
Die Mehrheit der Bundesbürger hat weiterhin das Gefühl, sich finanziell weniger leisten zu können als noch vor einigen Jahren. Das geht aus einer neuen Studie des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervor, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.
Demnach geben 59 Prozent der Befragten an, ihre Kaufkraft sei gesunken. Lediglich elf Prozent haben den Eindruck, dass sie sich heute mehr leisten können als früher. Die Befragung wurde noch vor Beginn des Iran-Kriegs durchgeführt.
Aus Sicht der Wissenschaftler ist dieses Ergebnis bemerkenswert, weil die inflationsbedingten Einkommensverluste im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt inzwischen durch Lohnerhöhungen, den gestiegenen Mindestlohn, höhere Renten und eine deutlich abgeschwächte Inflation wieder ausgeglichen worden seien. Das IMK spricht deshalb von einer erheblichen Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen und der tatsächlich gemessenen Entwicklung der verfügbaren Realeinkommen.
Als Ursache sehen die Ökonomen vor allem die deutlichen Preissteigerungen bei Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs seit dem Jahr 2020. Besonders stark verteuert hätten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unter anderem Öl und Gas zum Heizen, Lebensmittel, Getränke, Tabakwaren sowie Besuche in Gaststätten und Restaurants. In diesen Bereichen seien die Preise um 33 bis 47 Prozent gestiegen. Dagegen hätten sich andere Ausgaben wie Bekleidung und Schuhe, Wohnen und Wohnungsinstandhaltung sowie Freizeit, Unterhaltung und Kultur deutlich moderater entwickelt.
Nach Einschätzung der Forscher führt diese unterschiedliche Preisentwicklung dazu, dass viele Menschen ihre persönliche wirtschaftliche Lage negativer bewerten, als es die Entwicklung ihrer real verfügbaren Einkommen vermuten lässt.
Die Studie sieht darin auch wirtschaftliche und politische Folgen. Das verbreitete Gefühl eines Kaufkraftverlustes führe dazu, dass viele Menschen ihren Konsum einschränken, was die wirtschaftliche Entwicklung belaste. Gleichzeitig wachse die Unzufriedenheit mit der Politik. Unter den Befragten, die von einer gesunkenen Kaufkraft ausgehen, äußerten sich nahezu 80 Prozent unzufrieden mit der Arbeit der Koalition aus CDU, CSU und SPD. 35 Prozent erklärten zudem, überhaupt kein Vertrauen mehr in die Bundesregierung zu haben. +++

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