Gastgewerbe – Datev sieht ersten Lichtblick nach Jahren der Flaute

Nach Jahren, in denen das Gastgewerbe vor allem mit steigenden Kosten, zurückhaltenden Gästen und sinkenden Margen zu kämpfen hatte, deutet sich nun eine vorsichtige Belebung an. Die Branche, die lange als besonders anfällig für die wirtschaftliche Schwäche im Mittelstand galt, verzeichnet seit Jahresbeginn spürbar höhere Umsätze. Das geht aus dem aktuellen Datev-Mittelstandsindex hervor, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht.

Demnach lag der saisonbereinigte nominale Umsatz im mittelständisch geprägten Gastgewerbe im April nahezu vier Prozent über dem Niveau vom Dezember und 7,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Einen höheren Wert hatte die Branche zuletzt im Herbst 2023 erreicht. Für die Ökonomen des Nürnberger Informationsdienstleisters Datev ist das ein Signal dafür, dass sich die Lage zumindest vorübergehend stabilisieren könnte.

Auffällig ist dabei der zeitliche Zusammenhang mit der erneuten Senkung der Umsatzsteuer auf gastronomische Angebote. Seit Januar gilt wieder der reduzierte Satz von sieben Prozent statt 19 Prozent. Für viele kleinere Betriebe, deren wirtschaftliche Spielräume in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft waren, bedeutet das eine unmittelbare Entlastung. Timm Bönke, Chefökonom von Datev, sieht darin einen entscheidenden Faktor für die zuletzt bessere Entwicklung. Die Steuersenkung verbessere die schwierige Gewinnlage vieler Unternehmen und verschaffe insbesondere kleineren Betrieben wieder etwas Luft.

Doch so deutlich die Entwicklung im Gastgewerbe ausfällt, so begrenzt bleibt ihre Aussagekraft für die Gesamtwirtschaft des Mittelstands. Der Datev-Mittelstandsindex zeigt zwar insgesamt eine leichte Stabilisierung der Umsätze, von einer breit getragenen Erholung kann jedoch keine Rede sein. Im April lagen die nominalen Umsätze im Mittelstand lediglich 1,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Das genügt nicht, um von einer konjunkturellen Wende zu sprechen.

Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der Datev-Genossenschaft, formuliert seine Einschätzung entsprechend zurückhaltend. Der nominale Umsatzzuwachs sei kein Zeichen für eine umfassende Erholung der mittelständischen Wirtschaft. Für eine echte Trendwende fehle es weiterhin an Dynamik über die einzelnen Branchen hinaus. Tatsächlich zeigt sich die wirtschaftliche Lage widersprüchlich: Während einzelne Bereiche von steuerlichen Entlastungen oder nachholender Nachfrage profitieren, bleiben strukturelle Belastungen bestehen.

Besonders sichtbar wird das am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung im Mittelstand ging laut Index im April erneut leicht zurück und lag im Volumen 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig steigen die Lohnkosten weiter deutlich schneller als die allgemeine Preisentwicklung. Im April betrug das Plus 4,9 Prozent. Für viele Unternehmen bedeutet das, dass steigende Umsätze nicht automatisch zu einer spürbaren Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen. Höhere Personalkosten, anhaltender Preisdruck und eine insgesamt verhaltene Nachfrage engen die Spielräume vieler Betriebe weiterhin ein.

Der Datev-Mittelstandsindex gilt dabei als vergleichsweise früher Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Datev greift dafür auf die Umsatzsteuervoranmeldungen von mehr als einer Million Unternehmen sowie auf die Lohn- und Gehaltsabrechnungen von über acht Millionen Beschäftigten zurück. Die Daten werden anonymisiert und zu einem Gesamtbild der mittelständischen Konjunktur verdichtet, das häufig früher Hinweise liefert als die amtliche Statistik.

Dass ausgerechnet das Gastgewerbe nun erste positive Signale sendet, ist deshalb bemerkenswert. Die Branche galt lange als Symbol einer Wirtschaft, die zwar nicht einbricht, aber auch nicht mehr richtig in Bewegung kommt. Ob die aktuellen Zahlen den Beginn einer nachhaltigeren Entwicklung markieren oder lediglich eine kurzfristige Reaktion auf steuerliche Entlastungen bleiben, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Der vorsichtige Optimismus, der nun sichtbar wird, steht jedenfalls weiterhin auf einem fragilen Fundament. +++


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