Die geplante Abschaltung der DSL-Technik bis 2035 stößt in Deutschland auf wachsende Zustimmung, geht jedoch weiterhin mit spürbaren Vorbehalten einher. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox. Demnach hält knapp jeder zweite Befragte die Ablösung der kupferbasierten Anschlüsse durch Glasfaser für richtig. Gleichzeitig befürchten viele Nutzer steigende Kosten und Einschränkungen bei der Anbieterwahl.
Vor allem unter den aktuellen DSL-Kunden überwiegt die Skepsis. 42 Prozent rechnen im Zuge der Umstellung mit höheren Preisen, während 13 Prozent eine geringere Auswahl an Anbietern oder Tarifen erwarten. Zudem empfindet fast jeder Vierte (23 Prozent) die Umstellung als Bevormundung. Auf der anderen Seite stehen 19 Prozent der Entwicklung gelassen gegenüber, 15 Prozent erhoffen sich sogar Vorteile durch den Wechsel zur Glasfaser.
Aus Sicht von Verivox ist die Ablösung der bisherigen Technik grundsätzlich notwendig. „DSL hat lange gute Dienste geleistet, kann jedoch mit den künftigen Anforderungen an Stabilität und Speed nicht mehr mithalten“, erklärte Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg. Die Migration zur Glasfaser sei daher richtig, dürfe aber nicht zu höheren Kosten für Verbraucher führen. Positiv sei, dass Glasfaser für Neukunden bereits heute oft günstiger als DSL sei und gleichzeitig bessere Leistungen biete. Verbesserungsbedarf sieht Schamberg bei der Anbieterdichte: Verbraucher sollten möglichst in vielen Netzen zwischen mehreren Anbietern wählen können.
Ein Vergleich der größten Anbieter Telekom und Vodafone zeigt, dass Glasfaser in mittleren Tarifstufen preislich mit DSL mithalten kann oder sogar günstiger ist. DSL stößt technisch bei mehr als 250 Megabit pro Sekunde an seine Grenzen. Für einfache Tarife mit 16 Mbit/s gibt es bislang jedoch kein direktes Glasfaser-Äquivalent. Gerade für Wenignutzer seien daher günstige Einstiegstarife wichtig, um die Umstellung attraktiv zu gestalten, so Schamberg.
Die Zustimmung zur Abschaltung ist im Vergleich zu einer Erhebung vor zwei Jahren leicht gestiegen. Aktuell befürworten 49 Prozent der Befragten den Schritt, 2024 waren es noch 46 Prozent. Besonders hoch ist die Zustimmung bei jüngeren Menschen: In der Altersgruppe bis 29 Jahre liegt sie bei 62 Prozent, während sie bei über 50-Jährigen auf 38 Prozent sinkt. Nutzer anderer Technologien wie Kabel, Glasfaser oder Satellit unterstützen die Abschaltung häufiger als DSL-Kunden selbst.
Auch regional zeigen sich Unterschiede. In Norddeutschland, wo Glasfaser bereits stärker verbreitet ist, halten 52 Prozent die Umstellung für richtig. In Ostdeutschland, wo der Ausbau vielerorts weniger weit fortgeschritten ist, liegt die Zustimmung bei 42 Prozent. Höhere Zustimmungswerte finden sich zudem bei größeren Haushalten und Familien mit Kindern, die typischerweise mehr Bandbreite benötigen.
Erfahrungen aus Pilotprojekten unterstreichen die Bedeutung eines vollständigen Ausbaus. In drei Testregionen wurde die DSL-Abschaltung bereits 2024 vorweggenommen, neue Anschlüsse waren dort nur noch über Glasfaser möglich. Dabei zeigte sich, dass eine Leitung bis ins Haus entscheidend für einen reibungslosen Übergang ist. Liegt die Infrastruktur lediglich in der Straße, reicht das nach Einschätzung von Experten nicht aus. Die Bundesnetzagentur hat inzwischen rechtliche Anpassungen vorgeschlagen, um insbesondere den Ausbau in Mehrfamilienhäusern zu erleichtern.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Umstellung zurück. Länder wie Estland, Schweden und Spanien haben ihre Kupfernetze bereits deutlich weiter zurückgebaut. +++
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