Seit November 2021 war der vordere Teil des Fuldaer Schlossgartens eine Wanderbaustelle. Was für Besucherinnen und Besucher über Jahre hinweg vor allem mit Absperrungen, Baulärm und wechselnden Wegen verbunden war, folgte einem ehrgeizigen Ziel: Abschnitt für Abschnitt sollte die historische Gartenanlage optisch weitgehend in jenen Zustand zurückgeführt werden, den sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts besaß. Nun ist das Projekt nahezu abgeschlossen. Die offizielle Eröffnung des rebarockisierten Schlossgartens findet am Donnerstag, 18. Juni, statt. Mit der Fertigstellung der Kaisersaalterrasse wurde zugleich der letzte Baustein der sogenannten Rebarockisierung umgesetzt. Zudem ist der Schlossturm wieder von der Gartenseite aus erreichbar.
Begonnen hatten die Arbeiten im Bereich der Orangerieterrasse. Es folgte das Schlossgartenparterre rund um die große Fontäne, ehe zuletzt die Kaisersaalterrasse vor der Gartenfront des Stadtschlosses in Angriff genommen wurde. Parallel dazu verwirklichte die Stadt ein Projekt zur Verbesserung der Barrierefreiheit im vorderen Schlossgarten und zur besseren Erreichbarkeit des Kaisersaals. Erhebliche Investitionen flossen darüber hinaus in die Infrastruktur, insbesondere in die Versorgung mit Strom und Wasser sowie in die Erneuerung der Brunnentechnik.
Der Weg bis zur Fertigstellung verlief allerdings deutlich komplizierter als ursprünglich vorgesehen. Die Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine beeinflussten ebenso den Bauablauf wie die aufwendige Kampfmittelsondierung. Hinzu kamen komplexe Abstimmungen mit den Kanal- und Tiefbauarbeiten auf der Kaisersaalterrasse sowie mit den Sanierungsarbeiten am Schlossturm. Die Verzögerungen waren erheblich. Dass die Wiederherstellung der Anlage nun kurz vor ihrer offiziellen Eröffnung abgeschlossen werden konnte, verleiht dem Projekt eine besondere Symbolkraft.
Der Blick in die Geschichte zeigt, wie tief die aktuellen Arbeiten in die Entwicklung des Schlossgartens eingreifen. Das barocke Gartenparterre geht auf den berühmten Gartenarchitekten Maximilian von Welsch zurück. Aus seiner Zeit wurden zwei wiederentdeckte Schnitte bekannt, die zumindest grobe Rückschlüsse auf die ursprünglichen Planungsvorhaben zulassen. Ab 1777 wurde der von Welsch konzipierte Barockgarten in einen spätbarocken Boskettgarten umgeformt. Bevor dieser wiederum ab 1802 unter dem Oranierfürsten Wilhelm in einen englischen Landschaftsgarten überführt wurde, fertigte Leutnant Kördel eine Grundrissaufnahme des Boskettgartens an. Diese Bestandsaufnahme gilt als der früheste dokumentierte Situationsplan des Schlossgartens und wurde damit zu einer zentralen Grundlage für die Formulierung der gartendenkmalpflegerischen Zielstellung.
An eben diesem Plan von 1802 orientierten sich die Gartenplaner bei der Rekonstruktion. Gleichzeitig integrierten sie die spätere Umgestaltung, die bis heute im alten und wertvollen Baumbestand ablesbar ist. In ihrer heutigen Form zählt die spätbarocke Anlage zu den wenigen ihrer Art, die in Deutschland erlebbar sind. Zu dieser Reihe gehören die Parks von Schloss Schwetzingen, Schloss Benrath bei Düsseldorf, Schloss Neuhaus bei Paderborn, die Eremitage Bayreuth und der Residenzgarten Würzburg. Als jüngstes Glied reiht sich nun auch der Fuldaer Schlossgarten in diese besondere Folge spätbarocker Gartenanlagen ein.
Mit dem Anspruch, historische Authentizität und zeitgemäße Zugänglichkeit miteinander zu verbinden, wurden zugleich barrierefreie Elemente geschaffen. Für den Einbau eines Leitsystems auf der Kaisersaalterrasse, einer Rampe zum Kaisersaal sowie eines Tastplans im Parterrebereich und weiterer Orientierungspläne erhielt die Stadt Fulda vom Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales eine Fördersumme von 120.600 Euro. Das entspricht einer Förderquote von 90 Prozent. Die Wegesanierung im Parterrebereich, die Beleuchtung der Floravase an der Orangerie sowie die Sanierung des Schlossturms einschließlich der Aufzugsanlage waren Teil des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren Kernstadt“, das im Rahmen des Bund-Länderprogramms über das Wirtschaftsministerium gefördert wurde.
Nach Jahren zwischen Bauzäunen und historischen Plänen ist aus dem vorderen Schlossgarten wieder ein Ort geworden, an dem Vergangenheit sichtbar wird, ohne sich der Gegenwart zu verschließen. Wer künftig durch die Anlage geht, bewegt sich durch mehrere Jahrhunderte Fuldaer Geschichte – und durch das Ergebnis eines Projekts, das historische Rekonstruktion, technische Modernisierung und barrierefreie Zugänglichkeit miteinander verbunden hat. +++

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