Union stürzt auf 18 Prozent ab – AfD baut Vorsprung bundesweit weiter aus

Wahlen

Eine Woche nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und wenige Tage vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bekommt die politische Lage in Deutschland eine neue Schärfe. Die Union fällt in der bundesweiten Wählergunst auf einen Wert, der für CDU und CSU kaum unangenehmer sein könnte: Nur noch 18 Prozent würden CDU/CSU wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre. Das ist ein Minus von zwei Prozentpunkten gegenüber der YouGov-Umfrage im August und nach den vorliegenden Zahlen ein neues historisches Tief.

Gleichzeitig behauptet sich die AfD nicht nur an der Spitze, sondern baut ihren Vorsprung weiter aus. 29 Prozent der Befragten geben an, die AfD wählen zu wollen. Damit gewinnt die Partei gegenüber dem Vormonat einen Prozentpunkt hinzu. Zwischen der AfD und der Union liegen inzwischen elf Prozentpunkte. Das ist nicht mehr lediglich ein enger Abstand innerhalb eines schwankenden Umfragefeldes. Es ist ein politischer Abstand, der die Frage aufwirft, warum die Union derzeit einen erheblichen Teil ihrer früheren Bindungskraft verliert.

Die Entwicklung beschränkt sich allerdings nicht auf ein Erstarken der AfD. Auch die Grünen legen um einen Prozentpunkt auf 16 Prozent zu. Einen höheren Wert erreichte die Partei zuletzt im Mai 2023. Die SPD stabilisiert sich ebenfalls und kommt auf 13 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im August. Die Linke verliert dagegen zwei Prozentpunkte und liegt nun bei zehn Prozent. Die FDP bleibt unverändert bei fünf Prozent, während das Bündnis Sahra Wagenknecht einen Prozentpunkt hinzugewinnt und auf vier Prozent kommt. Sonstige Parteien erreichen fünf Prozent.

Damit entsteht ein bemerkenswertes Bild: Die Union verliert, während sich das politische Feld keineswegs ausschließlich zur AfD verschiebt. Auch Grüne und SPD können zulegen. Die eigentliche Schwäche der Union wird deshalb besonders sichtbar, weil sie nicht allein mit einer allgemeinen politischen Verschiebung nach rechts erklärt werden kann. Offenbar gelingt es CDU und CSU derzeit nicht, in einem zunehmend fragmentierten Parteiensystem eine ausreichend große Zahl von Wählern dauerhaft an sich zu binden.

Die Umfrage fällt zudem in eine Phase, in der die AfD mit dem Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen erheblichen politischen Erfolg erzielt hat. Zugleich zeigt die YouGov-Erhebung, dass die gesellschaftliche Bewertung der Partei keineswegs mit ihrer wachsenden politischen Stärke gleichzusetzen ist. 59 Prozent der Befragten halten die AfD für rechtsextrem. 30 Prozent sehen das anders, elf Prozent sind unentschieden.

Gerade dieser Befund ist politisch interessant. Eine Partei kann an Zustimmung gewinnen, ohne dass sich gleichzeitig die grundsätzliche Einschätzung ihrer politischen Ausrichtung verändert. Die Zahlen legen nahe, dass ein Teil der Wählerschaft die AfD trotz oder möglicherweise gerade wegen dieser Einordnung unterstützt. Die Frage, wie die anderen Parteien damit umgehen, lässt sich deshalb nicht allein über die Bewertung der AfD beantworten. Sie betrifft ebenso die Motive jener Bürger, die sich ihr zuwenden.

Bei den Anhängern der anderen Parteien fällt die Bewertung der AfD erwartungsgemäß deutlich aus. 97 Prozent der Grünen-Wähler halten die AfD für rechtsextrem, bei den SPD-Wählern sind es 89 Prozent, bei den Linken 82 Prozent. Auch unter den Anhängern von CDU und CSU überwiegt diese Einschätzung deutlich: 69 Prozent halten die AfD für rechtsextrem, 22 Prozent sehen das anders. Neun Prozent sind unentschieden.

Unter den AfD-Wählern selbst zeigt sich ein völlig anderes Bild. 88 Prozent halten die Partei nicht für rechtsextrem, vier Prozent dagegen schon. Acht Prozent sind unentschieden. Die politische Front verläuft damit nicht nur zwischen Parteien, sondern auch entlang der Frage, wie deren Anhänger die AfD grundsätzlich bewerten.

Bemerkenswert ist, dass sich diese Einschätzung im Vergleich zu Mai 2025 kaum verändert hat. Damals waren 61 Prozent der Befragten der Meinung, dass die AfD rechtsextrem ist. 29 Prozent vertraten die gegenteilige Auffassung, zehn Prozent waren unentschieden. Im September 2026 sind es 59 Prozent, die die AfD für rechtsextrem halten, 30 Prozent sehen das anders und elf Prozent sind unentschieden. Trotz der zwischenzeitlichen politischen Erfolge der AfD hat sich das gesellschaftliche Grundbild der Partei damit nur geringfügig verschoben.

Deutlich stärker verändert hat sich dagegen die Haltung zur sogenannten Brandmauer. Im September sprechen sich laut YouGov 51 Prozent der Befragten dafür aus, dass andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausschließen sollten. 40 Prozent sind dagegen der Ansicht, dass eine Zusammenarbeit grundsätzlich ausgeschlossen werden sollte. Neun Prozent sind unentschieden.

Noch im August hatte die Mehrheit anders entschieden. Bei der damaligen Befragung vom 28. bis 31. August wollten 46 Prozent eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausschließen. 44 Prozent waren dagegen der Meinung, dass andere Parteien eine Zusammenarbeit nicht grundsätzlich ausschließen sollten. Zehn Prozent waren unentschieden.

Der Wechsel innerhalb nur eines Monats ist politisch schwerer zu übersehen als die geringfügigen Veränderungen bei der Einschätzung der AfD selbst. Die gesellschaftliche Bewertung der Partei bleibt relativ stabil, während die Bereitschaft wächst, die bisherige politische Abgrenzung zumindest grundsätzlich infrage zu stellen. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Mehrheit eine Zusammenarbeit mit der AfD befürwortet. Es zeigt aber, dass die bisherige Trennlinie für einen wachsenden Teil der Bevölkerung nicht mehr selbstverständlich ist.

Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Anhängerschaften. Unter SPD-Wählern wollen 71 Prozent eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausgeschlossen sehen, 22 Prozent wollen dies nicht grundsätzlich. Bei den Grünen beträgt das Verhältnis 76 zu 15 Prozent, bei den Linken 73 zu 18 Prozent. In diesen Parteien bleibt die Brandmauer damit fest verankert.

Anders sieht es bei der Union aus. Unter den CDU/CSU-Wählern gibt es keine Mehrheit für einen grundsätzlichen Ausschluss einer Zusammenarbeit. 38 Prozent sprechen sich dafür aus, 55 Prozent sind der Meinung, dass eine Zusammenarbeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden sollte. Gerade dieser Wert dürfte innerhalb der Union aufmerksam registriert werden. Denn die Frage der Abgrenzung zur AfD ist längst nicht mehr nur eine Auseinandersetzung zwischen den Parteien. Sie beschäftigt zunehmend auch die Wählerschaft der Union selbst.

Bei den AfD-Anhängern fällt das Ergebnis erwartungsgemäß noch eindeutiger aus. 94 Prozent wollen eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausgeschlossen sehen, lediglich drei Prozent sprechen sich für einen grundsätzlichen Ausschluss aus. Damit wird zugleich deutlich, wie weit die politischen Lager bei dieser Frage auseinanderliegen.

Die eigentliche politische Spannung der aktuellen Zahlen liegt deshalb in einem Widerspruch: Die AfD bleibt für eine Mehrheit der Bevölkerung eine rechtsextreme Partei, gleichzeitig wächst die Bereitschaft, die politische Brandmauer gegenüber ihr nicht mehr als unverrückbare Grenze zu betrachten. Beides kann gleichzeitig zutreffen. Wer die Entwicklung allein mit einer zunehmenden Zustimmung zur AfD erklärt, greift deshalb zu kurz. Ebenso wenig reicht es aus, den Anstieg der AfD ausschließlich mit der politischen Stimmungslage zu begründen.

Für die Union ist die Situation besonders heikel. Mit 18 Prozent liegt sie nicht nur deutlich hinter der AfD, sondern auch nur zwei Prozentpunkte über dem Ergebnis der Grünen. Zugleich findet sich unter den eigenen Anhängern keine Mehrheit mehr für einen grundsätzlichen Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der AfD. Das ist ein Signal, das über die aktuelle Sonntagsfrage hinausweist.

Die entscheidende Frage für CDU und CSU lautet damit nicht allein, wie sie die AfD politisch auf Abstand halten wollen. Sie müssen auch beantworten, wie sie jene Wähler erreichen wollen, die sich von ihnen abwenden, ohne deshalb automatisch zu anderen Parteien der politischen Mitte zu wechseln. Der aktuelle Abstand von elf Prozentpunkten zur AfD zeigt, dass diese Herausforderung nicht mit Appellen an die eigene Stammwählerschaft gelöst werden dürfte.

Für die AfD wiederum bedeuten die Zahlen keineswegs, dass sie gesellschaftlich akzeptiert wäre. Ihre politische Stärke wächst bei gleichzeitig weitgehend stabiler negativer Bewertung ihrer politischen Einordnung. Das ist eine besondere Konstellation. Sie macht deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der AfD nicht allein über ihre Ausgrenzung entschieden werden kann. Ebenso entscheidend wird sein, ob die übrigen Parteien Antworten auf jene politischen und gesellschaftlichen Probleme finden, die Menschen dazu bewegen, ihr Vertrauen einer Partei zu geben, die eine Mehrheit weiterhin für rechtsextrem hält.

Die kommenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden deshalb mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Sie werden zwar keine unmittelbare Antwort auf die bundespolitische Lage liefern, können aber zeigen, ob sich die aktuellen Verschiebungen bestätigen oder ob die Parteien in den Ländern ein anderes Kräfteverhältnis vorfinden. Gerade für die Union steht dabei mehr auf dem Spiel als ein paar Prozentpunkte.

Die YouGov-Zahlen sind keine Wahlergebnisse und keine Garantie für die politische Entwicklung der kommenden Monate. Sie bilden lediglich die Stimmung unter den Befragten zum Zeitpunkt der Erhebung ab. Dennoch zeichnen sie ein klares Bild: Die AfD bleibt bundesweit stärkste Kraft, die Union fällt auf 18 Prozent, und gleichzeitig verändert sich die gesellschaftliche Haltung zur politischen Abgrenzung gegenüber der AfD. Wer diese Entwicklung ernst nimmt, sollte weder in Alarmismus noch in Beschwichtigung verfallen. Entscheidend wird sein, ob die demokratischen Parteien aus den Zahlen politische Konsequenzen ziehen – und ob es ihnen gelingt, verlorenes Vertrauen nicht durch Abgrenzungsrituale, sondern durch überzeugende politische Arbeit zurückzugewinnen.

YouGov erhob die aktuellen Zahlen vom 11. bis 14. September 2026 über ein Online-Panel. Befragt wurden 2.161 Personen. +++


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