Helmke sagt zart und leise Servus – bleibt dem HSV aber erhalten

Johannes Helmke. Foto: Siegmar Larbig

Johannes Helmke sagt Servus am Samstag. Gewiss nicht so ganz leise. Und so ganz sowieso nicht. Im Heimspiel des Hünfelder SV gegen den SC Waldgirmes betreut er die Hessenliga-Mannschaft letztmals – bleibt dem Verein aber in verschiedener Funktion erhalten. Davon war im ersten Teil der Betrachtung die Rede, auch von seinen persönlichen Motiven, die ihn zu besagter Entscheidung drängten. Im zweiten Teil folgen nunmehr die Charakterisierung eines alten Weggefährten, Helmkes Werdegang und nicht zuletzt die Bedeutung des HSV-Gens.

Seit geraumer Zeit schon steht Mario Rohde an der Spitze des Hünfelder SV. Rohde und Helmke kennen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten. Unumwunden und auf den Punkt sagt er, was er persönlich an Johannes Helmke schätzt. „Seine sehr kritische Art sich selbst gegenüber. Als Trainer sucht er den Ansatz für Verbesserungen immer zuerst bei sich selbst.“ Rohde, einst ein gestandener Fußballer, schiebt nach: „Bei Johannes stand und steht stets die Sache im Vordergrund. Nicht seine Persönlichkeit oder irgendwelche anderen Befindlichkeiten.“ Und das zu jeder Zeit. Auch in kritischen Phasen. „Gerade in Zeiten, in denen es sportlich nicht so lief, war seine eigene Haustür die erste, vor der er kehrte.“

Der gebürtige Steinbacher Johannes Helmke fing einst dort an, zu kicken. Er durchlief am Mühlengrund viele Nachwuchsteams – bis er als 15-Jähriger zu Borussia Fulda wechselte. Dort spielte er in der A- und B-Jugend vier Jahre in der Hessenliga, auch in der Hessenauswahl war er präsent. Bei Borussia, die jetzt wieder in die Gruppenliga aufstieg, blieb er noch einige Zeit im Seniorenbereich. Johannes spielte in der Landesliga – und nach dem Aufstieg ein Jahr auch in der Oberliga. Trainer seinerzeit: Henry Lesser. Mitspieler unter anderen: Olivier Djappa.

Bis er sich im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre dem Hünfelder SV anschloss. „Eine prägende Zeit“ nennt er die Erfahrungswerte, die er seinerzeit sammelte. Von 2007 bis 2017 spielte er in der Ersten, zuvor spielte er in und trainierte auch die Zweite des HSV. „Als ich sie übernommen hatte, haben wir gerade noch so die Klasse in der Kreisoberliga gehalten – im zweiten Jahr sind wir dann in die Gruppenliga aufgestiegen. „Wir hatten einen Super-Teamgeist“, laufen Erinnerungen mit. Von 2020 trainierte Johannes Helmke das Hessenliga-Team des Hünfelder SV. Noch als Spieler erwarb er den Trainerschein. Die B-Lizenz in der Sportschule Grünberg. Ein Eckpfeiler des Vereins. Eine Institution des Vereins.

Wenn jemand einem Verein so lange angehört, möchte man natürlich aus nächster Nähe wissen, was den HSV ausmacht. Sein GEN sozusagen. „Es ist schön, dass man den HSV so leben kann. Dass man die Ruhe bewahrt, auch wenn es mal kritisch wird. Wie in jedem Verein, gibt es Höhen und Tiefen. Aber es herrscht immer Zusammenhalt. Hier wird das Vereinsleben gelebt.“ Der Verein lebe Kontinuität. Die handelnden Personen hätten stets darauf gesetzt. Und sie verkörpert.

An dieser Stelle könnte man eigentlich aufhören. Und es läuft einem Vereinsmenschen den Rücken herunter. Ein Etikett aber hängt Johannes Helmke noch an. Ein nicht unwesentliches. Vielleicht auch ein logisches. „Es sind auch Freundschaften entstanden. Familien-Freundschaften. Speziell aus dem Verein heraus.“

Zum Beispiel mit dem Nüsttaler Niclas Rehm, der seit Jahren die Zweite des HSV trainiert hat – und künftig das Amt des Jugendleiters ausfüllt. Helmke und Rehm haben auch von der Entfernung her ein spezielles Verhältnis. ist Rehm doch Lehrer an der Johann-Adam-Förster-Schule in Hünfeld – direkt gegenüber von Helmkes Wohnhaus. Rehm hat nahe der Rhönkampfbahn gebaut. Und das Beste: direkt mit Beginn der Sommerferien fahren beide in den Italien-Urlaub. Ein anderes Kapitel schreibt Helmkes Ehefrau Ann-Katrin, die bei der Hochzeit der HSV-Integrationsfigur Steffen Witzel, der nach wie vor in der Ü35 aktiv ist, als Trauzeugin fungierte.

Ist es ein Wunder, dass die abschließenden Wort noch einmal dem 1. Vorsitzenden gehören? ist es nicht. Irgendwie auch kein Wunder, dass sie nach Festigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl und Stolz klingen. So sagt Mario Rohde: „Wir sind von einer Fahrstuhlmannschaft zu einem etablierten Hessenligisten gereift. Daran hat Johannes Helmke großen Anteil.“ Auch Rohde ist in all den Jahren gereift und an Aufgaben gewachsen. Du schiebt er nach: „Trainingsgestaltung und -inhalte sind das eine. Eine Mannschaft über Jahre hinweg bei Laune zu halten, sie immer wieder neu zu motivieren und gleichzeitig fokussiert zu bleiben, das andere – und eine große Herausforderung und echte Kunst. Genau das hat Johannes Helmke in sechs Jahren Amtszeit hervorragend geschafft.“

Und Rohde, der sich über mangelnde Arbeit nicht zu beklagen braucht in Hünfeld, findet einen passenden Schluss. „Es freut mich wegen der genannten Gründe umso mehr, dass Johannes Helmke dem HSV weiterhin in verantwortungsvoller Position erhalten bleibt, die Geschicke weiterhin aktiv mitbestimmt und gestaltet. Wir als Hünfelder Sportverein sind unglaublich stolz darauf.“ Wem fehlt es nach diesen Worten eigentlich noch an Anreiz, das Heimspiel am Samstag in der Rhönkampfbahn zu besuchen? Wem? +++ rl


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