
Bundeskanzler Friedrich Merz kommt in der öffentlichen Wahrnehmung nicht aus seinem Umfragetief heraus. Nach einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa sind weiterhin lediglich 13 Prozent der Bundesbürger mit seiner Arbeit zufrieden. Damit verharrt der Wert bereits die dritte Woche in Folge auf dem bisherigen Allzeittief. 85 Prozent der Befragten äußern dagegen ihre Unzufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers, wie RTL und ntv berichten, in deren Auftrag die Erhebung für das „Trendbarometer“ durchgeführt wurde.
Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass die Kritik nicht an der politischen Konkurrenz endet. Auch im eigenen politischen Lager fällt die Bilanz für Merz inzwischen mehrheitlich negativ aus. Unter den Anhängern von CDU und CSU erklären sich 45 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, während 54 Prozent unzufrieden sind. Der Kanzler kann sich damit selbst bei denjenigen, die den Parteien seines politischen Lagers nahestehen, nicht auf eine eindeutige Zustimmung stützen. Für die politische Stabilität einer Bundesregierung ist das ein Befund, der über die Momentaufnahme einer einzelnen Umfrage hinausweist.
Noch schwieriger fällt die Einschätzung beim Vertrauen in den Kanzler aus. Nur elf Prozent der Befragten glauben, dass Merz in den kommenden Monaten wieder deutlich an Vertrauen gewinnen wird. Damit liegt der Wert auf demselben Niveau wie im Mai. 85 Prozent erwarten hingegen keine solche Erholung. Auch hier zeigt sich, dass die gegenwärtige Unzufriedenheit nicht allein als kurzfristige Reaktion auf einzelne politische Entscheidungen verstanden werden kann. Sie scheint vielmehr mit einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber der weiteren Entwicklung der Kanzlerschaft verbunden zu sein.
Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU ist die Zuversicht begrenzt. Nur etwa ein Drittel dieser Gruppe rechnet mit einem deutlichen Vertrauensgewinn für Merz. 58 Prozent glauben dagegen nicht daran. Das ist insofern relevant, als politische Regierungen ihre Handlungsfähigkeit nicht allein aus parlamentarischen Mehrheiten beziehen, sondern auch aus der Erwartung, dass ihre Politik bei den eigenen Anhängern als überzeugend und zukunftsfähig wahrgenommen wird. Wenn diese Erwartung schwindet, wird politische Kommunikation schwieriger und jede weitere Entscheidung stärker auf ihre unmittelbare Wirkung geprüft.
Parallel zur persönlichen Bewertung des Kanzlers zeigt sich auch in der politischen Stimmung ein für die Union problematisches Bild. In der von Forsa gemessenen Wählergunst hat sich in der vierten Woche in Folge nichts verändert. Die AfD liegt aktuell bei 28 Prozent und damit sieben Prozentpunkte vor der Union, die auf 21 Prozent kommt. Dahinter folgen die Grünen mit 16 Prozent, SPD und Linke mit jeweils zwölf Prozent sowie die FDP mit vier Prozent.
Besonders auffällig ist der hohe Anteil derjenigen, die sich derzeit keiner Partei zuordnen oder nicht an einer Wahl teilnehmen würden. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt bei 28 Prozent. Damit ist er mehr als zehn Prozentpunkte höher als der Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2025, als 17,9 Prozent der Wahlberechtigten nicht zur Wahl gingen. Das Ergebnis zeigt zugleich, dass die derzeitigen Kräfteverhältnisse in den Umfragen nicht mit einer gefestigten politischen Bindung der Wähler gleichgesetzt werden können. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist offenbar weiterhin offen oder hat sich von den etablierten politischen Angeboten entfernt.
Im Osten Deutschlands fällt das Kräfteverhältnis noch deutlicher aus. Dort kommt die AfD auf 43 Prozent. Die Linke erreicht 16 Prozent und liegt damit vor CDU und CSU, die gemeinsam lediglich auf 13 Prozent kommen. Grüne und SPD erreichen jeweils neun Prozent, die FDP drei Prozent. Die Zahlen machen deutlich, dass sich die politische Landschaft in Ostdeutschland weiterhin erheblich von der im Bundesdurchschnitt unterscheidet. Für die Union ist insbesondere der geringe Wert von 13 Prozent von Bedeutung, weil er zeigt, wie schwer es ihr dort derzeit fällt, gegenüber der AfD und anderen politischen Kräften Boden zu gewinnen.
Auch bei der Frage, welcher Partei die Bürger am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen, bleibt die AfD vorn. Sie kommt unverändert auf 13 Prozent. Die Union verliert dagegen einen Prozentpunkt und erreicht elf Prozent. Damit fällt sie auf ihren schlechtesten Wert seit Oktober 2022. Die Grünen verbessern sich um einen Prozentpunkt auf acht Prozent. SPD und Linke liegen jeweils bei fünf Prozent.
Der vielleicht aussagekräftigste Wert dieser Frage steht allerdings nicht bei einer Partei. 56 Prozent der Befragten trauen keiner Partei zu, die Probleme in Deutschland am besten lösen zu können. Damit liegt die grundsätzliche Skepsis gegenüber dem politischen Angebot deutlich über der Zustimmung zu jeder einzelnen Partei. Das ist mehr als ein Hinweis auf ein schlechtes Umfrageergebnis für die Union oder eine gute Ausgangslage für die AfD. Es verweist auf ein tiefer liegendes Problem: Ein großer Teil der Bevölkerung sieht gegenwärtig keine politische Kraft, der er die Lösung der anstehenden Aufgaben überzeugend zutraut.
Die Zahlen lassen deshalb mehrere Deutungen zu. Die AfD profitiert derzeit von einer starken Position in der politischen Stimmung und führt sowohl bei der Sonntagsfrage als auch bei der Frage nach der Problemlösung. Zugleich bleibt der Anteil derjenigen, die keiner Partei eine entsprechende Kompetenz zuschreiben, mit 56 Prozent außergewöhnlich hoch. Ein Vorsprung in der Wählergunst bedeutet daher nicht automatisch eine stabile politische Zustimmung. Ebenso wenig lässt sich aus dem hohen Anteil der Unentschlossenen ableiten, dass die gegenwärtigen Kräfteverhältnisse dauerhaft festgeschrieben sind.
Für Friedrich Merz liegt die Herausforderung allerdings an einer anderen Stelle. Sein persönlicher Zustimmungswert bleibt unverändert niedrig, und selbst unter den Anhängern von CDU und CSU überwiegt inzwischen die Unzufriedenheit. Gleichzeitig glaubt eine deutliche Mehrheit der Befragten nicht daran, dass der Kanzler in absehbarer Zeit wieder deutlich an Vertrauen gewinnen wird. Die politische Aufgabe besteht damit nicht nur darin, einzelne Umfragewerte zu verbessern. Es geht um die Frage, ob die Bundesregierung ihre Politik so vermitteln und gestalten kann, dass daraus wieder Vertrauen entsteht.
Dass dies nicht allein eine Frage der Kommunikation ist, zeigen die übrigen Ergebnisse der Erhebung. Wenn mehr als die Hälfte der Befragten keiner Partei zutraut, die Probleme des Landes am besten zu lösen, reicht es nicht, lediglich auf die Stärke des politischen Gegners zu verweisen. Die Union muss sich ebenso wie die anderen Parteien daran messen lassen, ob sie Antworten auf die Erwartungen und Sorgen der Bevölkerung liefert. Der Abstand zwischen dem politischen Anspruch einer Regierung und der Wahrnehmung ihrer Arbeit wird zum Problem, wenn er über längere Zeit bestehen bleibt.
Für die Erhebung wurden 2.501 Personen im Zeitraum vom 18. bis 24. August befragt. Sie bildet damit eine Momentaufnahme der politischen Stimmung ab. Doch auch Momentaufnahmen können aufschlussreich sein, wenn sich bestimmte Entwicklungen über mehrere Erhebungen hinweg bestätigen. Bei Merz ist genau das der Fall: Sein Zustimmungswert verharrt auf dem Allzeittief, das Vertrauen bleibt schwach, und die Union verliert bei der Frage nach der Lösungskompetenz weiter an Boden.
Die eigentliche politische Frage lautet deshalb weniger, wie lange ein Kanzler ein solches Umfragetief aushalten kann. Entscheidend ist, ob es der Bundesregierung gelingt, aus politischem Handeln wieder erkennbare Zuversicht entstehen zu lassen. Denn 56 Prozent, die keiner Partei zutrauen, die Probleme des Landes zu lösen, sind nicht nur ein schlechtes Zeugnis für einzelne Parteien. Sie sind ein Warnsignal für das politische Vertrauen insgesamt. +++
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