Dass Maximilian Jäger in Osthessen und Unterfranken ein Vorzeigesportler ist, ist nicht neu. Das stellte er auch bei der Europameisterschaft in Maniago unter Beweis. Im 12.000 Einwohner zählenden Städtchen in der nordost-italienischen Region Friaul-Julisch Venetien am Fuße der Alpen gelang dem Para-Radsportler gleich doppelt der Sprung aufs Podium: Sowohl im Einzelzeitfahren als auch im Straßenrennen holte er die Bronzemedaille. Er wies vielen Sportlern mit Handicap wieder einmal den Weg und führte ihnen vor Augen, was im Wille, Trainingseifer und Disziplin möglich ist. Das Etikett „Vor- oder Leitbild“ darf man getrost verwenden.
Über 18,6 Kilometer führte die Strecke des Einzelzeitfahrens. Der Kurs ähnelte dem des vergangenen Jahres stark und war durch ein paar Linkskurven leicht angepasst. Maxi kam nach 31 Minuten und 21 Sekunden ins Ziel – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 Kilometern pro Stunde. Von Beginn an gab er alles, „das Rad lief perfekt“, meinte er, „auch wenn die Beine gebrannt haben“. Lohn der Mühen war der Gewinn der Bronzemedaille. Selten vermischten sich die Mühen und Qualen sowie die Freude über den Erfolg derart nachhaltig.
Auch das folgende Straßenrennen über 33 Kilometer hatte es in sich. „Die Taktik war klar“, sagte er sich: jede Attacke mitgehen, aufmerksam bleiben – und in den entscheidenden Kurven mit vorne sein. Von Beginn an riss er sich zusammen, war bei jedem Ausreißversuch seiner Konkurrenten dabei und auf der Höhe – und das Wichtigste: Maxi war konstant in der Spitzengruppe zu finden.
Bis die Entscheidung nahte. In der letzten Runde – einen Kilometer vor dem Ziel -, war er in der Linkskurve bestens positioniert. Jedoch setzten taktisches Vorgehen und der Kampf um die beste Ausgangslage ein – und das hieß aus Sicht des Bad Brückenauers: Ein tschechischer Konkurrent versperrte ihm in der abschließenden Rechtskurve den Weg. Mehr noch: beim Wiederantreten bekam er muskuläre Probleme, die Beine machten zu. Auch, weil er auf jede Attacke reagiert hatte. Zudem spürte er noch ein wenig die Belastung des Zeitfahrens vom Vortag. Egal: Auch hier kam Maximilian Jäger als Drittbester ins Ziel und sicherte sich zum zweiten Mal bei diesen Titelkämpfen die Bronzemedaille. Kein Wunder, dass er anschließend sagte: „Mit diesen beiden Platzierungen und Erfolgen bin ich sehr zufrieden.“
Wie anstrengend die Rennen verliefen, das spürte er im Anschluss. „Nach dem 20-minütigen Cool-Down wollte ich vom Rad steigen, doch dann schoss dieser Krampf in meine Beine.“ Sein Coach Frederik Hähnel und Team-Physio Jakob Wiens halfen ihrem Schützling vom Rad. In diesem Zusammenhang fand Maxi Jäger lobende Worte für seinen Staff. „Ein großes Dankeschön an das gesamte Team. Für den Support.“ Ausdrücklich nennt er auch Bundestrainer Gregor Lang, Assistenztrainer Marcel Berger sowie die Mechaniker Jochen Junglas und Thomas Stannecker. Fanden die beiden Wettkämpfe am vergangenen Wochenende statt, stand Montag früh die 13-stündige Rückfahrt nach Cottbus an. Bis es für den doppelten Bronzemedaillen-Gewinner wieder hieß: kurz regenerieren, Energie tanken – und ab auf die Straße.
Im nächsten Monat steht für Maximilian ein Trainingswettkampf – ein UCI C1-Rennen – im slowakischen Púchov an – genauer gesagt am 18. und 19. Juli.
Aber, wie gesagt: Sport ist auch dazu da, mit Erfahrungen und Konstellationen des Lebens bestens umzugehen. Alexander Zverev bewies es mit seiner Diabetes-Erkrankung mit dem Sieg bei den French Open in Paris – und Maximilan Jäger im Para-Radsport mit zwei dritten Plätzen im italienischen Maniago. +++ rl

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