Alle in Weiß nach Offenbach, propagieren die Fans. Es scheint, als könne es eine ganze Fußball-Region nicht erwarten, bis es losgeht. Der Blick aller richtet sich auf den Pfingstsamstag. Auf eine Austragungsstätte, die traditionell kaum mehr für Fußball stehen könnte. Die Rede ist von einem besonderen Ereignis: Die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz fordert im Finale des Hessenpokals den SV Wehen Wiesbaden heraus. Anstoß auf dem Bieberer Berg ist um 16.30 Uhr.
Nach dem jüngsten Heimspiel zum Saisonabschluss begab sich die Mannschaft vor den Fans in der Stehplatzkurve in der Johannisau – ein Signal, als wollten sich beide Gruppen einstimmen auf das große Spiel in Offenbach. Und als wollten sie die Richtung vorgeben, Herz und Emotionen anzünden für das große Duell. Die SGB kann auf den – neudeutsch – Support ihrer Anhänger rechnen. Denn die planen eine Choreo, wofür sie in den vergangenen Heimspielen eifrig und engagiert gesammelt haben. Seit einigen Spielen schwenken sie zudem Fahnen auf dem Platz in der Johannisau vor dem Spiel. Wer das ins Leben rief? Volker Hilpert aus Eiterfeld, der seit einigen Monaten kräftig mitmischt im Umfeld und seitdem für einige Impulse sorgte.
Die Spielstätte „Bieberer Berg“ ist auch aus Sicht der SG Barockstadt etwas Besonderes. Hier bestritt sie das irre Halbfinale gegen Kickers Offenbach. Hier zog sie ins Finale ein – und schnappte dem OFC das Endspiel vor seinen eigenen Fans vor der Nase weg. Da kämpfte die SGB leidenschaftlich und emotional, Keeper Samuel Zapico bot eine tolle Leistung und hielt sein Team einige Male im Spiel. Das von beiden Seiten beherzt geführte Spiel endete 0:0 – bis sich die SGB mit 3:2 im Elfmeterschießen durchsetzte. Moritz Dittmann, Sebastian Schmitt und Marius Grösch trafen.
Also: diesen Sieg wiederholen. Nur wiederholen? Der SV Wehen Wiesbaden beendete die Saison der 3. Liga als Neunter der Tabelle – eingebettet in zwei Traditionsvereine deutschen Fußballs, 1860 München und Waldhof Mannheim. „Der Pokal hat für uns einen sehr hohen Stellenwert“, bekräftigte Wehens Trainer Daniel Scherning am Donnerstagnachmittag im Rahmen der Pressekonferenz. „Der Verein hat das ja erlebt, was da möglich ist im Spiel gegen Bayern München.“ Von dieser Thematik könne man aber erst reden, wenn man sich am Samstag durchsetze. Irgendwelche Fantasien von einem möglichen „Wunschgegner“ lehnte er denn auch strikt ab. Die SGB betrachte er sehr wohl als Kontrahenten, „wir nehmen den Gegner sehr ernst. Wir haben ihn vor Ort gesehen. Wir haben ihn im Video gesehen. Wir werden nichts anders machen als zuletzt im Punktspiel-Alltag.“
Dass das gegen den favorisierten Drittligisten Wehen Wiesbaden einer Herkulesaufgabe gleichkommt, sieht Daniyel Cimen nicht anders. Fühlt sich das auch für den Trainer der SGB nach dieser tollen Rückrunde als eine Art „emotionaler Bonus“ an? „Wir haben uns das Spiel verdient in den letzten Monaten. Auch was die Entwicklung der Mannschaft betrifft“, ist der Coach überzeugt. Bis er – quasi im gleichen Atemzug – das ausspricht, was alle denken: „Auf uns wartet ein absolutes Highlight. Wenn wir es schaffen sollten, wäre es das erste Mal für uns, am DFB-Pokal teilzunehmen. Wir wissen um die Chance – und der Anreiz könnte nicht größer sein, um diesen historischen Moment schaffen zu können.“
Und es fällt ihm leicht, ohne große Pause nachzuschieben: „Es ist ein Finale, in dem alles passieren kann.“ Auch aus diesem Grund wolle die SGB „an dem festhalten, was uns stark gemacht hat. Wir wollen bei uns bleiben“. Man wisse, gegen einen Drittligisten zu spielen. Und Cimen spürt wichtige Komponenten, die sein Team beherzigen müsse: Glaube. Überzeugung. Mut. Im Training spüre man, dass die Mannschaft der SGB motiviert sei. Dass eine gewisse Anspannung herrsche. „Das ist auch gut so“, sagt Cimen, es sei wichtig, „eine Mischung zu finden zwischen Anspannung und Lockerheit“. Und natürlich hofft er auf die Unterstützung der Fans. „Wir freuen uns über jeden Einzelnen, der am Samstag im Stadion ist. Das ist eine Riesen-Motivation.“
Den Gegner skizziert er in wenigen Worten. Viel individuelle Qualität. Eine sehr offensive Spiel-Ausrichtung. Eine Mannschaft, die Fußball spielen wolle und gut im Gegenpressing sei. „Trotzdem gibt es einige Sachen, an denen wir ansetzen wollen.“ Luis Klein steht der SG Barockstadt ebenso wie Justin Duda nicht zur Verfügung am Samstag. Ansonsten snd alle Spieler bereit. Zu einem der größten Spiele der jungen Vereinsgeschichte. Zu einer Überraschung. Die der SGB eine ganze Fußballregion wünscht. Verlieren kann sie nullkommanull. Schließlich gehört sie seit vier Jahren der Regionalliga an. Und das ist keine Selbstverständlichkeit für Fulda.
Bisher seien 2.800 Karten verkauft für das Finale im Hessenpokal am Samstag, bestätigte Matthias Gast vom Hessischen Fußballverband. Man rechne mit 3.000 Zuschauern. +++ rl

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