Es fehlten am Ende nur wenige Minuten zur großen Überraschung: Der TV Gelnhausen hat in der ersten Runde des DHB-Pokals nur knapp eine Sensation gegen den Zweitligisten TV Hüttenberg verpasst. Vor 1100 Zuschauern in der stimmungsvollen Rudi-Lechleidner-Halle unterlagen die Barbarossastädter dem letztjährigen Elften der 2. Bundesliga mit 25:27 (14:12). Dabei hatte der TVG über weite Strecken der Partie geführt und den Favoriten bis tief in die Schlussphase hinein an den Rand einer Niederlage gebracht. Erst als bei der dezimierten Mannschaft zunehmend die Kräfte schwanden, konnte Hüttenberg die Partie noch drehen. Die Fans feierten ihre Mannschaft dennoch für eine starke Leistung.
Für den neuen TVG-Trainer Tim Beckmann begann die Pflichtspielsaison 2026/27 damit zwar mit einer Niederlage, die Vorstellung seiner Mannschaft machte jedoch zugleich große Lust auf die kommenden Aufgaben. Gelnhausen musste auf Jonas Dambach wegen Fußproblemen, Torhüter Alex Bechert wegen Knieproblemen, Silas Altwein nach einem Nasenbeinbruch und den erkrankten Henrik Müller verzichten. Für Bechert rückte Juniorentorhüter Noah Pilgrim in den Kader auf.
Hüttenberg erwischte zunächst den besseren Start und ging mit 2:0 in Führung. Der TVG ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und fand schnell in die Partie. Kapitän Jonathan Malolepszy brachte die Rot-Weißen in der achten Minute mit 4:2 erstmals in Führung. Malolepszy entwickelte sich an diesem Abend zum erfolgreichsten Gelnhausen-Schützen und erzielte insgesamt sieben Treffer.
Nach dem 7:5 durch Simon Belter in der 13. Minute erhöhte Hüttenberg den Druck und drehte die Partie mit vier Treffern in Folge zum 9:7. Doch die Atmosphäre in der „Hölle Süd“ trieb die Gastgeber weiter an. Fynn Broßmann erzielte in der 21. Minute den 10:10-Ausgleich, wenig später lag Gelnhausen sogar mit 12:10 vorne. Die Halle stand Kopf und knüpfte stimmungsmäßig nahtlos an die zurückliegenden Aufstiegsrundenspiele an. Einen Rückschlag musste der TVG anschließend allerdings verkraften: Kreisläufer Max Bechert sah nach einem Gesichtstreffer bei einem Gegenspieler die Rote Karte. Eine Entscheidung, die aus Sicht der Gastgeber hart ausfiel.
Gelnhausen ließ sich auch davon nicht aus dem Konzept bringen. Torben Fehl musste nun über weite Strecken durchspielen und zeigte ebenso wie seine Mannschaftskollegen eine starke Leistung. Gleichzeitig entwickelte sich Neuzugang Jan-Steffen „Bruno“ Minerva bei seinem Pflichtspieldebüt zu einem wichtigen Rückhalt. Mit starken Paraden hielt er den TVG in einer intensiven Partie immer wieder im Spiel. Am Ende der ersten Halbzeit führte Gelnhausen mit 14:12. Was die Zuschauer in dieser Phase zu sehen bekamen, war eine Energieleistung der Gastgeber, die den Zweitligisten zunehmend vor Probleme stellte.
Nach dem Seitenwechsel kam Hüttenberg zunächst zum 14:14-Ausgleich. Danach übernahm der TVG wieder die Kontrolle. Geisler, Belter und ihre Mitspieler setzten den Favoriten weiter unter Druck, während Minerva mehrfach stark parierte. Benjamin Wörner traf in der 36. Minute zum 18:15 und sorgte damit erneut für Jubel in der voll besetzten Halle. Die Stimmung war inzwischen so laut, dass man sein eigenes Wort kaum verstehen konnte. Das Pokalwunder schien plötzlich greifbar. Auch nach einer Auszeit der Gäste blieb Gelnhausen konzentriert. In der 44. Minute erhöhte Malolepszy auf 21:18.
Hüttenberg verkürzte anschließend auf 20:21, doch der dezimierte TVG kämpfte weiter. Im Laufe der Partie musste Gelnhausen auch auf den bis dahin starken Broßmann verzichten. Dennoch blieb die Mannschaft ihrem Spiel treu. In der 52. Minute traf Malolepszy per Unterhandwurf zum 24:21. Die „Hölle Süd“ bebte. Nur noch acht Minuten trennten den TVG von einer der größten Überraschungen der jüngeren Vereinsgeschichte.
Doch nun machte sich der hohe Aufwand bemerkbar. Nach einem Treffer der Gäste scheiterte Malolepszy mit einem Siebenmeter. Auch Fynn Hilb vergab in der 56. Minute die Chance, den Vorsprung wieder auf drei Tore auszubauen. Stattdessen kam Hüttenberg durch David Kuntscher, der mit sieben Treffern bester Schütze der Gäste war, bis auf ein Tor heran. Torben Fehl erzielte noch das 25:23, doch Hüttenberg antwortete unmittelbar.
In der 58. Minute fiel schließlich der 25:25-Ausgleich. Kurz darauf parierte Hüttenbergs Torhüter Yahav Shamir, ehe die Gäste in der 59. Minute erstmals in der zweiten Hälfte in Führung gingen. Gleichzeitig erhielt Fehl eine Zeitstrafe, sodass Gelnhausen die Schlussphase in Unterzahl bestreiten musste. Nach einer weiteren Balleroberung erhöhte Hüttenberg auf 27:25. 30 Sekunden vor dem Ende nahm der TVG noch einmal eine Auszeit, um die letzte Chance auf die Pokalsensation zu nutzen. Doch Malolepszy scheiterte mit seinem Wurf am Pfosten. Damit war die knappe Niederlage besiegelt. Hüttenberg spielte die verbleibenden Sekunden kontrolliert herunter und setzte sich mit 27:25 durch.
„Ich bin unfassbar stolz auf die Jungs“, sagte TVG-Trainer Tim Beckmann nach der Partie. Seine Mannschaft habe gegen eine „wirklich tolle Zweitligamannschaft“ 55 Minuten auf Augenhöhe gespielt und phasenweise sogar souverän geführt. Besonders die Abwehrleistung hob Beckmann hervor. Die Mannschaft habe den Willen gezeigt, verteidigen zu wollen und dies im Kollektiv umgesetzt. Auch in Unterzahl habe der TVG eine richtig starke Abwehrleistung gezeigt.
Ein Sonderlob erhielt Neuzugang Minerva, der bei seinem Pflichtspieldebüt mit elf Paraden überzeugte. „Bruno hat eine ganz starke Leistung gezeigt. Aber alle Spieler haben ihren Teil zu dieser tollen Leistung beigetragen“, sagte Beckmann. Damit wurde deutlich, dass der Trainer die Leistung nicht an einzelnen Akteuren festmachen wollte. Entscheidend war für ihn vor allem der gemeinsame Auftritt seiner Mannschaft.
Auch Hüttenbergs Trainer Stefan Kneer fand nach dem Spiel lobende Worte für den TVG und die Atmosphäre in der „Hölle Süd“. Gelnhausen habe sowohl in der Abwehr als auch im Angriff sehr gut gespielt und seine Mannschaft immer wieder vor große Herausforderungen gestellt. Auch den Fans sprach Kneer seinen Dank aus. Die Stimmung sei wirklich sehr gut gewesen. Für den Hüttenberger Trainer hätte die Partie am Ende eigentlich keinen Sieger verdient.
Damit endet die Pokalreise des TV Gelnhausen bereits in der ersten Runde. Die Art und Weise, wie der Drittligist den etablierten Zweitligisten über nahezu die gesamte Spielzeit forderte, dürfte jedoch wichtiger sein als das Ergebnis. Der TVG hat gezeigt, dass er auch gegen einen höherklassigen Gegner mithalten kann und über weite Strecken sogar die bessere Mannschaft war. Für die neue Saison dürfte dieser Auftritt deshalb Selbstvertrauen geben.
„Wir können ganz viel aus diesem Spiel mitnehmen und mit gestärkter Brust in die anstehenden Aufgaben gehen“, sagte Beckmann mit Blick nach vorne. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt der Mannschaft ohnehin nicht. Am Mittwoch, 2. September, startet der TVG beim Longericher SC Köln in die neue Saison der 3. Liga Süd-West. Nur drei Tage später steht bereits das erste Heimspiel an: Am Samstag, 5. September, empfängt Gelnhausen den TV Kirchzell zum ersten Derby der neuen Spielzeit. Tickets für die Partie können bereits im Online-Shop über die TVG-Homepage erworben werden.
Die Pokalsensation ist ausgeblieben. Der Eindruck, den der TV Gelnhausen an diesem Abend hinterlassen hat, dürfte dennoch bleiben. Gegen einen Zweitligisten fehlten am Ende nur Kleinigkeiten, ein wenig Kraft und vielleicht auch das letzte Quäntchen Glück. Für den neuen Trainer Tim Beckmann und seine Mannschaft ist das Ergebnis deshalb weniger Warnsignal als vielmehr ein Versprechen: Wenn der TVG diese Energie, diese Abwehrarbeit und diese Leidenschaft mit in die neue Drittligasaison nimmt, darf man auf die kommenden Wochen gespannt sein. +++

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