Was für ein Erfolg für den osthessischen Leichtathletik-Nachwuchs: Die weibliche U16 der Startgemeinschaft Hünfeld-Eichenzell-Flieden hat sich beim Bundesfinale der Deutschen Team-Meisterschaften am 12. September 2026 im nordrhein-westfälischen Troisdorf den deutschen Meistertitel gesichert. Im Aggerstadion setzte sich die Mannschaft mit einer geschlossenen und starken Teamleistung gegen die Konkurrenz aus ganz Deutschland durch. Mit 10.709 Punkten und einem Vorsprung von 271 Punkten auf das zweitplatzierte Team krönte die Startgemeinschaft eine Entwicklung, die bereits in den vergangenen Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.
Der Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Bereits 2024 hatte das damalige Team der StG Neuhof-Flieden-Hünfeld bei seiner ersten Teilnahme an den Deutschen Team-Meisterschaften überraschend die deutsche Vizemeisterschaft erreicht. Ein Jahr später verpasste die Mannschaft in der aktuellen Konstellation als Vierte das Podium nur knapp. Gerade einmal fünf Punkte fehlten auf den dritten Platz. Die Athletinnen ließen sich davon jedoch nicht entmutigen.
In der diesjährigen Qualifikationsphase machte die Mannschaft erneut deutlich, dass mit ihr zu rechnen sein würde. Mit 10.451 Punkten belegte die Startgemeinschaft deutschlandweit den ersten Platz und reiste damit als Spitzenreiter zum Finale nach Troisdorf. Dort musste sich zeigen, ob die Leistungen aus der Qualifikation auch unter dem Druck eines nationalen Endkampfes bestätigt werden konnten.
Im Troisdorfer Aggerstadion gelang genau das. Von den Sprint- und Hürdenwettbewerben über Weit- und Hochsprung bis hin zu Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf sowie den Laufdisziplinen und der abschließenden 4×100-Meter-Staffel war eine große Bandbreite an Leistungen gefragt. Anders als bei einem Einzelwettkampf zählt bei der Team-DM nicht die herausragende Leistung einer einzelnen Athletin. Entscheidend ist vielmehr, dass eine Mannschaft in möglichst vielen Disziplinen zuverlässig punktet.
Genau diese Geschlossenheit wurde für die Osthessinnen zum entscheidenden Faktor. Jede Athletin hatte ihre Aufgabe, jede Leistung floss in das Mannschaftsergebnis ein. Am Ende standen 10.709 Punkte auf dem Konto der Startgemeinschaft. Der Vorsprung von 271 Punkten auf den Zweitplatzierten machte den deutschen Meistertitel perfekt. Das zweite hessische Team von Eintracht Frankfurt kam mit 10.012 Punkten auf Rang fünf.
Das Wettkampfformat verlangt von den beteiligten Vereinen eine ungewöhnlich breite Aufstellung. In der weiblichen U16 stehen 100 Meter, 800 Meter, 3.000 Meter, 80 Meter Hürden, 4×100 Meter, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf auf dem Programm. Pro Wettbewerb können drei Teilnehmerinnen eingesetzt werden, zusätzlich sind zwei Staffeln möglich. In die Wertung gehen jeweils zwei Teilnehmerinnen sowie eine Staffel ein. Eine Athletin darf maximal in drei Wettbewerben plus einer Staffel starten.
Insgesamt müssen damit 35 Startplätze besetzt werden. Die erzielten Zeiten, Weiten und Höhen werden nach einem Punktesystem bewertet und anschließend zu einem gemeinsamen Mannschaftsergebnis addiert. Der deutsche Meistertitel ist deshalb nicht nur eine Auszeichnung für einzelne starke Leistungen, sondern vor allem für die Fähigkeit, über viele Disziplinen hinweg auf hohem Niveau zu punkten.
Zum erfolgreichen Team gehörten Athletinnen des Hünfelder SV, des TLV Eichenzell und des TV Flieden. Für den Hünfelder SV gingen Anna Diel im Kugelstoßen und Diskuswurf, Clara Weber über 800 Meter und im Hochsprung, Emilie Auerbach im Speerwurf, Eva Weigel im Hochsprung und Speerwurf, Frieda Auerbach in der 4×100-Meter-Staffel, Hanna Konz über 80 Meter Hürden und in der Staffel, Hannah Sophie Keidel über 3.000 Meter, Ida Bieber über 800 Meter, Joelina Cean über 3.000 Meter, Lea Dostal im Weitsprung und in der Staffel, Lena Dehler im Kugelstoßen und Diskuswurf sowie Rosa Happ über 800 Meter an. Betreut wurde das Team des Hünfelder SV von Hans-Otto Göbel, Rainer Hahn und Stefan Beckmann.
Vom TLV Eichenzell gehörten Franziska Heußner über 100 Meter, 80 Meter Hürden, im Weitsprung und in der 4×100-Meter-Staffel, Frida Derigs über 100 Meter und in der Staffel, Greta Emilia Fallier über 3.000 Meter, Lawen Maiello im Kugelstoßen, Diskus- und Speerwurf, Lotta Roth über 80 Meter Hürden, im Hochsprung und in der Staffel sowie Malia Bohl über 100 Meter, im Weitsprung und in der Staffel zur Mannschaft. Als Trainer waren Adrian Schneider und Gwendolin Schneider dabei. Für den TV Flieden startete Letizia Bosold. Trainer des TV Flieden ist Gerhard Reichenauer.
Auch einzelne Leistungen ragten aus dem starken Mannschaftsergebnis heraus. Malia Bohl sprintete die 100 Meter in 12,20 Sekunden. Der Rückenwind lag mit 2,1 Metern pro Sekunde allerdings um 0,1 Meter pro Sekunde über dem zulässigen Grenzwert, sodass die Zeit nicht bestenlistenfähig ist. Für das Mannschaftsergebnis in Troisdorf änderte dies nichts an der Bedeutung ihres Einsatzes.
Besonders bemerkenswert war der Auftritt der erst 13-jährigen Clara Weber. Sie war aus der Altersklasse W13 in der Altersklasse W14 hochgestartet und lief über 800 Meter mit 2:25,50 Minuten eine neue persönliche Bestzeit. Nur 15 Minuten später musste sie bereits im Hochsprung antreten. Auch dort überzeugte sie und übersprang 1,59 Meter – einen Zentimeter mehr, als sie selbst groß ist.
Der deutsche Meistertitel ist damit zugleich das Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung. Auf die überraschende Vizemeisterschaft 2024 folgte 2025 ein vierter Platz, bevor die Startgemeinschaft in diesem Jahr den entscheidenden Schritt nach ganz oben machte. Der Weg dorthin führte nicht über eine einzelne herausragende Disziplin, sondern über eine Mannschaft, die ihre Stärken auf viele Wettbewerbe verteilen konnte.
Für Hünfeld, Eichenzell und Flieden ist der Erfolg deshalb mehr als ein Titel in einer Jugendklasse. Er ist ein sichtbares Ergebnis der Nachwuchsarbeit der beteiligten Vereine und der Bereitschaft, Kräfte über Vereinsgrenzen hinweg zu bündeln. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Startgemeinschaft nach eigenen Angaben ohne die professionelle sportliche Infrastruktur auskam, über die einige Konkurrenten verfügen. Gerade vor diesem Hintergrund ist die nationale Spitzenleistung entsprechend hoch einzuschätzen.
Ein solcher Erfolg entsteht allerdings nicht allein auf der Wettkampfanlage. Hinter den Leistungen stehen Trainer, Physiotherapeuten und Familien, die den Weg der jungen Athletinnen begleiten. Mit Fachkompetenz, Einsatz und persönlichem Engagement wurden die Voraussetzungen geschaffen, damit die Mannschaft in Troisdorf ihre Möglichkeiten ausschöpfen konnte. Auch die Eltern trugen mit ihrem Rückhalt und ihrer Unterstützung wesentlich dazu bei.
Der Titel von Troisdorf ist deshalb nicht nur die Belohnung für einen erfolgreichen Wettkampftag. Er ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor zwei Jahren mit der Vizemeisterschaft begann und nun mit Gold gekrönt wurde. Für die osthessische Leichtathletik ist dieser deutsche Meistertitel ein starkes Signal: Gute Nachwuchsarbeit muss nicht zwangsläufig aus den großen Zentren kommen. Sie kann auch dort entstehen, wo Vereine gemeinsam Verantwortung übernehmen und jungen Athletinnen die Möglichkeit geben, sich sportlich zu entwickeln.
Zu den herausragenden Einzelleistungen des erfolgreichen Teams gehörte der 100-Meter-Sprint von Malia Bohl (TLV Eichenzell), die 12,20 Sekunden lief. Wegen des Rückenwinds von 2,1 Metern pro Sekunde war die Zeit zwar nicht bestenlistenfähig, unterstrich aber ihre starke Form. Clara Weber (Hünfelder SV) überzeugte gleich doppelt: Die erst 13-Jährige lief die 800 Meter in 2:25,50 Minuten und übersprang nur rund 15 Minuten später im Hochsprung 1,59 Meter. Franziska Heußner (TLV Eichenzell) sammelte ebenfalls über mehrere Disziplinen wichtige Punkte. Sie startete über 100 Meter, 80 Meter Hürden und im Weitsprung und gehörte zudem zur 4×100-Meter-Staffel. Gerade diese Mehrfachleistungen waren ein wichtiger Baustein für die geschlossene Mannschaftsleistung, mit der sich die Startgemeinschaft in Troisdorf den deutschen U16-Meistertitel sicherte. +++
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