Apothekerverband fordert Booster-Impfung für alle

Mehrheit der Ungeimpften lässt sich nicht mehr umstimmen

Der Chef des Apothekerverbands Nordrhein fordert die Ständige Impfkommission auf, die Booster-Impfung für alle Voll-Geimpften zu empfehlen: „Es ist schade, dass die Stiko noch nicht die Auffrischung für alle zweimal Geimpften empfiehlt, laut Zulassung der Europäischen Arzneibehörde wäre das durchaus möglich“, sagte Thomas Preis der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe). „Wir müssen jetzt den Turbo für die Booster-Impfungen starten.“ Preis fürchtet, dass es sonst bald mehr Infektionen gibt als vor einem Jahr. „Wenn wir jetzt nicht schnell reagieren, werden wir ungebremst in eine heftige vierte Corona-Welle geraten. Diese wird zunehmend auch von bereits Geimpften geprägt sein. Am 18. Dezember 2020 wurden mit deutschlandweit 33.777 die meisten täglichen Neuinfektionen gemeldet, eine deutlich höhere Zahl ist in diesem Winter vorstellbar.“ Der Apothekerverbands-Chef warnte, dass sich zu viele Geimpfte in Sicherheit wiegen: „Zu viele glauben, dass mit zwei Impfungen ein lang andauernder Impfschutz erreicht wurde. Der hält für die meisten aber nur für maximal sechs Monate in ausreichender Stärke“, sagte Preis. „Aktuelle Studien belegen sogar, dass der Impfschutz nach abgeschlossener Impfserie bereits nach vier Monaten nur noch bei 20 Prozent liegt.“

Kinderärzte setzen auf baldige Corona-Impfung für unter 12-Jährige

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, will dringend Corona-Impfungen für unter 12-Jährige. Das sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir hoffen darauf, dass in den nächsten Wochen eine europäische Zulassung des Biontech-Impfstoffs für die Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen kommt, die dann auch in Deutschland übernommen wird“, so Dötsch. Nach seinen Worten wären Corona-Impfungen in dieser Altersgruppe damit auch ohne eine ausdrückliche Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) „rechtlich abgesichert“. Die Empfehlung könnte dann nach genauer Prüfung der Daten zu Nebenwirkungen in den Wochen darauf folgen. „Wir als Kinderärzte würden uns einer entsprechenden Empfehlung der Stiko zur Impfung der 5- bis 11-Jährigen anschließen“, stellte Dötsch klar. Viele Familien in Deutschland mit chronisch kranken Kindern in diesem Alter warteten dringend darauf, dass die Corona-Impfung für die Jüngeren zugelassen werde. Die Impfung von Kindern in diesem Alter nannte der Mediziner sinnvoll. Ziel sei es, ihnen eine Corona-Erkrankung zu ersparen sowie zu verhindern, dass infizierte Kinder isoliert werden und wieder von der Schule fern bleiben müssten. Es sei bekannt, dass diese Abwesenheit die seelische Gesundheit der Kinder verschlechtere. „Auch davor schützt die Impfung letztlich. Darum ist sie sinnvoll“, sagte der Mediziner.

Überdies sei es „unbedingt notwendig“, dass sich alle Erwachsenen impfen ließen, vor allem in pädagogischen, medizinischen und pflegerischen Berufen. „Diese Erwachsenen haben eine besondere Verantwortung“, mahnte der Kinderarzt. Zudem sei es jetzt erforderlich, dass sich auch möglichst viele Kinder über 12 Jahren gegen Corona impfen ließen. Eltern- und Familienorganisationen forderten angesichts der steigenden Infektionszahlen unter Kindern und Jugendlichen mehr Anstrengung der Politik. „Leider hat es die Bundesregierung in ihrer Impfstrategie versäumt, bevorzugt Mütter und Väter sowie pädagogisches Personal anzusprechen“, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbands, Sebastian Heimann, den Funke-Zeitungen. Er kritisierte, jetzt drohe erneut eine Belastung von Familien, „dabei sollte dies, insbesondere zum Wohl der Kinder, vermieden werden“. Heimann forderte, alle Energie müsse sich jetzt darauf konzentrieren, den Betrieb von Schulen und Kindertagesstätten zu gewährleisten. Schließungen gelte es zu verhindern. Zudem seien in Bildungseinrichtungen höhere Personalschlüssel erforderlich, um Ausfälle auszugleichen. Auch die Bundeselternsprecherin für Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, Katharina Queisser, äußerte Kritik. Es gebe „kaum Konzepte, um die Jüngsten vor Ansteckungen zu schützen“, sagte sie den FUNKE-Blättern. Viele Eltern fühlten sich von der Politik in der Pandemie „erneut nicht ausreichend wahrgenommen und unterstützt“. Die Lasten und Gefahren der Pandemie lägen auch in  diesem Corona-Winter bei den Kindern und ihren Familien, kritisierte sie.

Umfrage: Mehrheit der Ungeimpften lässt sich nicht mehr umstimmen

Die große Mehrheit der Ungeimpften wird sich voraussichtlich nicht mehr von einer Immunisierung gegen das Coronavirus überzeugen lassen. Das ergab die bisher größte Befragung von Ungeimpften durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums, über die das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben) vorab berichtet. Danach gaben zwei Drittel (65 Prozent) der rund 3.000 Befragten an, sich „auf keinen Fall“ in den nächsten zwei Monaten impfen zu lassen. 23 Prozent tendierten zu „eher nein“. Lediglich zwei Prozent der Befragten wollten sich „auf jeden Fall“ impfen lassen. Die restlichen zehn Prozent zeigten sich unentschlossen oder hielten eine spätere Impfung „eher“ für möglich. Laut der Befragung, die zwischen Ende September und Mitte Oktober durchgeführt wurde, können die Ungeimpften auch kaum noch umgestimmt werden. 89 Prozent der Befragten gaben beispielsweise an, es habe keinerlei Einfluss auf die eigene Impfbereitschaft, wenn die Intensivstationen erneut an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Nur fünf Prozent meinen, dieser Umstand werde ihre Bereitschaft zu einer Impfung erhöhen. Eine mögliche Festlegung der Politik, wonach ab einer bestimmten Impfquote alle Corona-Beschränkungen aufgehoben werden, sehen 86 Prozent ohne Einfluss auf ihre Entscheidung. 75 Prozent würden sich laut Umfrage nicht durch Belohnungen für Geimpfte beeinflussen lassen. Derartige Anreize könnten sogar kontraproduktiv sein: Denn 18 Prozent gaben an, dass durch Prämien ihre Impfbereitschaft abnehmen würde. Maßnahmen, die die Nicht-Geimpften stärker unter Druck setzen, wirken sich nach der Umfrage häufiger negativ als positiv auf die Impfbereitschaft aus.

Das gilt beispielsweise für eine generelle Anwendung der 2G-Regel im Freizeitbereich (negative Beeinflussung 27 Prozent, positiv 5 Prozent), für eine 3G-Pflicht am Arbeitsplatz (negativ 21, positiv 4), für die Selbstzahlung von Corona-Tests (negativ 22, positiv 3) oder mehr leicht zugängliche Impfangebote ohne Termin (negativ 7, positiv 3). Für die übergroße Mehrheit der Befragten haben die bei der Studie abgefragten Maßnahmen und Entwicklungen jedoch keinerlei Auswirkungen auf die Impfbereitschaft. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Die Zulassung von Impfstoffen mit klassischen Wirkmechanismen – etwa sogenannte Totimpfstoffe mit abgetöteten Krankheitserregern – könnte an der ablehnenden Haltung unter Umständen etwas ändern. Hier gaben immerhin 56 Prozent an, dass sich dann ihre Impfbereitschaft erhöhen würde. Nur ein vergleichsweiser kleiner Anteil von 36 Prozent meint, das würde ihre Haltung zu einer Corona-Impfung nicht beeinflussen. Laut der Umfrage haben die Befragten vielfältige Gründe, warum sie die Schutzimpfung gegen das Coronavirus bisher nicht wahrgenommen haben. Besonders zentral sind dabei Zweifel an der Sicherheit der bisher verfügbaren Impfstoffe: Eine große Mehrheit hält diese nach wie vor für zu wenig erprobt (74 Prozent)  und befürchtet Impfschäden und Langzeitfolgen (62 Prozent). Hinzu kommt Skepsis gegenüber der Wirksamkeit der Impfstoffe: Insbesondere betont die große Mehrheit (63 Prozent) der Befragten, dass auch Geimpfte sich mit Corona infizieren und andere anstecken können. Mangelnde Zeit oder Gelegenheiten für eine Impfung nennt nur ein Prozent als Grund. +++

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