Ahmad Mansour warnt vor falscher Toleranz gegenüber Katar

Der deutsch-arabisch-israelische Publizist Ahmad Mansour warnt vor falscher Toleranz gegenüber dem WM-Gastgeberland Katar. „Katar ist nicht nur problematisch, weil es tausende Arbeiter versklavt hat, den Tod vieler in Kauf nahm und homosexuelle Menschen verfolgt, sondern auch, weil es den politischen Islam in Europa finanziert“, sagte Mansour der „Rheinischen Post“. Er sei überrascht, dass sich Leute von den jüngsten Aussagen des WM-Botschafters von Katar überrascht zeigten. Der hatte in einem Interview mit dem ZDF Homosexualität als „haram“, also verboten, bezeichnet und von einem „geistigen Schaden“ gesprochen.

Der Westen sei immer überrascht, wenn aus irgendeinem aktuellen Anlass Akteure des politischen Islam Überzeugungen aussprächen, die westlichen Werten fundamental widersprechen, sagte Mansour. „Wir sehen nicht, dass dahinter ein System steht, das Einfluss nehmen will und seit Jahren eine islamistische Agenda verfolgt.“ Äußerungen der früheren Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Joschka Fischer (Grüne), die den kritischen Umgang Deutschlands mit Katar als überheblich bezeichneten, widersprach Mansour. Katar sei kein Land, in dem es punktuell Probleme etwa mit Homophobie gebe. Vielmehr sei das Land ähnlich wie der Iran Teil des politischen Islam, der seinen Einfluss in der westlichen Welt, auch in Deutschland, systematisch auszubauen versuche. „Katar hat sehr viel Geld in die Fußball-Weltmeisterschaft investiert, um sich reinzuwaschen und in der Welt gut dazustehen“, sagte Mansour. Das Land wolle zeigen, wie großartig es sei und nutze jede Gelegenheit, um sich als weltoffen zu inszenieren. „Das ist hochproblematisch. Das sollten wir nicht verharmlosen“, sagte Mansour.

„Die Aussagen des katarischen WM-Botschafters Khalid Salman zeigen, dass Katar ein homophobes Land sei, in dem die Rechte von queeren Menschen missachtet werden“, so Jürgen Lenders, Sprecher für LSBTI der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. LSBTI in Katar werden kriminalisiert und verfolgt. Lenders betont, die Probleme seien schon 2010 bei der Vergabe der Spiele bekannt gewesen. „Wir sollten die WM dafür nutzen, um auf die höchst problematische Lage der LSBTI-Community in Katar hinzuweisen und die Community vor Ort durch gezielte Projekte unterstützen.“ Auch nach der WM sollten wir Katar in die Pflicht nehmen, aber auch auf den gemeinsamen Dialog aufbauen. Die Vergabe von Sportveranstaltungen werde sich künftig auch an Menschenrechtskriterien orientieren müssen, so Lenders. Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag hat in der gestrigen Fraktionssitzung ein Positionspapier zur Fußball WM in Katar verabschiedet. Die Liberalen heben hervor, dass angesichts des zweifelhaften Vergabeverfahrens sowie massiver Menschenrechtsverletzungen die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar ein Fehler gewesen sei. Eine Vergabe einer Sportveranstaltung zu diesen Bedingungen dürfe es nie wieder geben. Die übliche Vorfreude auf eine Sportveranstaltung dieser Größenordnung könne derzeit nicht aufkommen. Offensichtlich sind Missstände, wie die Korruption im Vergabeprozess, die menschenunwürdige Behandlung der Arbeitmigrantinnen und -migranten sowie die staatliche Repression gegenüber Frauen und LSBTI-Personen. Trotz aller Kritik an der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar möchte FDP-Fraktion ihre Unterstützung für die deutsche Nationalmannschaft klar zum Ausdruck bringen. Sie hat die volle Rückendeckung der Fraktion und sie wünscht der Mannschaft viel Erfolg in den anstehenden Spielen. Für alle Sportler und Mitglieder der Funktionsteams muss die freie Meinungsäußerung möglich sein, so die FDP-Fraktion. Sie dürften weder einem Zwang zu politischen Äußerungen noch einem Verbot dessen ausgesetzt werden. +++


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