Solarstrom für die Klärwerke: Fulda spart bis zu 8.000 Euro im Monat

Die Kläranlage Fulda-West produziert seit einem Jahr eigenen Solarstrom – und der zahlt sich aus. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Betriebsgelände senkt der Abwasserverband seinen Strombezug im Sommer um rund 20.000 Kilowattstunden im Monat. Bis zu 8.000 Euro können dadurch monatlich eingespart werden. Nun soll auch die Kläranlage Marbach eine eigene PV-Anlage bekommen.

Fulda – Kläranlagen gehören normalerweise zu den großen Stromverbrauchern. In Fulda soll sich das zunehmend ändern. Seit einem Jahr steht auf dem Gelände der Kläranlage Fulda-West in der Heinkelstraße eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 263 Kilowatt-Peak. Die Bilanz fällt nach Angaben des Abwasserverbandes positiv aus.

Der entscheidende Punkt ist dabei nicht allein die Menge des produzierten Stroms. Der Verband hat gemeinsam mit der RhönEnergie ein Modell entwickelt, mit dem der Solarstrom möglichst vollständig selbst genutzt werden kann.

Solarstrom für drei Kläranlagen

Die rund 200.000 Euro teure Anlage wurde mit 90 Prozent aus der Klimarichtlinie des Landes Hessen gefördert. Weil auf dem Gelände ausreichend Platz vorhanden war, wurde sie größer gebaut, als es der Standort Fulda-West allein benötigen würde.

Der überschüssige Strom bleibt deshalb nicht einfach ungenutzt. Über einen sogenannten Bilanzkreis wird die Anlage virtuell mit den Klärwerken in Gläserzell und Marbach verbunden. Der erzeugte Strom kann damit über das öffentliche Netz flexibel an den drei Standorten genutzt werden.

Produziert die PV-Anlage mehr Strom als benötigt wird, wird der Überschuss mit dem Strombedarf der anderen Standorte verrechnet. Reicht die Solarproduktion nicht aus, wird entsprechend Strom bezogen. Die Abrechnung erfolgt zu den jeweiligen Börsenstrompreisen. Auf eine klassische Einspeisevergütung nach dem EEG verzichtet der Verband.

Das Modell soll die drei Kläranlagen stärker von schwankenden Energiepreisen unabhängig machen.

Bis zu 8.000 Euro weniger Kosten

Für den Verband geht es dabei nicht nur um Klimaschutz. Es geht auch um bares Geld. „Durch die Einsparung von bis zu 8.000 Euro im Monat amortisiert sich die Anlage in sehr kurzer Zeit“, sagt Geschäftsführer Jürgen Fehl. Gerade angesichts des hohen Kostendrucks sei jede Entlastung wichtig.

Die Einsparungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Anforderungen an die Abwasserreinigung weiter steigen. Moderne Kläranlagen müssen technisch immer mehr leisten – und benötigen dafür entsprechend Energie. Die Einnahmen beziehungsweise Einsparungen aus der eigenen Stromerzeugung können deshalb in notwendige Investitionen fließen.

Dabei steht Fulda bei der Eigenversorgung bereits vergleichsweise gut da. Die Kläranlage Gläserzell erzeugt durch die Verstromung von Klärgas in der Jahresbilanz sogar mehr Strom, als sie selbst benötigt. Mit Fulda-West und künftig auch Marbach sollen nun weitere Standorte ihren Energiebedarf zunehmend selbst decken.

Nächste PV-Anlage in Marbach

Die Erfahrungen aus Fulda-West haben den Verband bereits zum nächsten Projekt gebracht. Auf dem Dach des Betriebsgebäudes der Kläranlage Marbach soll eine weitere Photovoltaikanlage entstehen. Projektingenieur Ralf Lehmann arbeitet bereits an den Planungen.

Für Verbandsvorsitzenden und Stadtbaurat Daniel Schreiner sind die Projekte mehr als einzelne Energiesparmaßnahmen. Sie seien wichtige Schritte auf dem Weg zur Energieneutralität des Verbandes. Gesetzlich vorgeschrieben ist dieses Ziel erst für 2045.

Für die Gebührenzahler könnte sich der Kurs ebenfalls auszahlen: Weniger Abhängigkeit von den Energiepreisen bedeutet für den Abwasserverband mehr Planungssicherheit – und schafft bessere Voraussetzungen für stabile Gebühren.

Aus Sonnenstrom wird damit in Fulda nicht nur Klimaschutz, sondern zunehmend auch ein Instrument gegen steigende Betriebskosten. +++


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