Mit dem Hessentag verbindet sich seit jeher der Versuch, Landesidentität nicht nur zu feiern, sondern sichtbar und erlebbar zu machen. Als am Mittwoch das Programm für den 63. Hessentag vorgestellt wurde, war deshalb schnell erkennbar, dass Fulda dieses Landesfest nicht allein als Großveranstaltung versteht, sondern als Bühne für ein Selbstbild Hessens zwischen Tradition, Gemeinschaft und Modernisierung.
Staatssekretär Benedikt Kuhn bezeichnete Fulda bei der Präsentation als den „richtigen Ort für ein einzigartiges Fest in einem einzigartigen Jubiläumsjahr“. Das Motto „FD – Foll hessisch“ greift dabei bewusst die regionale Sprache auf und verbindet sie mit einem historischen Datum: Hessen feiert 2026 sein 80-jähriges Bestehen. Für die Landesregierung ist der Hessentag damit weit mehr als ein kulturelles Volksfest. Er soll auch ein Signal gesellschaftlicher Zusammengehörigkeit senden — gerade in einer Zeit, in der politische Debatten oft fragmentierter wirken als früher.
Fulda eignet sich für diese Inszenierung auf besondere Weise. Die Stadt vereint barocke Geschichte, touristische Strahlkraft und wirtschaftliche Entwicklung auf engem Raum. Genau darin sieht die Staatskanzlei offenbar die symbolische Kraft dieses Hessentags. Kuhn sprach von einem Fest der Gastfreundschaft und der offenen Begegnung und setzte dem digitalen Rückzug in soziale Echokammern eine bewusst analoge Vorstellung entgegen: „Fulda statt Filterblasen“. Der Satz wirkt nicht zufällig gewählt. Er beschreibt den Versuch, ein Landesfest wieder stärker als öffentlichen Ort gemeinsamer Erfahrung zu definieren.
Auch programmatisch soll der Hessentag 2026 diesen Anspruch sichtbar machen. Geplant sind fast 1.200 kostenfreie Veranstaltungen sowie zehn große Musikveranstaltungen in der Hessentagsarena auf dem Domplatz. Hinzu kommen klassische Elemente wie die Sonderschau „Der Natur auf der Spur“, der Treffpunkt Hessen und der traditionelle Festumzug zum Abschluss am 21. Juni. Gleichzeitig bemüht sich Fulda um neue Akzente. So wird der „Treffpunkt Hessen“ erstmals in einer bestehenden Immobilie untergebracht — dem ehemaligen Kaufhof-Gebäude. Die Entscheidung ist mehr als eine organisatorische Randnotiz. Sie verweist auf den Versuch, Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung sichtbar miteinander zu verbinden, ohne dies demonstrativ auszustellen.
Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld betonte denn auch weniger das Spektakel als die Einbindung der gesamten Stadt. Die fast drei Kilometer lange Hessentagsstraße soll sich durch die Innenstadt bis in die Fulda-Aue ziehen und damit Handel, Gastronomie und öffentliche Räume miteinander verknüpfen. Der Hessentag erscheint in dieser Perspektive zugleich als Kulturereignis und als wirtschaftlicher Impuls für die Region. Kuhn sprach ausdrücklich von einem „Investitionsprogramm“, das mit Fördermitteln einen nachhaltigen Modernisierungsschub auslösen solle.
Auffällig ist, wie stark in den Stellungnahmen der Gedanke des Ehrenamts hervorgehoben wurde. Hinter den organisatorischen Dimensionen eines Hessentags steht traditionell ein erheblicher Einsatz freiwilliger Helfer, Vereine und Einsatzkräfte. Gerade darin liegt bis heute ein wesentlicher Teil der politischen Bedeutung des Landesfests: Es lebt nicht allein von Bühnenprogrammen und Besucherzahlen, sondern von jener lokalen Beteiligung, die vielerorts seltener geworden ist.
Der Hessentag war immer auch ein Spiegel des Landes, in dem er stattfindet. In Fulda soll dieser Spiegel nun ein Hessen zeigen, das seine historischen Wurzeln betont, zugleich aber nach neuen Formen öffentlicher Gemeinschaft sucht. Ob das gelingt, wird sich nicht an Festreden entscheiden, sondern daran, ob es der Stadt tatsächlich gelingt, aus zehn Tagen Veranstaltung ein gemeinsames Erlebnis zu machen. +++

Die Hessentagspartnerschaft der Stadt Fulda mit einem beziehungsweise zwei ausgewählten Medien hätte in dieser Form nicht zustande kommen dürfen. Grundsätzlich hätten alle lokalen Medien gleichberechtigt eingebunden werden müssen. Wenn ein Oberbürgermeister einzelne Medien dabei besonders hervorhebt, wirft das Fragen auf. Für diese Entscheidung trägt der Oberbürgermeister letztlich die Verantwortung.
Besonders kritisch wirkt dabei die ständige Selbstinszenierung eines der beteiligten Medienhäuser, das sich immer wieder selbst in den Mittelpunkt rückt und offenbar versucht, sich auf Kosten anderer in den Vordergrund zu spielen. Der zweite Medienpartner hingegen scheint diese Entwicklung lediglich hinzunehmen und hat sich offenbar mit seiner Rolle abgefunden. Auch die Nähe der CDU in Hessen zu Ministerpräsident Rhein sorgt zunehmend für Irritationen.
Ähnlich problematisch erscheint die Situation rund um das derzeit stattfindende Gartenfest. Auch dort entsteht der Eindruck, dass sich dasselbe Medium mit einer Idee schmückt, die ursprünglich von einem Fuldaer Fotografen stammt. Für die Veranstaltung ist das ein denkbar schlechtes Signal und letztlich eine Belastung für das gesamte Fest.
Auffällig ist zudem die nahezu vollständige Stille der Opposition beim Hessentag. Offensichtlich möchte man selbst lieber Teil der endlosen Bildergalerien sein und auf den Fotos erscheinen, anstatt klare Haltung zu zeigen. Diese Entwicklung ist bedenklich und zeigt, wie sehr politische Distanz und kritische Begleitung inzwischen in den Hintergrund geraten sind.
Dieses „Schilderhochhalten“ ist so so etwas von blöd.
Die Masche von ON, wo nahezu jede/jeder ein Schild in die Hand gedrückt bekommt, die/der nur einen Millimeter die Fussschwelle dort übetritt, versuchen die dort mit überreichlich Kohle für den Hessentag bedachten Leute dort (alleine, wie kann das sein: Medienpartner ON?), diese Unsitte auch auf auf den HT anzuwenden. Man kann ja noch deren durchschaubares Ansinnen verstehen. Verständnis habe ich allerdings nicht für Politikerinnen und Poliitiker, die diesen Blödsinn mitmachen. Zu sehen ist daran deutlich, wie abhängig die Amtsträger von solchem Minimaljournalismus geworden sind.
Sehr traurig. Und mit was wollen sie davon profitieren? Außerdem: Oppostion in Fulda gibt es ja faktisch nicht. Alle schwimmen sie mit und schaffen sich auf Dauer ihr eigenes Grab. Intelligenz – auf allen Seiten – sieht anders aus.
Erfolgreiches Marketing (Leserquote) wäre, wenn alle Medienpartner in der Region gleichbehandelt eingebunden wären.
Das heutige Titelfoto zum Hessentag in der heimischen Zeitung hat bei mir einige Fragen ausgelöst – weniger wegen des eigentlichen Anlasses, sondern vielmehr wegen der Art der Inszenierung. Beim Betrachten der Aufnahme entsteht bei mir jedenfalls nicht unbedingt der Eindruck eines besonders großen Medieninteresses; vielmehr wirkt die mediale Begleitung eher überschaubar.
Irritierend finde ich dabei, dass ein ähnliches Vorgehen offenbar bereits zuvor bei einem anderen Medium zu beobachten war. Einzelne Teilnehmer – darunter offenbar auch der Oberbürgermeister – wurden mit einem Schild für ein bestimmtes Medium abgebildet, wodurch dessen Rolle als Medienpartner im Zusammenhang mit der „Stadt Fulda“ besonders hervorgehoben wurde. Das hinterlässt zumindest den Eindruck einer gezielten Außendarstellung.
In diesem Zusammenhang stellt sich für mich auch die Frage, warum aus der politischen Opposition in Fulda bislang kaum kritische Töne zu hören sind. Das gilt aus meiner Sicht auch für die AfD, die sich sonst bei vergleichbaren Themen häufig deutlich positioniert. Möglicherweise möchte man das Verhältnis zu diesem bestimmten Medien nicht unnötig belasten – zumindest könnte dieser Eindruck entstehen.
Gerade vor dem Hintergrund journalistischer Unabhängigkeit wirkt die Nähe zwischen Berichterstattung, Medienpartnerschaft und öffentlicher Darstellung aus meiner Sicht diskussionswürdig. Umso bemerkenswerter ist es, wenn sich Vertreter verschiedener Beteiligter gemeinsam prominent in Szene setzen. Positiv fällt dabei allerdings auf, dass der Chefredakteur der Zeitung selbst ohne entsprechendes Schild zu sehen ist.
Manchmal sagt ein Bild mehr über eine Veranstaltung aus als jedes Programmheft. Die Vorstellung geriet stellenweise weniger zu einem souveränen Auftritt als zu einer bemühten Inszenierung. Das demonstrative Hochhalten von Schildern eines Mediums wirkte weder spontan noch originell, sondern eher gekünstelt. Dass sich dafür auch hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft bereitwillig in Szene setzten, verstärkte bei manchen Beobachtern eher das Gefühl von Fremdscham als von Begeisterung.
Irritierend blieb zudem der Umgang einzelner Medienvertreter mit dieser Inszenierung. Wer journalistische Distanz für sich beansprucht, sollte darauf achten, nicht selbst Teil einer PR-Kulisse zu werden. Genau dieser Eindruck entstand jedoch, als sich auch der Chefredakteur einer Zeitung bereitwillig für ein gemeinsames Foto zur Verfügung stellte. Das mag freundlich oder kollegial gemeint gewesen sein – bei manchen Zuschauern hinterließ es dennoch ein befremdliches Gefühl. Andere hätten sich einen solchen Auftritt vermutlich erspart.
Das ist mir aufgefallen: Der Hessentag ist kein Privatprojekt einzelner Medienhäuser, sondern eine Veranstaltung, die mit erheblicher Unterstützung der öffentlichen Hand organisiert wird und damit allen Bürgerinnen und Bürgern gehört. Gerade deshalb hätte die Stadt verpflichtet sein müssen, Medienvertreter gleichberechtigt zu behandeln und keinen Eindruck von Bevorzugung entstehen zu lassen. Wenn ausgewählte Anbieter privilegierten Zugang, besondere Präsentationsflächen oder faktisch exklusive Sichtbarkeit erhalten, während andere außen vor bleiben, wirft das berechtigte Fragen auf – nicht nur politisch, sondern auch im Hinblick auf das Gebot staatlicher Neutralität.
Denn öffentliche Stellen dürfen Medien nicht nach Sympathie, Nähe oder langjähriger Wohlgefälligkeit unterschiedlich behandeln. Wo kommunale Entscheidungen den Wettbewerb der Presse beeinflussen, gelten Transparenz, Sachlichkeit und Gleichbehandlung als zentrale Maßstäbe. Genau daran fehlt es hier aus vielen Gesprächen, die ich mit Freunden und Geschäftspartnern geführt habe. Statt Vielfalt sichtbar zu machen, entsteht der Eindruck, dass einige wenige Medien besonders profitieren durften – finanziell, öffentlichkeitswirksam und mit Rückendeckung der Stadt.
Ebenso auffällig ist inzwischen eine andere Frage, die in vielen Freundeskreisen diskutiert wird: Wo bleibt eigentlich der öffentliche Protest der Opposition? Besonders die Blauen, die sonst bei jeder Gelegenheit lautstark gegen vermeintliche Ungleichbehandlung auftreten, bleiben in dieser Frage erstaunlich still. Gerade dort hätte man deutliche Kritik erwarten dürfen. Stattdessen herrscht auffällige Zurückhaltung. Das wirft zwangsläufig Spekulationen auf. Denn wer auf große mediale Reichweite, positive Bilder und möglichst häufige Präsenz in der öffentlichen Berichterstattung angewiesen ist, überlegt sich offenbar zweimal, ob er die bevorzugten Medienstrukturen offen angreift. Der Eindruck entsteht, dass Schweigen mit Sichtbarkeit belohnt wird.
Das hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Denn wer über Jahre hinweg parteinah oder besonders wohlwollend berichtet hat, darf daraus keinen privilegierten Anspruch auf öffentliche Plattformen ableiten. Eine Kommune muss Distanz wahren und darf nicht den Eindruck erwecken, mediale Nähe werde mit exklusiver Präsenz belohnt. Sonst entsteht zwangsläufig die Frage, ob kritische Stimmen überhaupt noch die gleichen Chancen erhalten.
Dass viele Bürger diese Entscheidung dem Oberbürgermeister persönlich anlasten, überrascht daher nicht. Politische Verantwortung endet nicht bei organisatorischen Details. Wer öffentliche Veranstaltungen verantwortet, trägt auch Verantwortung für Fairness, Transparenz und den offenen Umgang mit Medienvielfalt. Genau daran bestehen beim Hessentag erhebliche Zweifel.
Sorry für die Länge des Kommentars, aber das musste einfach mal raus.