Es sind nicht allein Ämter, Projekte oder Auszeichnungen, die das Ansehen eines Menschen prägen. Oft ist es die Art, wie jemand über Jahrzehnte hinweg handelt, zuhört und Verantwortung übernimmt. Genau dieser Gedanke stand im Mittelpunkt einer Feierstunde für Franz Josef Adam, die nach der offiziellen Verleihung des Bundesverdienstordens am Bande in Wiesbaden nun auch in seiner Heimatgemeinde Neuhof stattfand.
Rund 40 Weggefährten, Freunde und langjährige Begleiter kamen am Donnerstag, 28. Mai, im Gasthof Schmitt zusammen, um die Auszeichnung in einem persönlichen Rahmen zu würdigen. Dabei rückten weniger die zahlreichen Stationen seines öffentlichen Wirkens in den Vordergrund, über die bereits im Zusammenhang mit der Ordensverleihung ausführlich berichtet worden war. Vielmehr ging es um die Eigenschaften und Haltungen, die Franz Josef Adam für viele Menschen in Neuhof und darüber hinaus auszeichnen.
Bürgermeister Heiko Stolz beschrieb in seinem Grußwort die prägende Rolle, die Adam über viele Jahrzehnte für die Gemeinde gespielt habe. Die Leistungen eines Menschen seien stets Ausdruck seiner Grundsätze, sagte Stolz, und bei Franz Josef Adam werde dies in besonderer Weise sichtbar. „Du bist ein wunderbares Gesamtpaket als Mensch und hast dich viele, viele Jahre für uns und unsere Gemeinde eingesetzt“, erklärte der Bürgermeister. Besonders hob er drei Eigenschaften hervor: die konsequente Orientierung am Gemeinwohl, einen außergewöhnlichen Ehrgeiz verbunden mit großem persönlichem Einsatz sowie eine ausgeprägte Nächstenliebe. „Du bist ein echtes Vorbild für unsere Gesellschaft und auch ein Vorbild für mich. Vielen, vielen Dank für alles, im Namen der Gemeinde und auch von mir persönlich“, sagte Stolz.
Auch der Bundestagsabgeordnete Michael Brand fand sehr persönliche Worte. Er bezeichnete Franz Josef Adam als einen „wirklichen Helden der Demokratie“, weil dieser aus innerer Überzeugung für die demokratische Ordnung arbeite. Über viele Jahre hinweg habe Adam nicht nachgelassen und dabei stets versucht, Menschen einzubinden, anstatt Entscheidungen von oben herab zu treffen. „Auch wenn sich der Wind gedreht hat, warst du jemand, der gestanden ist“, sagte Brand und verwies damit auf eine Haltung, die in politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nicht selbstverständlich sei.
Landrat Bernd Woide stellte den Bundesverdienstorden in einen größeren Zusammenhang. Die Auszeichnung werde Menschen verliehen, die Außergewöhnliches leisteten. „Ein solch besonderer Mensch ist Franz Josef Adam“, sagte Woide. Er habe sich in zahlreichen Bereichen engagiert, häufig auch dort, wo er formal gar nicht zuständig gewesen sei. Gerade darin liege ein wesentlicher Teil seines Wirkens. Mit Blick auf Adams langjähriges Engagement bemerkte der Landrat, die Veranstaltung hätte eigentlich in einer Schule stattfinden sollen. „Denn an Franz Josef Adam wird sichtbar, was gelebte Demokratie bedeutet: Es gibt Menschen, die Demokratie nicht nur lernen, sondern sie gestalten. Das sind die wahren Helden.“
Der langjährige Weggefährte Karl-Heinrich Block erinnerte an die gemeinsame Zeit seit den 1990er-Jahren. Unabhängig von Größe und Schwierigkeit der Vorhaben sei die Zusammenarbeit stets von Verlässlichkeit und gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen. „So schwer oder groß die Projekte auch waren, mit dir diese Zeit zu durchlaufen, war immer sehr angenehm“, sagte Block.
Persönliche Worte fand auch Ehrenbürgermeisterin Maria Schultheis. Für sie zeichne sich Franz Josef Adam vor allem durch seine Verlässlichkeit aus. „Ich glaube, es gibt keinen Menschen, der so verlässlich ist wie der Franz. Er ist ein toller Freund und Wegbegleiter, der immer da ist, auch wenn es ihm selbst einmal nicht gut geht.“
Den emotionalen Höhepunkt des Abends setzte schließlich Franz Josef Adam selbst. In seiner Ansprache erinnerte er an eine prägende Erfahrung aus seiner Kindheit. Wenn er Milch zu einer Nachbarin gebracht habe, habe man ihm geraten, sich zu ihr ans Bett zu setzen, ihre Hand zu nehmen und mit ihr zu sprechen. Diese Begegnungen hätten ihn nachhaltig geprägt. Das Zuhören, das Mitgefühl und die Bereitschaft, sich den Anliegen anderer Menschen zuzuwenden, seien für ihn stets wichtige Maßstäbe geblieben. Auch in seinem späteren Engagement habe er versucht, Menschen zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu finden. „Ich bin auch angeeckt, aber am Ende haben wir immer gemeinsam eine Lösung gefunden“, sagte Adam. Besonders dankbar sei er für die zahlreichen Begegnungen mit Menschen gewesen, die ihn auf seinem Weg begleitet hätten. „Mich hat es immer gefreut, Menschen kennenzulernen, die mit mir zusammen den Weg bestritten haben. Ich habe unfassbar viel von euch gelernt.“
Was ihm rückblickend besonders in Erinnerung bleibe, seien die vielen persönlichen Begegnungen in Neuhof. Dabei hätten Herkunft, Ortsteil oder politische Zugehörigkeit keine Rolle gespielt. „Die Menschen sind auf mich zugekommen und haben sich bedankt. Egal welche Partei. Das ist das, was hängen bleibt und mir Kraft gibt“, sagte Adam. Seinem Nachfolger Harald Merz wünschte er für die kommenden Aufgaben Kraft und Glück.
Seinen größten Dank richtete er an seine Frau Erika. Sie habe ihn über Jahrzehnte begleitet, unterstützt und geerdet. „Du hast doch einiges aushalten müssen mit mir, aber wir sind immer im Guten durchs Leben gegangen“, sagte Adam. In diesem Jahr feiern die beiden ihren 50. Hochzeitstag – ein persönliches Jubiläum, das an diesem Abend ebenso mitschwang wie die Würdigung eines langjährigen öffentlichen Engagements.
Nach den Grußworten klang die Feier in geselliger Runde aus. Zwischen Erinnerungen, Gesprächen und gemeinsamem Lachen wurde deutlich, dass die Auszeichnung für Franz Josef Adam weit über eine formale Ehrung hinausreicht. Sie steht für ein Lebenswerk, das von vielen Menschen nicht allein wegen seiner sichtbaren Leistungen geschätzt wird, sondern wegen der Haltung, die dahintersteht. Manche Auszeichnungen gewinnen ihren eigentlichen Wert erst durch die Menschen, die sie tragen. In Neuhof wurde an diesem Abend spürbar, warum dies auf Franz Josef Adam in besonderer Weise zutrifft. +++
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