Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer fordert, die Rentenerhöhungen zu drosseln. "Eine Möglichkeit wäre, die Renten weniger stark steigen zu lassen", sagte sie der "Rheinischen Post". "Bisher sind sie an die Lohnentwicklung gekoppelt - stattdessen könnte man nur noch einen Inflationsausgleich gewähren, die Inflation lag - abgesehen von der aktuellen Ausnahmesituation - zuletzt meist unter zwei Prozent." Das würde vor allem die besserverdienenden Menschen belasten, denn sie lebten im Durchschnitt länger als ärmere Menschen. "Die könnten aber ganz gut selbst etwas zur Seite legen." Auch Österreich gehe so vor. Zugleich müsse das Renteneintrittsalter steigen: "Die Rente mit 67 Jahren wird in den 2030er-Jahren nicht mehr reichen, darüber sollten wir jetzt ehrlich sprechen. Wir müssen das Renteneintrittsalter flexibilisieren: Zusätzliche Lebenszeit sollte zu zwei Drittel zu mehr Arbeitszeit führen und zu einem Drittel in die Freizeit gehen", sagte die Münchener Professorin weiter. Das werde die Arbeitgeber zwingen, ihre Jobs anzupassen und ihre Beschäftigten länger weiterzubilden. Schnitzer kritisierte die Rentenpläne der Ampel-Regierung: "Die Koalition verspricht die Quadratur des Kreises, wenn sie Rentenniveau, Beitragssatz und Renteneintrittsalter stabil halten will. Der Bund zahlt schon jetzt 100 Milliarden Euro im Jahr an die Rentenversicherung, das sind 25 Prozent des Bundesetats. Wenn wir nichts tun, werden es in 20 Jahren 50 Prozent sein." +++








and then
100%ige Zustimmung! Die Finanzierung des Anteils der versicherungsfremden Leistungen an der Rentensumme wird von den wirtschaftsliberalen Medien leider größtenteils als Aufgabe der Beitragszahler betrachtet.
Die Neoliberalen lassen grüßen! Da wurde die Rentenformel unter der letzten rot-grünen Regierung bereits ruiniert und nun erhoffen sich die Neoliberalen wieder so einen sozialen Kahlschlag wie damals. Immerhin sind wieder die gleichen Parteien am Ruder und die FDP wird sich sozialen Kürzungen erst recht nicht in den Weg stellen.
Die Argumente der Neoliberalen sind immer dieselben, daher hier keine Wiederholung. Allerdings werden auch Fakten falsch dargestellt. Die 100 Milliarden Steuergelder für die Rentenversicherung sind fast ausnahmslos für Leistungen, die die Rentenversicherung im Auftrage des Staates auszahlt und die nicht in die eigentliche Rentenversicherung gehören. Solche Leistungen sind allemal nicht aus der Rentenkasse, sondern vom Staat zu finanzieren. Ohne diese "versicherungsfremden Leistungen" bedürfte es praktisch keines Zuschusses vom Staat. So gut funktioniert die umlagefinanzierte Rentenversicherung!
Auch das Demographie-Problem - das ja nur vorübergehend besteht - erfordert lediglich eine geringe, ebenfalls vorübergehende Beitragserhöhung. Aber das wäre ja schon wieder "Gift für die Wirtschaft" und würde vor allem die (armen) jungen Leute betreffen.
Man kann sich nur wundern, dass dieser Unsinn der Neoliberalen immer wieder gehört wird.