische Versorgung durch niedergelassene Haus- und Fachärzte massiv gefährdet. „Wenn es so weitergeht, gibt es bald keine freie Arztwahl mehr“, mutmaßt der Mediziner. Mit der Verabschiedung des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes ist ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht worden, das unter anderem die Streichung der Neupatientenregelung vorsieht.

„Die Folgen werden längere Wartezeiten und Aufnahmestopps in den Praxen sein“, befürchtet Dr. Ralf Moebus, Landesvorsitzender des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Hinzu kämen die Sparpläne der Krankenkassen, die die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit einer Honorarerhöhung von zwei Prozent abspeisen und in den beiden kommenden Jahren Nullrunden ansetzen wollen, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Gesundheitsnetz Osthessen eG. Die Honorarentwicklung deckt die steigenden Lohn-, Hygiene- und Energiekosten nicht annähernd ab, sollten die Kosten weiter steigen, sehen sich viele Arztpraxen gezwungen, ihr medizinisches Angebot zu reduzieren.

Ralph-Michael Hönscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO) sowie praktizierender Arzt mit eigener Hausarztpraxis in Petersberg bei Fulda, sieht die bestehenden Verhältnisse mit großer Sorge – auch im Hinblick auf den so dringend benötigten medizinischen Nachwuchs und des Fachpersonals. Seit Jahren haben niedergelassene Arztpraxen mit immer schlechter werdenden Bedingungen zu kämpfen, die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten wird salopp formuliert kaputtgespart. Anstatt durch Reformen Abhilfe zu schaffen, wird Ärzten ihre Arbeit durch die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums nur noch mehr erschwert.

„Wir haben Zusammenhalt gezeigt für die Patientinnen und Patienten und für unsere Praxen. Ich denke, wir haben heute aus Fulda heraus ein starkes Zeichen Richtung Berlin setzen können“, so Hönscher, der sich bei den Protestlern für ihr heutiges Engagement herzlich bedankte, abschließend. +++ ja


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