Bürgerinitiative L14 setzte mit Demo Parade “L14 lebt!” klares Statement

Schulenberg: "Kultur beginnt in Fulda nicht erst hinter der Eingangstür des Schlosstheaters"

Fulda. Unter dem Motto „L14 lebt“ – stehend für “Langebrückenstraße 14 lebt” – veranstaltete die “Bürgerinitiative L14 (BI L14)” am gestrigen Samstag, auf dem Fuldaer Jesuitenplatz, eine Demo Parade mit anschließender Kundgebung für den Erhalt aller am Standort Langebrückenstraße 14 ansässigen Initiativen sowie für eine kulturelle Vielfalt in Fulda. Das Areal, um dieses es sich bei der Kundgebung handelte, wurde an die privaten Investoren Geisendörfer und Burg verkauft. Betroffen sind 20 Initiativen, Projekte und Vereine, die zurzeit auf dem Gelände ansässig sind. Damit ist ein großes, gewachsenes Initiativen- und Subkulturleben in Fulda, gefährdet, das sich über den Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten, mit Unterstützung des AWO-Jugendwerkes, etabliert hat. Die Mietverhältnisse wurden zum Februar 2017 gekündigt.

“Durch den Verkauf des Geländes, ist das gesamte L14, durch andere – noch nicht absehbare Nutzungsabsichten, in Frage gestellt. Das ‘Café Panama’ des Jugendwerkes der Arbeiterwohlfahrt, bietet eine bislang so noch nie in Fulda dagewesene Bündelung von verschiedenen soziokulturellen Angeboten, in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex. Hier gelingt es, bisher kulturelle Unterhaltung und soziales Engagement, ökologisch nachhaltige Projekte, freie Kunst und Kunsthandwerk, miteinander zu verbinden. Viele Gruppen, Initiativen, Vereine, aber auch Einzelpersonen, die sich gegenseitig in ihren Zielen unterstützen, machen das Areal in der L14, zu dem, was es ist – einen liebenswerten Ort, an dem es sich lohnt, sich zu engagieren und den viele Menschen gerne besuchen. Knapp 18.000 Nutzer, über 250 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie ehrenamtliche Organisatorinnen und Organisatoren, verwirklichen jährlich etwa 500 Termine und Angebote, unter ihnen – kulturelle Veranstaltungen, regelmäßige Öffnungszeiten der Angebote, Workshops und Sitzungen unterschiedlichster Art, in der ‘Langebrückenstraße 14’. Inzwischen nimmt auch die Integration von Geflüchteten an diesem Ort zunehmenden Raum ein. Rückschritte kann sich da niemand erlauben”, heißt es in dem Offenen Brief der Bürger*innen-Initiative L14 vom 25. August 2016 an den Magistrat der Stadt Fulda zum Erhalt des Standortes wörtlich.

Weiter heißt es darin: “Durch kreative Impulse wurde unbürokratisch Freiraum für individuelle Mitgestaltung geschaffen, der zunehmend von Menschen angenommen wird und in konkreten Projekten, Umsetzung findet. Es gibt dabei keine starren Strukturen, sondern sich stetig wandelnde Prozesse. Vor allem konnten und können sich an diesem Ort, viele junge Menschen ausprobieren und verwirklichen. Dabei werden alle in gruppendynamische Prozesse eingebunden. Ehrenamtlich tätige Menschen, gestalten den Raum mit und sind Teil der Entscheidungen. Sie tragen somit auch Verantwortung. Bei den durchgängig – nicht profitorientierten Angeboten, steht die Einbindung Interessierter im Vordergrund. Das heißt, es handelt sich nicht um klassische, zu konsumierende Kultur. Dies motiviert Menschen, ermutigt zu Eigeninitiative, schafft Synergien und stärkt ehrenamtliches Engagement in ganz Fulda. Das sonstige Angebot in der Stadt, erreicht, – aufgrund ihrer Ausrichtung oder Kosten – nicht alle Bürger. Die Angebote im ‘Café Panama’, füllen einen nennenswerten Teil dieser Lücken und erweitern das Angebot spürbar. Dabei stehen wir nicht in Konkurrenz zu öffentlichen und kirchlichen Trägern, anderweitigen Sozialeinrichtungen und auch nicht zu kommerziellen Anbietern. Um die Stadt für junge Menschen attraktiv zu halten, ist ein ‘szenetypisches’ Angebot – unumgänglich. Nur so verbleiben zum Beispiel Studierende länger in Fulda, werden hier – vielleicht sogar – sesshaft und bringen sich dauerhaft ins städtische Leben ein. Anderen jungen Fuldaern wird ein höherer Anreiz geboten, in der Stadt zu bleiben und sie nicht frühzeitig zu verlassen.”

“Unser kulturelles Engagement erwirtschaftet keinen materiellen Gewinn. Unser Kapital, das die vielen anderen Gruppen und Initiativen hier miteinander verbindet, ist unser Idealismus, unsere Kreativität und unsere – sich ergänzende – Vielfalt. Unser Engagement schafft Lebensgefühl und dieses schafft eine Willkommens- und Begegnungskultur. Subkultur schafft kulturelle Werte, sie ist ein wesentliches Kennzeichen bedeutender Städte. Wir möchten Sie persönlich und die Stadt Fulda, als Institution nachdrücklich auffordern, den Fortbestand der im ‘Café Panama’ ansässigen Initiativen, auch in Zukunft, an diesem Standort in Fulda, zu sichern. Für die Fortsetzung unseres vielfältigen Engagements, muss den hier ansässigen und weiteren Gruppen und Projekten, Raum zur Verfügung stehen. Dieser sollte möglichst gebündelt an diesem Standort verbleiben, um die langjährig gewachsene, aktive Vernetzung und Synergien, fortzusetzen, die ein Ort, wie die ‘ Langebrückenstraße 14’ aktuell ermöglicht”, so die Bürger*innen-Initiative L14 in ihrer Forderung an die Stadt Fulda weiter.

BI: “Die Lust auf Leben verbindet – Fulda braucht uns – jetzt uns auch zukünftig”

“Man nimmt uns ernst, so unser Eindruck. Am kommenden Mittwoch, haben wir ein weiteres Gespräch mit dem Oberbürgermeister. Es gibt noch keine verhärtenden Fronten, wir wollen positiv auftreten, um mitreden- und mitgestalten zu können“, so Axel Braun von der “Bürgerinitiative L14” am Samstag auf dem Jesuitenplatz. “Ohne Kultur können Städte, als pulsirende Lebensräume, nicht existieren. Wir stehen für soziokulturelle Vielfalt in Fulda, für Selbstverwirklichung, Offenheit und Miteinander. Wir sind alle Ehrenamtliche, die im Sinne ‘kulturelle Vielfalt’ Freiheit brauchen”, so Verena Schulenberg ebenfalls von der “Bürger*innen-Initiative L14”. Am Standort “Langebrückenstraße 14”, habe man diese Freiheit, die auf einer kulturellen Vielfalt basiert und diesen man gerne behalten möchte. Kultur beginne in Fulda – für Verena Schulenberg und aller am Standort L14 aktiven -, nicht erst hinter der Eingangstür des hiesigen Schlosstheaters. Kultur ist weit mehr. Deshalb bedarf es Freiräume – Räume und Plätze, um diese kulturelle Vielfalt, weiter ausbauen- und gestalten zu können – und dies nicht nur für die Bürger*innen-Initiative L14, sondern auch für alle Bürgerinnnen und Bürger in Fulda. Denn eines ist für die vielen Kulturschaffenden im Kontext von “L14 lebt”, das Motto der gestrigen Kundgebung, gewiss: “Die Lust auf Leben verbindet – Fulda braucht uns – jetzt und auch zukünftig.” +++

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2 Kommentare

  1. Wieder ein Beispiel, wie unernst es der Stadt Fulda mit gelebter Kultur ist. Das kulturelle Engagement erwirtschaftet eben keinen materiellen Gewinn. Musicals, die nach der Streikart – “hat man eines gesehen, kennt man sie alle” – werden unterstützt. Warum hat die Stadt hier nicht kurzerhand einmal Geld in die Hand genommen – haben ja genug – und das Gelände für kulturelle Zwecke gekauft? Die Stadt hat diese Einrichtungen leichtfertig Ihrem Schicksal überlassen und trägt für den möglichen Verlust der Szene die Verantwortung. Gesprächsangebote haben reine Alibifunktionen. Klar braucht die Stadt auch Wohnraum, aber auch Kultur – die ist nunmal mehr, als Schlosstheater und Musicalsommer. Möglicherweise erklärt sich die Stadt ja bereit teile des Eika-Areals als Ersatz zu erwerben.

  2. So wichtig diese Arbeit auch sein mag – die CDU in Fulda wird in erster Linie die Interessen der eigenen Klientel sehen. Und das sind eben die Hausbesitzer. Diese Menschen aus der Langebrückenstraße 14, die sich seit vielen Jahren oft ehrenamtlich um junge Menschen kümmern, gehören leider nicht dazu.

    Daher, wenn die Investoren es wollen, wird das Gelände (Achtung Satire) röcksächtslos unerbetterlich geräumt!

    Nur wenn es gelingt, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu mobilisieren und mit Hilfe auch der SPD, den Grünen und den Linken, also der Opposition Druck auf die CDU aufgebaut wird, dann wird man einer Lösung im Sinne der BI L14 vielleicht zustimmen.

    Doch dafür sehe ich derzeit nicht wirklich eine Chance. Die Fuldaer sind eben viel zu konservativ und haben für solche Arbeit kein Verständnis.

    Leider!

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