50 Jahre Eduard-Stieler-Schule Fulda

Ess

Die Eduard-Stieler-Schule – kurz: ESS – Fulda hat gestern im Rahmen einer Feierstunde vor rund 200 geladenen Gästen auf ihr 50-jähriges Bestehen in diesem Jahr zurückgeblickt und einen Ausblick in die Zukunft gewagt. Zu den zahlreichen Gästen gehörten neben Vertretern aus der heimischen Kommunalpolitik und dem Bildungswesen auch Repräsentanten aus Kammern und Verbänden.

Wie die Schulleiterin der Eduard-Stieler-Schule Fulda, Oberstudiendirektorin Isabel Herbert, in ihrer Eröffnungsrede betonte, habe sie in ihrer Anfangszeit an der ESS so ihre Schwierigkeiten gehabt, sich mit dem Beinamen „Pudding-Schule“, wie die Eduard-Stieler-Schule aufgrund ihrer Vielseitigkeit in den Ausbildungsberufen und ihres Lehrportfolios besonders im Bereich Ernährung hierzulande auch genannt wird, anzufreunden. So brauchte es seine Zeit, um zu verstehen, dass es sich dabei um einen „liebevollen Kosenamen“ als ein in der Bedeutung eher unbedeutender Spottname handelt, wie Herbert gestern im Beisein von Schulleitung, Kollegium und ehemaligen Schulleitern hervorhob. Doch die Eduard-Stieler-Schule nur auf ihren Kosenamen zu reduzieren, wäre eine starke Untertreibung; so seien es vor allem die Menschen und ihre Geschichten, die die ESS ausmache und an diese man „schöne Erinnerungen“ pflege, dies bekomme Herbert immer wieder bestätigt.

Isabel Herbert: „Gemeinsam zu lernen und zu arbeiten ist ein Prozess, der uns formt und verbindet – häufig nicht nur während des gemeinsamen Lernens oder der Arbeit, sondern auch oft im Privaten. Wenn wir heute auf 50 Jahre zurückblicken, ist es wichtig, dass auch Konflikte, Rückschläge, Krankheiten oder Todesfälle im Rückblick ihren Platz finden. Diese Erlebnisse haben uns geprägt und gelehrt, wie wertvoll Unterstützung und Empathie sind. Sie erinnern uns daran, dass das Leben nicht nur aus Bilderbuchmomenten besteht, sondern dass wir als Gemeinschaft auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten müssen.“ Herbert weiter: „Lassen Sie uns sowohl die schönen als auch die schwierigen Momente würdigen, denn sie gehören untrennbar zu unserer Geschichte und formen die Zukunft, die vor uns liegt. Heute feiern wir nicht nur die lange Geschichte unserer Eduard-Stieler-Schule, sondern auch die Vielfalt, die sie ausmacht.“ Gemeint sind u.a. die verschiedenen Bildungsabschlüsse vom Hauptschulabschluss über die Allgemeine Hochschulreife bis hin zum Bachelor Professional, die die Vielfalt der Schule zeigten, und auch, wie sie Talente, Träume und Lebenswege ihrer Schüler unterstützt. Besonders stolz ist die Eduard-Stieler-Schule auf ihre gelungene Kooperation im Rahmen der Werkstatt für Behinderte Menschen. „Diese Vielfalt ist es, die unser Miteinander bereichert und uns eine inspirierende Umgebung schafft“, so Herbert, die sich für ihre Schülerinnen und Schüler, ihre Lehrkräfte und die Schulleitung wünschte, dass die ESS auch in Zukunft „ein Ort des Lernens und Vielfalt“ bleibt, dessen Profil „ein ehrliches und offenes Miteinander“ ist.

Für den Schulträger gratulierte Landrat Bernd Woide (CDU), der auch die herzlichsten Glückwünsche von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld überbrachte. Die Eduard-Stieler-Schule sei eine besondere Schule, die immer schon die Zusammenarbeit zwischen der Schülerschaft und den Ausbildungsbetrieben als essentieller Bildungsauftrag verstand. Wenn man ein Schuljubiläum feiert, dann feiere man immer auch die Geschichte von Menschen, die unter dem Dach einer Schule wirkten, womit der Landrat den vorangestellten Gedanken von Schulleiterin Isabel Herbert aufgriff. Aus Sicht von Schulträgern seien Schulen immer Dauerbaustellen. Eine Schule dürfe nie statisch sein, sondern müsse sich immer dynamisch fortbewegen; das gelte für die Allgemeinbildenden, aber im Besonderen eben auch für die Berufsbildenden Schulen. Der Dreiklang aus Berufsbildung, beruflicher Bildung und den Berufsschulen in Trägerschaft des Landkreises, aber auch der Stadt Fulda habe immer schon, so Woide, ein hoher Stellenwert eingenommen. Bildung korreliere immer auch mit Vertrauen, vor allem das Vertrauen in die Menschen und Kompetenzen. Das Entscheidende dabei sei die Chancen von jungen Menschen und deren Perspektiven zu sehen. Das tue die Eduard-Stieler-Schule seit 50 Jahren. Ein besonderer Dank widmete Landrat Woide all jenen, die in den vergangenen 50 Jahren Verantwortung an und für die ESS übernommen haben.

Als stellvertretender Amtsleiter des Staatlichen Schulamtes Fulda überbrachte Harald Persch der Eduard-Stieler-Schule zu ihrem 50-jährigen Bestehen die herzlichsten Glückwünsche. Die Eduard-Stieler-Schule habe sich in den vergangenen 50 Jahren ihren Aufgaben immer engagiert gewidmet. „Die ESS ist ein essentieller Bestandteil des beruflichen Bildungssystems in Fulda“, so Persch. „Als die Eduard-Stieler-Schule 1974 gegründet wurde, waren die gesellschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen noch vollkommen anderen. Kein Internet, kein Smartphone, viele Berufe, die heute existieren, lagen seinerzeit noch in weiter Ferne. Die Schule war geprägt von Frontalunterricht, und an die Digitalisierung, wie wir sie heute kennen, war noch nicht zu denken. Doch die ESS hat sich immer diesen Herausforderungen gestellt. Sie hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, reformiert und modernisiert.“ Äußeres Zeichen hierfür sei die Bezeichnung als „selbstständige berufliche Schule“. Berufliche Schulen seien in der heutigen Zeit wichtiger denn je. „Unser Bildungssystem steht immer wieder in der Diskussion, wie wir junge Menschen bestmöglich auf das Leben nach der Schule vorbereiten können. Dabei zeigt sich, dass gerade das berufliche Bildungssystem ein Zeichen für dessen Durchlässigkeit ist“, so der stellvertretende Amtsleiter weiter, der hervorhob: „Die Absolventen unserer beruflichen Schulen sind diejenigen, die in vielen Bereichen unserer Gesellschaft den Fachkräftebedarf sichern. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sei es umso wichtiger, dass wir diese berufliche Bildung stärken und dass wir diese jungen Menschen auf diesem Weg Chancen und Perspektiven bieten.“

Ulrich Schweers vom Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen hob in seiner Festrede die Bedeutung der Eduard-Stieler-Schule für die berufliche Bildung in der Region Fulda hervor, der die ESS als „exzellente Stätte der beruflichen Bildung“ bezeichnete. Die Bandbreite der an der ESS angebotenen beruflichen Schwerpunkte deckten entscheidende Zukunftsfelder ab. Die Berufe stünden im Zentrum vieler gesellschaftlicher Herausforderungen, „mit denen wir in den nächsten Jahrzehnten noch konfrontiert sein werden.“ Ein Beispiel hierfür sei der Gesundheitssektor. Die Gastronomie und die Ernährung stünden im Mittelpunkt globaler Fragen der Nachhaltigkeit. Körperpflege und die Agrarberufe spielten eine entscheidende Rolle in einer sich wandelnden Welt, in der Wohlbefinden und die Umwelt immer stärker miteinander verwoben seien. In diesem Zusammenhang erinnerte Ulrich Schweers an die Zertifizierung der ESS in diesem Sommer als Umweltschule. Die Bereiche Chemie und Biologietechnik seien Treiber technologischer Innovation, die für die Zukunft unserer Wirtschaft von großer Bedeutung seien. Ferner erinnerte Schweers an die Schulform BÜA, dessen vorrangiges Ziel es ist, Schülern, die sich im Übergang von Schule und Beruf befinden, in eine Ausbildung zu vermitteln. Das Angebot von BÜA richtet sich an Schüler mit und ohne Hauptschulabschluss von Haupt- und Realschulen und Förderschulen. Die ein- bis zweijährige Schulform wurde erstmalig seit dem Schuljahr 2017/18 im Rahmen eines Schulversuchs des Hessischen Kultusministeriums an der Eduard-Stieler-Schule angeboten.

Für die beruflichen Schulen im Schulamtsbezirk Fulda sowie ehemaliger Schulleiter der ESS überbrachte der Schulleiter der Richard-Müller-Schule, Oberstudiendirektor Jörg Demuth die herzlichsten Glückwünsche. Demuth hob die gute Kooperation zwischen den beruflichen Schulen im Schulamtsbezirk hervor. Hier hätten die beiden Schulträger, Stadt und Landkreis Fulda, schon sehr frühzeitig entscheidende Weichenstellungen vorgenommen, die es jeder Schule ermöglichte, ihr eigenes Profil zu schärfen und ihre eigenen Stärken auszubauen. „Die unendlichen Möglichkeiten unseres beruflichen Schulsystems herauszustellen, ist uns aber immer ein gemeinsames Anliegen“, so Demuth. In seiner Zeit als Schulleiter der ESS habe er beispielhafte Schulformteams erlebt, die für ihre Bereiche brannten und sich im besonderen Maße für die Schule und ihre Schülerschaft einsetzten.

„Das berufliche Schulwesen im Zonenrandgebiet Fulda wurde 1974 vollständig umorganisiert und die Abteilungen Ernährung, Textilwirtschaft, Bekleidung, Körperpflege der Kreisberufsschule zugeordnet. Seit dem hat die Eduard-Stieler-Schule vielen jungen Menschen überhaupt erst einen ersten beruflichen Abschluss ermöglicht und sie so auf ihr Leben vorbereitet“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow, der die herzlichsten Glückwünsche von der Industrie- und Handelskammer Fulda überbrachte. Bis 1997 reichen die digitalen Daten der Industrie- und Handelskammer zurück. Seit dem wurden an der Eduard-Stieler-Schule Fulda fast 4.000 Menschen in den IHK-Berufen ausgebildet. Hinzukommen viele weitere aus dem Handwerk, der Landwirtschaft und dem Gesundheitswesen. Die ESS sei eine wichtige Stütze für das duale System, so Konow.

Die Lehrkräfte André Beyer, Julia Pappert, Verena Puschmann, Isabelle Schultheis und Thomas Willert nahmen die Gäste mit auf eine Zeitreise der vergangenen 50 Jahre und zeigten Meilensteine auf. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde im Foyer von Schulsprecherin Leni Kontosoglu (Gitarre und Gesang). Durchs Programm führte souverän Jeremias Rockel. Im Nachgang an den über zweistündigen Festakt ließen die Gäste den noch jungen Abend bei kulinarischen Köstlichkeiten (Flying Buffet) und erfrischenden Getränken im Foyer der Schule ausklingen. +++ jessica auth


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