Waldbrände setzen Feuerwehren unter Druck: Landesfeuerwehrverband Hessen fordert bessere Vorsorge

Waldbrand

Hessen muss sich nach Einschätzung des Landesfeuerwehrverbandes Hessen stärker auf lang andauernde und personalintensive Wald- und Vegetationsbrände einstellen. Die jüngsten Brandereignisse im Main-Kinzig-Kreis und im Rheingau-Taunus-Kreis sowie der großflächige Waldbrand im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald zeigen nach Angaben des Verbandes, wie schnell sich aus einem zunächst örtlich begrenzten Feuer eine Großschadenslage mit hohem Kräfte-, Material- und Koordinierungsbedarf entwickeln kann. Auch im unmittelbar benachbarten Nordrhein-Westfalen sind derzeit mehrere Feuerwehren bei großen Wald- und Vegetationsbränden im Einsatz. Im Hochsauerlandkreis brennt eine Fläche von rund 100 Hektar. Die lange Einsatzdauer bringt die Kräfte vor Ort zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Zur Unterstützung rückten deshalb auch zwei hessische Einsatzkontingente mit jeweils vier Katastrophenschutz-Löschzügen aus den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Kassel und Schwalm-Eder aus.

Besonders problematisch wird die Lage, wenn mehrere Brände gleichzeitig ausbrechen. Dann geraten Personal, Fahrzeuge und Spezialtechnik auch über Kreis- und Landesgrenzen hinweg unter erheblichen Druck. Ähnliche Entwicklungen sind derzeit in anderen Teilen Europas zu beobachten. In Spanien und Frankreich kämpfen zahlreiche Einsatzkräfte gegen schwere Waldbrände. Für den Landesfeuerwehrverband Hessen sind die parallelen Einsatzlagen ein Hinweis darauf, dass die Feuerwehren dauerhaft auf lang andauernde Vegetationsbrände vorbereitet sein müssen. Den hessischen Einsatzkräften, die ihre Kameradinnen und Kameraden in Nordrhein-Westfalen unterstützen, spricht der Verband seinen Dank aus. Ihr Einsatz stehe für gelebte Solidarität und einen funktionierenden überörtlichen Katastrophenschutz.

„Vegetationsbrandbekämpfung ist keine Randaufgabe mehr. Solche Brände können über Stunden oder Tage Personal binden, Einsatzkräfte körperlich an ihre Grenzen bringen und ganze Regionen fordern“, erklärt Norbert Fischer, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen. Entscheidend sei deshalb nicht allein, ob einzelne Spezialmittel zur Verfügung stünden. Vielmehr müsse vor Ort eine belastbare Kette aus Früherkennung, Führung, Löschwasserversorgung, Logistik und Ablösung funktionieren.

Der Verband weist zugleich darauf hin, dass der Klimawandel nicht als unmittelbare Zündquelle eines Waldbrandes zu verstehen ist. Menschliches Fehlverhalten, technische Defekte oder Brandstiftung bleiben mögliche Ursachen. Der Klimawandel verändert jedoch die Bedingungen, unter denen ein Feuer entsteht und sich ausbreitet. Längere Hitze- und Trockenperioden lassen Böden und Vegetation austrocknen. Wind, schwer zugängliches Gelände und große Entfernungen zu Wasserentnahmestellen können die Brandbekämpfung zusätzlich erschweren.

Hessen hat in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Fähigkeiten für die Vegetationsbrandbekämpfung aufgebaut. Dazu gehören Waldbrand-Einsatzsets, geländegängige Gerätewagen-Logistik mit einem Modul zur Vegetationsbrandbekämpfung und Abrollbehälter für die Waldbrandbekämpfung. Zudem besteht die Möglichkeit, Hubschrauber der hessischen Polizei mit Außenlastbehältern zur Unterstützung einzusetzen. Digitale Waldbrandeinsatzkarten erleichtern seit 2024 die gemeinsame Orientierung und Einsatzplanung. Der Landesfeuerwehrverband bewertet diese Bausteine als wichtige Verstärkung. Sie könnten jedoch die kontinuierliche Vorbereitung in Städten, Gemeinden und Landkreisen nicht ersetzen.

Aus Sicht des Verbandes braucht Hessen deshalb eine flächendeckende Grundbefähigung der Feuerwehren, die durch strategisch stationierte Spezialfähigkeiten ergänzt wird. Nicht jede Kommune müsse über die gleiche Ausstattung verfügen. Entscheidend seien vielmehr die jeweiligen örtlichen Risiken. Dazu zählen Wald- und Vegetationsflächen, die Topografie, die Erreichbarkeit, verfügbare Wasserentnahmestellen sowie besonders schützenswerte Einrichtungen und kritische Infrastruktur. Diese Faktoren müssten regelmäßig in die Bedarfs- und Einsatzplanung einfließen.

Je nach örtlicher Gefährdung können dazu geländefähige oder geländegängige Fahrzeuge, leichte und modular verlastete Löschtechnik, Handwerkzeuge und ausreichendes Schlauchmaterial gehören. Auch die persönliche Schutzausrüstung müsse auf die jeweilige Aufgabe und Gefährdung abgestimmt sein. Verlässlicher Digitalfunk, geeignete Führungsmittel und ein aktuelles Lagebild seien ebenfalls von zentraler Bedeutung. Luftunterstützung könne bei schwer erreichbaren Brandabschnitten entscheidend sein, ersetze aber nicht die Brandbekämpfung am Boden.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt nach Ansicht des Landesfeuerwehrverbandes auf der Löschwasserversorgung und der Fähigkeit, einen Einsatz über längere Zeit durchzuhalten. Wo Hydranten fehlen oder große Entfernungen überwunden werden müssen, brauche es vorbereitete Wasserentnahmestellen, leistungsfähige Wasserförderung, mobile Speicher und abgestimmte Pendelverkehre. Gleichzeitig müssten Versorgung und Verpflegung, Maßnahmen gegen Hitzebelastung, medizinische Absicherung und rechtzeitige Ablösungen organisiert werden. Bei Vegetationsbränden entscheidet sich der Einsatzerfolg damit nicht allein an der Feuerlinie, sondern auch durch die Belastbarkeit der Logistik im Hintergrund.

Technische Ausstattung allein reicht nach Einschätzung des Verbandes allerdings nicht aus. Sie müsse durch Ausbildung und regelmäßige gemeinsame Übungen ergänzt werden. Führungskräfte und Einsatzmannschaften benötigten praxisnahe Schulungen zu Brandverhalten, Einsatztaktik, Sicherheit und Zusammenarbeit. Feuerwehr, Forst, Polizei, Rettungsdienst, Hilfsorganisationen, Technisches Hilfswerk und weitere Partner müssten ihre Zuständigkeiten, Übergabepunkte und Kommunikationswege kennen. Auch befahrbare Waldwege, gekennzeichnete Rettungspunkte, zugängliche Wasserstellen und gepflegte Einsatzkarten seien Bestandteil einer funktionierenden Vorsorge.

Bund, Land und Kommunen sieht der Landesfeuerwehrverband dabei gemeinsam in der Verantwortung. Die Kommunen seien für den örtlichen Brandschutz zuständig und müssten ihre Bedarfsplanung an veränderte Risiken anpassen können. Das Land bleibe insbesondere bei Förderung, Ausbildung, Katastrophenschutz und überörtlichen Spezialfähigkeiten gefordert. Der Bund müsse den Zivil- und Bevölkerungsschutz sowie die länderübergreifende Unterstützung weiter stärken. Notwendig seien zudem verlässliche finanzielle Perspektiven, damit Beschaffung, Ausbildung und Unterhaltung langfristig geplant werden können.

„Die aktuellen Einsätze sind ein deutlicher Auftrag, Vorsorge weiterzudenken“, sagt Fischer. Die Feuerwehren bräuchten keine kurzfristigen Einzelprogramme, sondern eine verlässliche Entwicklung von Ausstattung, Ausbildung und Infrastruktur. Wer heute risikogerecht investiere, schütze morgen Einsatzkräfte, Bevölkerung, Natur und Sachwerte. Die vorhandenen Strukturen seien eine gute Grundlage. Nun müsse es darum gehen, die Erfahrungen aus den aktuellen Einsätzen konsequent auszuwerten und erkannte Lücken gemeinsam zu schließen. +++


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