20 Jahre Bachelor-Studiengang Sozialrecht

Der Bachelor-Studiengang feiert seine Beständigkeit

Der Präsident der Hochschule Fulda Prof. Dr. Karim Khakzar gratuliert dem Studiengang Sozialrecht zu seinem Jubiläum. Foto: Hochschule Fulda

Der Studiengang Sozialrecht wurde vor 20 Jahren an der Hochschule Fulda eingeführt. Aus diesem Anlass fand nun ein Festakt statt, bei dem der Vorsitzende Richter am Bundessozialgericht a.D., Pablo Coseriu die Laudatio hielt. Ebenfalls kamen der Hochschulpräsident, Professor Dr. Karim Khakzar, der Dekan des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften, Professor Dr. Matthias Klemm, sein Vorgänger, Professor Dr. Hans-Joachim Reinhard sowie der Studiengangsleiter, Professor Dr. Axel Kokemoor zu Wort. Zu den Gästen zählte auch der Fuldaer Sozialgerichtsdirektor Professor Dr. Carsten Schütz und die Studiengangsleiter des gemeinsamen Masterstudiengangs Sozialrecht und Sozialwirtschaft, Professorin Dr. Stamatia Devetzi (HS Fulda) und Professor Dr. Andreas Hänlein (Uni Kassel).

Zwei Talkrunden, unter der Leitung von Professorin Dr. Anne Schäfer, M.A. und Professorin Dr. Anne Walter, lenkten den Blick auf die Praxis im Sozialrecht, insbesondere auf die vielfältigen Arbeitsgebiete (von der Behörde bis zur Unternehmensberatung), die guten Gehaltsaussichten und Entwicklungsperspektiven von Absolventinnen und Absolventen in der Region Fulda und bundesweit. Einige Absolventen haben auch akademische Laufbahnen eingeschlagen, über den Bachelor- und Masterabschluss und die Promotion bis zu einer Professur, die letztlich aus dem Studiengang Sozialrecht hervorgegangen sind.

Die Festansprache von Pablo Coseriu stand inhaltlich im Zeichen der Zeit und widmete sich der Digitalisierung. Er hob die Bedeutung von Rechtsprechungsdatenbanken für gerichtliche Entscheidungen aller Instanzen hervor und gewährte den Festgästen Einblick, wie mühsam der Zugang zu Urteilen und Literatur für ihn zu früheren Zeiten ganz ohne Computer war. Moderne Rechtssprechungsdatenbanken, so Coseriu, würden in allen Rechtsgebieten, aber insbesondere im Sozialrecht den Zugang zur Rechtsprechung vereinfachen.

Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar erinnerte an die Anfangszeit des Studiengangs und sprach seine Glückwünsche für die Beständigkeit aus. Der ehemalige Dekan des Fachbereichs, Professor Dr. Hans-Joachim Reinhard, knüpfte daran an und vertiefte die historische Zeitreise im Fachbereich, der einst selbst über gar keine eigenen Studiengänge verfügte, sondern nur ein Dienstleistungs-Fachbereich für andere Studiengänge war. Sein Nachfolger, Professor Dr. Matthias Klemm, hob die besondere Konstellation hervor, dass ein rechtswissenschaftlicher Studiengang an einem Fachbereich für Sozial- und Kulturwissenschaften angesiedelt ist. Inzwischen gebe es neben dem sozialwissenschaftlichen Angebot hier auch einen Master für Menschenrechte und einen auf dem Bachelor Sozialrecht aufbauenden Master-Studiengang Sozialrecht und Sozialwirtschaft, der in Kooperation mit der Universität Kassel angeboten wird. Studiengangsleiter Professor Dr. Axel Kokemoor unterstrich die Vielfältigkeit, die der Studiengang zu bieten hat. In der Sozialwirtschaft, bei Behörden, bei Sozialverbänden und bei Unternehmen bestehe im Blick auf den Fachkräftemangel ein Riesenbedarf an Personal.

Bedarf sei allerdings schon immer vorhanden gewesen, wie die Nachfragen von Arbeitgebern nach Absolventinnen und Absolventen gezeigt haben. Dieser Bedarf werde nicht geringer, zumal das Ausscheiden der sogenannten „Babyboomer“ aus dem Berufsleben bereits begonnen hat. Inzwischen sei mit dem aufbauenden Master-Studiengang in Kooperation mit der Universität Kassel sowie mit der Promotion zum „Dr. rer. soc.“ (an der Hochschule Fulda) oder zum „Dr. iur.“ (in Kooperation mit der Universität Kassel) eine umfängliche akademische Laufbahn möglich. Ein ehemaliger Student sei inzwischen selbst an einer anderen Hochschule als Professor tätig. Die anschließenden Talk-Runden mit Praxispartnern unterstrichen den Bedarf an Fachkräften. Die potenziellen Arbeitgeber berichteten von ihren Home-Office-Angeboten, von flexiblen Arbeitszeiten oder auch einer Kombination von Arbeit und Urlaub (Workation) sowie von attraktiven Vergütungsperspektiven.

Vor allem sei die Bezahlung nicht vergleichbar mit derjenigen in den klassischen „sozialen Berufen“, sondern orientiere sich an die rechtswissenschaftlichen Berufe. Gerade in großen Wirtschaftsprüfungskanzleien sei die Entlohnung durchaus üppig. Sozialrechtliche Tätigkeiten von Sozialjuristinnen und Sozialjuristen sind etwa die Bearbeitung von Widersprüchen gegen Behördenentscheidungen oder die Wahrnehmung von Gerichtsvertretungen für Behörden und Sozialverbände. Daneben berichteten Arbeitgeber, Absolventinnen und Absolventen von der Beratung in allen Gebieten des Sozialrechts – in Asylverfahren ebenso wie im Gesundheits- und Pflegebereich, bis hin zur sozialrechtlichen Planung der Absicherung von Unternehmensvorständen.

Der große Kreis an Praxisstellen, mit denen der Studiengang vernetzt ist, wurde durch ein agiles und eigenständiges Praxisreferat des Studiengangs aufgebaut. Er startete im Wintersemester 2003/2004 zunächst noch als Diplom-Studiengang. Zum Ende des Sommersemesters 2007 erwarben die ersten Studierenden einen Abschluss als Diplom-Sozialjuristen. Zum Wintersemester 2007/2008 erfolgte die Umstellung auf den Bachelor-Abschluss „Bachelor of Laws“ (LL.B.). Seither wurden rund 600 Sozialjuristen an der Hochschule Fulda akademisch ausgebildet. Seit einigen Jahren gibt es auch ein Angebot zum Förderstudium in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Bei dieser Förderung werden ausgewählte Studierende während der Studienzeit bereits vergütet und erwerben neben dem Studium Praxiserfahrung bei den Agenturen für Arbeit.

Das Programm des Studiengangs ist breit aufgestellt. Die Studierenden werden grundständig im Zivilrecht wie dem Allgemeinen Teil des Bürgerlichen Gesetzbuches, im Schuld- und Vertragsrecht sowie im öffentlichen Recht (Verfassungsrecht sowie im Verwaltungs- und -prozessrecht) ausgebildet. Die inhaltliche Ausbildung im Sozialrecht erfolgt auf dem Gebiet Recht der sozialen Dienste, im Sozialversicherungsrecht, im Gesundheitsrecht und im Ausländerrecht und kann später in den zugehörigen Schwerpunktbereichen vertieft werden. Daneben erwerben die Studierenden Schlüsselqualifikationen für Kommunikation und Beratung, das Konfliktmanagement und alternative Streitbeilegungsmethoden.

Für das laufende Semester ist die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen. Interessierte können sich zum Wintersemester 2024/2025 (Erstes Semester) in den Bachelor-Studiengang Sozialrecht einschreiben. Personen, die bereits über anrechenbare Leistungen aus einem anderen Studiengang verfügen, können sich im Februar und März auch zum Sommersemester 2024 in das zweite oder ein höheres Fachsemester einschreiben. Auch ein Teilzeitstudium ist grundsätzlich möglich. +++ pm/ja