VorderRhöner 6.0: Wenn das leidenschaftliche Verfolgen einer Idee auf Heimatliebe trifft

Max Fischer, Jenny Müglich, Mia Müglich und Karin Bleuel. (v.l.) Foto: privat

Es ist kein normaler Treffpunkt am Eiterfelder Hain. Alles andere als das. Die Anlage geht, was den Sport angeht, als Vorzeige-Schauplatz in Osthessen durch. Dieses Mal ist nicht von Fußballern die Rede, von Tennisspielern, Reitern oder anderem. Sondern vom VorderRhöner 6.0 – einer Laufveranstaltung, die immer mehr hier in der ländlichen Region ins Herz trifft. Wenn die jungen Frauen des Lauftreffs des VfL Eiterfeld vor Jahren gewusst oder geahnt hätten, wie sich ihre Idee entwickeln würde … Geht sie mittlerweile durch die Decke? Früh schon, um halb Acht Uhr morgens, ist das Sportplatzgelände gefüllt. Prall gefüllt. Voller Leben. So, dass man sich die Augen reibt. Viele wollen die 39-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen. Mehr als 300 Teilnehmer sind es. Mehr als 300. Es ist ein Rekord. Aber das zählt weniger. Es sind die Umstände. Es ist der Zugang. Es ist das Miteinander. Es ist ein spezielles Gefühl, das diese große Schar aufsaugen will.

Man kennt sich. Auch dieses Etikett ist ein Symbol der Veranstaltung. Ist es ein Zufall, dass einem Carolin Scheffer vom Orga-Team auf dem Weg zum chilligen Gelände über den Weg läuft? Ist es eher nicht, denkt man sich. Oben angekommen, unterhält sich Stephen Petrich, 1. Vorsitzender des Gastgebers, mit Anna-Katharina Volkemer. Das ist die neue Präsidentin des Eiterfelder Karnevalsvereins ECV – auch sie läuft mit. „Jedes Jahr“, sagt sie stolz; erstmals als Karnevalspräsidentin.

Kaum dreht man sich rum, erkennt man Max Fischer, sprudelnder und bekennender Fan der SG Barockstadt. Der Fuldaer, der aus Wüstensachsen stammt, nimmt zum ersten Mal hier teil. Zum Abschluss des Wander-Vierers in Eichenzell hat er die „lange Strecke“ zweimal absolviert – zweimal 14 Kilometer. Max hat seine Arbeitskolleginnen mitgebracht. Karin Bleuel etwa aus Steinwand, der „größten Streugemeinde Hessens“. 39 Weiler stehen hier. Auch Karin macht erstmals hier mit. Oder Jenny Müglich, die ihre 14-jährige Tochter Mia mitgebracht hat. Daniela Rapp zählt ebenfalls zum kleinen, aber schmucken Kreis.

Um 8.05 Uhr ergreift Caro Scheffer das Mikrofon, begrüßt all die, die mit den Hufen scharren – und schickt die kaum noch überschaubare Gruppe auf die Reise. Neben ihr steht Dana Hauke, die Bürgermeisterin der Marktgemeinde Eiterfeld. Auf den Punkt drückt sie sich aus und nennt den Stellenwert, den der VorderRhöner mittlerweile für die Gemeinde erreicht hat. „Ganz viel“, sagt sie, „nach außen hin ist es ja auch Werbung. Dass die Leute sehen, welch schöne Landschaft das hier ist. Dass es sich für Personen von außerhalb lohnt, hierher zu kommen“. Dana Hauke spricht mit Herz. Vor zwei Jahren ist sie selbst die Strecke abgefahren. Mit dem E-Bike.

Vielleicht laufe sie auch nochmal mit, das halte sie sich offen. Es ist nicht überliefert, wie oft Bürgermeister oder -innen dies tun, aber auch scheint irgendwie mit den Hufen zu scharren. Einen entscheidenden Aspekt berührt sie noch. So, als wolle sie den mit auf die Reise schicken. „Mir ist wichtig, das Wir-Gefühl zu stärken.“ Ein Gefühl, das in Deutschland etwas aus der Spur geraten ist. Ist hier noch alles in Ordnung? Vieles, wenn nicht alles, spricht dafür. Stolz kommt hinzu. „Das Vereinsleben wird gelebt in unserer Gemeinde.“ In 20 Ortsteilen tummeln sich etwa 100 Vereine. Wenn das keine Marke für den Briefkopf ist.

Endlich ist Caro Scheffer verfügbar. Ihr Orga-Team hat viel zu tun. Für ein Lächeln reicht es immer. Aber es sind alle Hände voll zu tun. So ist die Strecke nicht ohne. Immerhin sind 39 Kilometer zu bewältigen. Für Ungeübte ist das eher nichts. Und die Strecke ist in jedem Jahr neu. In jedem Jahr. Und sie bietet Besonderheiten. Gehen wir die Stationen durch. Vier sind es an der Zahl. Station 1 befindet sich in der Ortsmitte Soisliedens. Station 2 hinter Buttlar – hier warten die Alten Herren des VfL. Station 3 an der Schutzhütte Rabenthal, oberhalb von Mansbach. Und Station 4? Das ist die „Überraschungsstation“. Dort gibt es alkoholfreies Bier oder Radler. Im Dorfgemeinschaftshaus in Oberweisenborn.

Über die zunehmende Arbeit seufzen alle ein bisschen – aber sie machen den größer werdenden Aufwand gerne. Schließlich ist der VorderRhöner beim VfL Eiterfeld zu einer echten Adresse mit Wohlfühl-Charakter geworden – die ins Leben gerufene „Sprizztour“ weist den Weg. Man muss sich einfach hier aufhalten. Was die Anziehungskraft der Veranstaltung ausmache? „Es wird immer mehr“, seufzt auch Caro Scheffer – nein, sie freut sich. „320 oder 330 Leute sind auf der Strecke.“ Immer gibt es eine Steigerung der Teilnehmerzahl. Im vergangenen Jahr waren es noch 260.

„Das ist die Mund-Propaganda“, schiebt sie nach, „Du kannst auf allen sozialen Kanälen werben oder auch Artikel schreiben. Innerhalb der Läufer oder Läuferinnen spricht es rum“. Stimmig klingen ihre Worte. Treffend. Treffend fürs Herz. Ins Herz hinein. Die größte Gruppe unter den Startern besteht aus 14 Personen. Es ist die, die sich eigens in jedem Jahr trifft, um am VorderRhöner teilzunehmen. Es handelt sich um einen Eiterfelder, der mit Studium-Kumpels aus ganz Deutschland zusammenkommt. „Dieser Gruppe gehört auch ein Schweizer an“, erklärt Caro Scheffer, „aber der kann dieses Mal nicht“. Es freue auch diese Gruppe in besonderem Maße, immer wieder hierher zu kommen.

Schlagen wir zeitlich eine Brücke. Es ist nicht mehr lang hin bis 13 Uhr. Dann kommen zwei mit dem Rad und fahren die Strecke ab. Es sind Benny Wolf und Marvin Nordheim. Auch sie helfen. Der Rest ist Geselligkeit. Auf die Gemeinschaft kommt‘s an. Es ist nicht überliefert, wie viele es merken: Der VorderRhöner des VfL Eiterfeld ist zur Marke geworden. +++ rl


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