Bericht: Spahn mahnt Hausärzte zum Einhalten der Impfintervalle

Wieder ein Prozent binnen eines Tages gegen Corona geimpft

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat wohl am Donnerstagabend in einer internen Runde mit seinen Ministerkollegen aus den Bundesländern die Impfpraxis der Hausärzte kritisiert. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ unter Berufung auf Teilnehmer. Demnach ging es auf der Gesundheitsministerkonferenz beim Tagesordnungspunkt 3.1. um das Thema „Impfintervall in Arztpraxen“. Spahn bat laut Bericht die Länder-Gesundheitsminister darauf zu achten, dass die Hausärzte die vorgesehenen Intervalle für Erst- und Zweitimpfungen beachten. Zwischen beiden Spritzen sollen je nach Impfstoff bis zu zwölf Wochen liegen. Laut Teilnehmern kritisierte Spahn, dass Hausärzte wegen der nahenden Sommerferien entweder Zweitimpfungen an die Impfzentren delegieren – oder die Termine für die zweite Spritze in der Praxis vorziehen. Seitdem auch die Hausärzte impfen und es etwas mehr Impfstoff gibt, hat die Impfkampagne in Deutschland deutlich an Fahrt zugenommen. Am Donnerstag gab es einen neuen Rekord: insgesamt eine Million Impfungen pro Tag. Vor allem aufgrund der geringeren Bürokratie gehen die Dosen in den Praxen im Grundsatz schneller weg als in Impfzentren.

Wieder ein Prozent binnen eines Tages gegen Corona geimpft

Nach dem Rekord vom Mittwoch sind die Corona-Impfzahlen am Donnerstag etwas zurückgegangen, es wurde aber wieder rund ein Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Tages erstmals geimpft. Insgesamt stieg die Zahl der erstmals verabreichten Dosen in Deutschland auf 22,4 Millionen, entsprechend 26,9 Prozent der Bevölkerung. Gegenüber den am Donnerstag im Laufe des Tages bekannt gewordenen erstmaligen Verimpfungen stieg die Zahl der Impflinge um 831.651 an. Die Zahl weicht etwas von dem Tageswert des RKI ab, weil das Institut Nachmeldungen und zudem die Impfungen mit Johnson & Johnson bei den Erstimpfungen nicht berücksichtigt. In den letzten sieben Tagen wurden demnach täglich durchschnittlich 556.000 Menschen erstmalig gegen das Coronavirus geimpft. Astrazeneca ist mittlerweile von Moderna überholt worden und wird nur noch bei sechs Prozent aller Erstimpfungen verwendet, nach rund fünf Prozent am Vortag. In über 85 Prozent der Erstimpfungen wird den dritten Tag in Folge Biontech/Pfizer genutzt. Und obwohl bereits letzte Woche mindestens 256.000 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson ankamen, haben die Bundesländer es nicht besonders eilig, den neuen Wirkstoff einzusetzen. Am Donnerstag wurden nur 997 Dosen gespritzt, insgesamt bisher 2.106.

Kekulé erwartet zahlreiche Corona-Mutationen

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé rechnet damit, dass in den kommenden Monaten noch sehr viele weitere Variationen des Coronavirus auftreten werden. Zugleich warnt er vor übertriebener Sorge davor. Die Mutanten, die wir jetzt sehen, seien nur „die Spitze eines riesigen Eisbergs“, sagte Kekulé ntv.de. Derzeit gebe es vermutlich bereits Hunderte Varianten des Virus. Nicht alle seien aber gefährlich. Diesen Status hätten bislang nur die zuerst in Großbritannien (B117), Südafrika (B1351) und Brasilien (P1) entdeckten Varianten. „Eine vierte, die indische B1617, wird wohl in Kürze diesen Status „Variant of Concern“ bekommen“, sagte der der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale). Die Mutationen des Coronavirus verliefen aber nicht zufällig, betont Kekulé. Das Virus sei vielmehr bestrebt, sich zu optimieren, „um sich an seinen neuen Wirt anzupassen“. Dies passiere nicht Schritt für Schritt, sondern an vielen Orten der Erde gleichzeitig. „Wir beobachten gerade, wie unabhängig voneinander in verschiedenen Ländern sehr ähnliche Varianten entstehen, die fast identische Mutationen haben.“ Diese Varianten des Coronavirus hätten deshalb ähnliche Mutationen, „weil sie damit den Menschen besser infizieren und sein Immunsystem austricksen können“. Die Veränderung des Erregers sei aber vorhersehbar gewesen, so Kekulé. „Das Virus wird im Laufe der Zeit ansteckender. Zugleich nimmt seine krankmachende Wirkung ab, was zum Teil auch daran liegt, dass unser Immunsystem dazulernt.“ Der menschliche Körper werde immer bessere Strategien entwickeln, wie er mit Covid-19 umzugehen hat. „So wird sich auch Covid irgendwann zu einer Infektionskrankheit unter vielen entwickeln. Wir werden dann keinen Grund mehr haben, das neue Virus mit allen Mitteln zu bekämpfen. Das ist dann gut für uns, aber auch gut für das Virus.“ +++

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