Um 21.53 Uhr war der sportliche Teil des Abends vorüber in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle. Und der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell war in seiner Aufgabe beim favorisierten Halbfinalisten des Vorjahres, Werder Bremen, knapp unterlegen. Mit 2:3. Ein erwartbares Resultat. Dennoch begleiteten die mutige und kampfstarke Vorstellung des Gästeteams einige Fragen.
Auch in Bremen leuchteten der Stern des Fuldaer Fixpunktes Dimitrij Ovtcharov. Er hatte die starke aktuelle Verfassung aus dem Europe Smash im schwedischen Malmö mitgenommen und transportiert. Dima spielte an Eins – und er machte die Wertschätzung, Akzeptanz und Klasse in nahezu jeder Sekunde deutlich. Wieder einmal – und das gab es in der jüngeren Vergangenheit zur Genüge -, steuerte er zwei Punkte zum Auftritt seiner Mannschaft bei. Er entschied beide Einzel klar für sich.
Mit 3:0 fertigte Dima zunächst den Franzosen Irvin Bertrand ab. Nachdem Ovtcharov den Ersten „zu 7“ gewonnen hatte (dies war der erste Satzgewinn des TTC RhönSprudel in dieser Saison), bekam Bertrand im Zweiten nur zwei Pünktchen. Lediglich im Dritten wurde es eng. Mit dem 4:3 ging der Franzose erstmals in diesem Match in Führung – später glich er auch zum 9:9 aus. Und zum 10:10. Doch es ist nicht neu, dass Dima in der Phase dieser Big Points seine Klasse zeigt. beim 11:10 hatte er Matchball – und gleich den ersten nutzte er.
Auch im Spitzeneinzel bewies Dima seine Qualitäten. Er setzte sich mit 3:1 gegen den Kasachen Gerassimenko durch. Von Beginn zeigte Dima, wo‘s lang geht und gab die Richtung vor. Mit 11:5 fischte er sich den Ersten – gab den Zweiten indessen ab. Mit 7:5 führte Dima, Gerassimenko aber blieb dran und ließ sich nicht abschütteln. Witterte der Kasache seine Chance? Mit 8:7 ging er in Front, Dima aber konterte. Und drehte den Verlauf in den eigenen knappen 9:8-Vorsprung. Es war irre spannend in diesem Zweiten. Und hochklassig. Nein 10:9 hatte Dima seinen ersten Satzball, beim 11:10 den zweiten. Doch Gerassimenko glich jeweils aus. Und holte sich beim 12:11 seinerseits seinen ersten Matchball. Und Sekunden später den Satz.
Doch wer Dimas Ambition kennt, der weiß, dass er das nicht auf sich sitzen lässt. Fulminant schlug er zurück. Ganze drei Pünktchen ließ er dem Kasachen im Dritten. Im Vierten blieb Gerassimenko zunächst dran, von 2:7 verkürzte er auf 6:7 – ehe Dima davonzog. Bis auf 10:6. Dieser Stand bescherte ihm vier Matchbälle. Den zweiten verwertete er.
Auch Fanbo Meng und Jonathan Groth hatten ihre Chancen an diesem Abend – sie nutzten sie aber nicht. So hatte Fanbo Meng vor allem im Ersten sehr gute Aussichten, die Basis zu legen für den Punkt im Eröffnungseinzel gegen Gerassimenko. Den einschlägigen Verlauf müssen wir kurz schildern. Nach 0:2 hatte Fanbo einen Lauf und machte fünf Punkte in Folge – 5:2. Er führte später 9:5 – killte den Satz aber nicht, sondern ließ Gerassimenko mehrfach wieder rein ins Geschehen. Fanbo vermochte auch zwei Satzbälle nicht zu nutzen – beim 10:9 und 12:11. Der Kasache kämpfte sich immer wieder zurück – und nutzte im Unterschied zum Fuldaer seinen zweiten Satzball zum 14:12. Nachdem Fanbo im Zweiten keine Chance hatte und nur vier Punkte bekam, boten sich ihm im Dritten erneut Chancen. 6:3 lag er schon vorn, Gerassimenko aber biss sich erneut rein – über 7:7 und 8:8 erspielte sich der Kasache beim 10:8 zwei Matchbälle. Er verwandelte den ersten. In 25 Minuten Gesamtspielzeit.
Jona Groth erging es ähnlich – er verwickelte Mattias Karlsson (den ehemaligen Mattias Fack) indessen in einen Fünfsatz-Krimi. Stand Groth im Ersten noch auf verlorenem Posten, kämpfte und biss er sich rein in sein Einzel. Mit 4:1 führte er im Zweiten. Kurz darauf stand es 6:6. Der Däne gab alles. Und er hatte fortan ein Hochgefühl, sammelte fünf Punkte in Folge auf – und holte sich den Zweiten mit 11:6. Der Dritte war so etwas wie der Knackpunkt. 6:6 stand es, Groth hatte in der Folge mit dem 8:6 und 9:7 die Nase vorn – und beim 10:7 gar drei Satzbälle. Doch auch der hoch aufgeschossene und zähe Schwede Karlsson weiß, wie es geht, fünf Punkte hintereinander zu machen. Er kämpfte, hielt dagegen – und verbuchte mit 12:10 den Satzgewinn.
Den Vierten schnappte sich wieder Groth. Er führte von Beginn an und spielte den Satz praktisch runter. 2:0, 5:2, 6:4, 8:4 und 9:5 waren die Stationen – ehe er, wie im Dritten auch, drei Satzbälle hatte. Dieses Mal aber klappte es. Groth schnappte sich den Vierten mit 11:7. Ehe im abschließenden Fünften aus Sicht des Dänen gar nichts mehr ging. Karlsson lag sage und schreibe mit 10:1 vorn – und hatte neun Matchbälle. Den dritten verwandelte er mit dem 11:3.
2:2 stand es nach den Einzeln – und wieder einmal entschied das Doppel. Und da schickte der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell erstmals eine neue Formation ins Rennen. An Jona Groths Seite debütierte der junge rumänische Zugang Andrei Istrate. Das ließ sich zunächst gut an. Im Ersten erwischten sie einen Blitzstart, 5:0 lagen sie vorn. Bertrand/Karlsson kamen heran, bis auf 4:5. Das Fuldaer Doppel aber setzte sich wiederum ab – und hatte beim 10:5 gleich fünf Satzbälle. Der zweite sollte es dieses Mal sein – 11:6.
Im zweiten aber drehte die Bremer Formation den Spieß um – mit demselben Ausgang am Ende. Der Dritte war Knackpunkt Nummer zwei oder drei an diesem Abend. Werder lag meist vorn, doch Fulda kämpfte. 7:7 und 8:8 hieß es im abwechslungsreichen Duell. Ehe Bertrand/Karlsson entscheidend punkteten. Nein 10:8 hatten sie zwei Satzbälle. Den ersten nutzten sie – und hatten gute Karten im Mannschaftserfolg ihres Teams. Das abschließende 11:5 im Vierten kam einer „Formsache“ gleich, bei der Gäste-Formation schien der Widerstand gebrochen.
Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hatte sein Auftaktspiel der neuen Saison beim Favoriten in Bremen äußerst knapp verloren – und er durfte die Klaus-Dieter-Fischer-Halle erhobenen Hauptes verlassen. Punkte freilich hatte er nicht im Gepäck. Am Samstag dieser Woche kann er es bei der Heimpremiere gegen Bad Homburg – 19 Uhr, Hubtex-Arena – besser machen. Die Hoffnung lebt, dass nicht nur Dima punktet.
Die Spiele im Einzelnen
Werder Bremen – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 3:2
Kirill Gerassimenko – Fanbo Meng 3:0 (14:12, 11:4, 11:8)
Irvin Bertrand – Dimitrij Ovtcharov 0:3 (7:11, 2:11, 10:12)
Mattias Karlsson – Jonathan Groth 3:2 (11:3, 6:11, 12:10, 7:11, 11:3)
Kirill Gerassimenko – Dimitrij Ovtcharov 1:3 (5:11, 13:11, 3:11, 7:11)
Irvin Bertrand/Mattias Karlsson – Jonathan Groth/Andrei Istrate 3:1 (6:11, 11:6, 11:8, 11:5) +++ rl
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