Direktor der Frauenklinik Prof. Dr. Spätling verabschiedet

Bei der Verabschiedung.

Fulda. Der Hörsaal des Klinikums Fulda war so gut besucht, das selbst die zusätzliche Bestuhlung nicht ausreichte, um allen Gästen einen Sitzplatz anbieten zu können. Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft und zahlreiche Wegbegleiter waren gekommen, um den langjährigen Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Dr. Ludwig Spätling, in den Ruhestand zu verabschieden. Die Reden von Oberbürgermeister Gerhard Möller, Vorstandssprecher Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, dem neuen Direktor der Frauenklinik, Priv.-Doz. Dr. Thomas Hawighorst, dem Direktor der Kinderklinik Prof. Dr. Reinald Repp und dem Sprecher Vorstandsausschuss Medizin, Prof. Dr. Clemens-Alexander Greim waren geprägt von Anerkennung und Dank für Spätlings unermüdlichen Einsatz für seine Patientinnen, seinem aufrichtigen und wertschätzenden Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen und für sein Engagement für die Stadt und die Region.

Dabei wurde auch deutlich, dass die Übernahme der Frauenklinik durch Priv.-Doz. Dr. Hawighorst sehr gut gelungen ist und Prof. Spätling „seine“ Frauenklinik in gute Hände übergeben hat. Nach 17 Jahren an der Spitze der Frauenklinik, geht nun eine Ära zu Ende, die von unermüdlicher und erfolgreicher Arbeit für die Frauenklinik geprägt war. Der Begriff „Geborgenheit“ war in seiner Klinik für die Patientinnen erlebte Realität: Ob die Entbindung eines Kindes bevorstand oder eine größere Operation anstand, immer hat es Prof. Spätling verstanden, seinen Patientinnen diese Geborgenheit zu vermitteln Ständige Verfügbarkeit und höchste medizinische Kompetenz waren dabei die Grundlage seines Wirkens, das den Ruf des Klinikums gemehrt und ihm höchste Anerkennung bei den Patientinnen, deren Angehörigen, seinem Team sowie bei den Kolleginnen und Kollegen eingebracht hat. In seiner Ansprache begrüßte Oberbürgermeister Gerhard Möller die so zahlreich erschienenen Gäste und hob insbesondere die Bedeutung der Geburtshilfe für die Region hervor. Gleichzeitig zeigte er sich froh über Prof. Spätlings Nachfolger Dr. Hawighorst: „Mit ihm haben wir einen hochqualifizierten Mediziner für unser Haus gewinnen können, der die Frauenklinik perspektivisch weiter voran bringen wird“, so der Aufsichtsratsvorsitzende. Insbesondere lobte er Prof. Spätlings Engagement in der Gründung und Führung der Familienstiftung. Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Vorstandssprecher des Klinikums Fulda, bedankte sich auch im Namen seines Vorstandskollegen Dietmar Pawlik bei Prof Spätling für seinen engagierten Einsatz für das Klinikum Fulda und die Patientinnen der Frauenklinik. Im Rahmen der offiziellen Verabschiedung ging Dr. Menzel auf den Werdegang von Prof. Spätling ein.

Meilensteine von Prof. Dr. Ludwig Spätling

Als Prof. Dr. Spätling 1997 zum Direktor der Frauenklinik des Klinikums Fulda gewählt wurde, konnte er bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Nach dem Abitur am Leibniz-Gymnasium in Duisburg, dem Studium der Humanmedizin an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn und der Zeit als Medizinalassistent in Duisburg und Marburg folgte im Jahr 1975 die Approbation als Arzt. Bereits ein Jahr zuvor konnte er seine Promotion zum Doktor der Medizin, ebenfalls an der Philipps-Universität in Marburg, erfolgreich abschließen. Schon damals galt sein besonderes wissenschaftliches Interesse der Frühgeburt, deren Ursachen und potenziellen Therapiemöglichkeiten. In den Jahren 1975 – 1980 absolvierte er seine Ausbildung zum Arzt für Frauenheilkunde an der Universitäts-Frauenklinik Marburg. In diese Zeit fällt auch die eher zufällige Beobachtung, dass die Gabe von Magnesium einen hemmenden Einfluss auf vorzeitige Wehen haben kann – was bis heute in vielen Ländern zu einer generellen Magnesiumgabe in der Schwangerschaft geführt hat.

Anschließend war Prof. Spätling 2 Jahre als Postdoktorand im Perinatalphysiologischen Labor des Departement für Frauenheilkunde der Universität Zürich wissenschaftlich tätig. Ebendort wurde er im Jahr 1982 zum Oberarzt mit dem Schwerpunkt Geburtshilfe berufen. 1986 ging es dann zurück nach Deutschland. Gemeinsam mit der Familie, wechselte er nach Herne, wo er zum Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik Bochum am Marienhospital ernannt wurde. Dort verstärkte er seine wissenschaftlichen Aktivitäten weiter und gründete mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Landes NRW und der Industrie die Forschungsabteilung der Universitäts-Frauenklinik Bochum am Marienhospital. Im Jahr 1988 konnte Prof. Spätling mit der Verleihung der Venia legendi für das Fach Geburtshilfe und Frauenheilkunde seine Habilitation erfolgreich abschließen und wurde zum Privatdozenten ernannt. Die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Ruhr-Universität Bochum folgte 5 Jahre später.

Auch die Klinische Weiterbildung betrieb er mit Engagement und mit Erfolg: Im Jahr 1995 erhielte er die Anerkennung der fakultativen Weiterbildung in den Bereichen: Spezielle operative Gynäkologie, Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Im Jahr 1997 erfolgte dann die Berufung auf die Stelle des Klinikdirektors der Frauenklinik am Städtischen Klinikum Fulda. Die professionelle Führung des Teams, die Weiterführung der klinisch- wissenschaftlichen Arbeiten und die Versorgung der Patientinnen der Frauenklinik standen fortan im Fokus der Tätigkeiten. Im Jahr 2006 wurde das Qualitätsmanagement der Frauenklinik als erste Abteilung des Klinikums zertifiziert. Gleich darauf erfolgte die Zertifizierung des Brustzentrums durch Onkozert. Darüber hinaus engagierte er sich neben der Arbeit in der Klinik auch immer im sozialen Bereich. Im Jahr 1999 erfolgte die Gründung der Familienschule in Fulda, ein Jahr später die Etablierung der Deutschen Familienstiftung – einer Herzensangelegenheit von Prof. Spätling.

Über 100 Publikationen und Buchbeiträge tragen seinen Namen, ungezählte wissenschaftliche Vorträge hat er gehalten. Die langjährige Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Schweizer Nationalfonds sprechen darüber hinaus für sich. Seine wissenschaftliche Vita ist beispielgebend. Im Fokus dabei immer wieder die Verhinderung der Frühgeburtlichkeit: Stichworte wie pulsatilen Bolustokolyse, die Entwicklung der Vierkanal-Tokographie und vor allem seine Untersuchungen zur Rolle des Magnesiums in der Schwangerschaft nötigen den Fachleuten Respekt ab.„Ihre Patientinnen verdanken diesen Forschungen erfolgreiche Entbindungen, die ohne diese Arbeiten wohl nicht immer möglich gewesen wären“, so Dr. Menzel, „und wenn es dann doch einmal zur einer zu frühen Geburt gekommen ist, dann konnten – und können sich auch zukünftig – die besorgten Eltern auf die wirklich ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Ihrer Klinik und dem Team der Kinderklinik um Prof. Dr. Repp verlassen“.

Auch schwierige Zeiten waren zu bewältigen: Die gute Zusammenarbeit mit dem langjährigen leitenden Oberarzt, dem Kollegen Dr. Alfons Kraus neigte sich im Jahre 2009 dem Ende zu, zu einer Zeit als sich der sprichwörtliche Ärztemangel einstellte. Gerade die Frauenheilkunde war deutschlandweit davon überproportional und früher als die meisten anderen Fakultäten betroffen. Interimslösungen mussten gefunden werden. „Damit war es im August 2012 endlich vorbei und wir konnten mit Privatdozent Dr. Thomas Hawighorst, den Nachfolger in der Position des Ärztlichen Direktors der Frauenklinik in sein Amt einführen“, führte der Vorstandessprecher weiter fort.Privatdozent Dr. Hawighorst und sein Team um den Leitenden Oberarzt Dr. Werner Stein, den Oberärztinnen und Oberärzten, den Assistentinnen und Assistenten, den Hebammen, den Pflegekräften und den weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht heute sehr gut da. „Die Geburtenzahlen am Klinikum Fulda sind entgegen dem allgemeinen Trend im Jahr 2013 bei uns im Klinikum erstmals wieder gestiegen, Oberarzt Dr. Stein ist im neuesten Fokus-Ranking als einer der Besten deutschen Ärzte in der Geburtshilfe ausgezeichnet worden“, freut sich Dr. Menzel. „Das Vertrauen der Patientinnen sowie der Bürger und Bürgerinnen der Stadt und der Region, dass Sie lieber Herr Spätling so lange genossen haben, ist auf das neue Team übergangen. Nun ist es Zeit, endgültig Abschied zu nehmen von der klinischen Arbeit am Klinikum. Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren Weg alles Gute“, so Menzel weiter. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die musikalische Begleitung durch das Ensemble „Amarilli“: Die vier Mitglieder des Ensembles, darunter Prof. Spätlings Sohn Philipp, beherrscht die Vokal- und Instrumentalmusik der Renaissance, des Barock bis hin zur Frühklassik in den verschiedensten kammermusikalischen Besetzungen.Beim anschließenden Empfang mit kulinarischen Leckerbissen aus der Küche des Klinikums ließen die Gäste diesen besonderen Abend angemessen ausklingen. +++ fuldainfo

Bei der Verabschiedung.
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