Main-Kinzig-Kreis startet wieder ins Stadtradeln

Fahrrad bh1

Im Main-Kinzig-Kreis beginnt am 9. Mai die nächste Runde des Stadtradelns. Für 21 Tage sollen Bürgerinnen und Bürger möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zurücklegen – zur Arbeit, zur Schule, in der Freizeit oder im Alltag. Was auf den ersten Blick wie eine freundliche Mitmachaktion wirkt, ist längst auch ein politisches Instrument geworden: Werbung für klimafreundliche Mobilität, Gesundheitsvorsorge und kommunale Standortpolitik zugleich.

Schon jetzt haben sich 17 Städte und Gemeinden aus dem Kreisgebiet angemeldet. Weitere könnten folgen. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 2.600 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, die über 500.000 Kilometer erradelten.

Wettbewerb mit pädagogischem Unterton

Landrat Thorsten Stolz wirbt offen für das Projekt. Natürlich spiele der Wettbewerbsgedanke eine Rolle, sagt er. Kommunen und Teams wollten sich messen, Ranglisten sorgten für zusätzlichen Ehrgeiz. Doch entscheidend sei etwas anderes: das bewusste Umsteigen vom Auto aufs Fahrrad.

Gerade darin liegt der eigentliche Kern der Kampagne. Stadtradeln will nicht nur Kilometer sammeln, sondern Gewohnheiten verändern. Wer drei Wochen lang regelmäßig radelt, steigt womöglich auch danach häufiger aufs Rad.

Besonders im Fokus steht dabei die junge Generation. Für Schulen gibt es eine eigene Wertung – ein Hinweis darauf, dass Mobilitätsverhalten zunehmend früh geprägt werden soll.

Kommunen werben um Sichtbarkeit

Mit dabei sind in diesem Jahr unter anderem Birstein, Bruchköbel, Erlensee, Gelnhausen, Maintal, Nidderau, Schöneck und Wächtersbach. Dass sich Städte und Gemeinden beteiligen, hat auch mit Imagepolitik zu tun.

Wer beim Stadtradeln stark abschneidet, signalisiert Bürgernähe, Umweltbewusstsein und eine funktionierende Radinfrastruktur – selbst wenn die Realität auf manchen Strecken komplizierter aussieht.

Auftakt in Erlensee

Eröffnet wird die Aktion diesmal im Limespark in Erlensee. Geplant sind ein Gottesdienst, Fahrradcodierung durch den ADFC sowie zwei gemeinsame Touren am Nachmittag. Kaffee und Kuchen runden das Programm ab.

Die Mischung aus Bewegung, Familienevent und kommunalem Gemeinschaftsgefühl ist typisch für das Format. Stadtradeln lebt nicht von Verboten, sondern vom positiven Erlebnis.

Mehr als Symbolpolitik?

Kritiker solcher Kampagnen bemängeln regelmäßig, dass befristete Aktionen keine Radwege bauen. Der Einwand ist berechtigt. Ohne sichere Infrastruktur, gute Abstellmöglichkeiten und durchgängige Netze bleibt Fahrradförderung begrenzt.

Gleichzeitig schaffen Initiativen wie diese Aufmerksamkeit – und politischen Druck. Wenn Tausende Menschen radeln, wird sichtbarer, wo Wege fehlen, Kreuzungen gefährlich sind oder Verbindungen unattraktiv bleiben.

Kilometer mit Signalwirkung

Zum Abschluss der Aktion winken erneut Preise, unabhängig von der gefahrenen Distanz. Entscheidend sei das Mitmachen, heißt es aus dem Kreis.

Das ist klug formuliert. Denn der eigentliche Gewinn liegt für Veranstalter und Politik weniger in Sachpreisen als in Bildern: volle Radwege, engagierte Kommunen, Bürger in Bewegung.

Ab dem 9. Mai wird sich zeigen, wie viele Menschen im Main-Kinzig-Kreis dieses Signal mittragen. +++


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