Traditionszulieferer Erich Jaeger rutscht in die Insolvenz

Der Druck auf die deutsche Autozulieferindustrie fordert ein weiteres Opfer: Die Erich Jaeger GmbH hat Insolvenz angemeldet. Am 14. April stellte das Unternehmen beim Amtsgericht Friedberg einen entsprechenden Antrag. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt.

Das Unternehmen blickt auf eine mehr als 90-jährige Geschichte zurück und gehört zu den etablierten Spezialisten für Steckverbindungssysteme in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Mit rund 1.000 Beschäftigten weltweit – etwa 200 davon in Deutschland – und Standorten unter anderem in Europa, Mexiko und China erwirtschaftete der Mittelständler zuletzt einen Jahresumsatz von rund 77 Millionen Euro.

Der operative Betrieb soll trotz des Insolvenzantrags zunächst weiterlaufen. Ziel ist es, die Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten und parallel Optionen für eine Sanierung auszuloten. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld vorerst gesichert. In den kommenden Wochen wird der vorläufige Insolvenzverwalter die wirtschaftliche Lage detailliert prüfen und Gespräche mit möglichen Investoren führen. Im Raum steht sowohl ein Einstieg externer Geldgeber als auch eine Teilveräußerung.

Konkrete Ursachen für die Insolvenz benennt das Unternehmen nicht im Detail, doch die bekannten Belastungsfaktoren der Branche zeichnen sich auch hier ab: rückläufige Umsätze, eine schwächelnde Nachfrage und ein zunehmend schwieriges geopolitisches Umfeld. Hinzu kommt der strukturelle Wandel der Automobilindustrie, der viele klassische Zulieferer unter Anpassungsdruck setzt.

Der Fall Erich Jaeger steht damit exemplarisch für die angespannte Lage in einem Sektor, der lange als Rückgrat der deutschen Industrie galt. Gerade mittelständische Zulieferer, oft hoch spezialisiert und international verflochten, geraten zunehmend zwischen die Fronten aus Preisdruck, Transformation zur Elektromobilität und unsicheren globalen Lieferketten. +++


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