Hitzewelle: Umfrage zeigt, dass mehr als 60 Prozent der Deutschen zu wenig trinken

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Die anhaltenden Hitzerekorde rücken das Thema Flüssigkeitszufuhr erneut in den Fokus. Nachdem Berichten vom 8. Juli zufolge während der Hitzewelle im Juni in Deutschland rund 5.500 zusätzliche Todesfälle verzeichnet wurden, warnen Mediziner vor den Risiken einer unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme. Eine neue Umfrage der Online-Arztpraxis ZAVA kommt zu dem Ergebnis, dass 61,38 Prozent der Menschen in Deutschland ihren täglichen Flüssigkeitsbedarf nicht decken. Angesichts der für Juli angekündigten nächsten Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius sehen die Experten darin einen Anlass, besonders über die Gefahren einer Dehydrierung aufzuklären. Betroffen sind demnach nicht nur ältere Menschen, sondern verschiedene Bevölkerungsgruppen.

Für die Auswertung wurde der individuelle Flüssigkeitsbedarf jedes Teilnehmers anhand von Angaben zum Trinkverhalten sowie persönlicher Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, Alter und körperlicher Aktivität berechnet und mit der tatsächlichen Flüssigkeitsaufnahme verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass deutschlandweit lediglich 38,63 Prozent der Befragten ihren errechneten Bedarf erreichen oder überschreiten. 21,56 Prozent gaben an, täglich sogar mehr als einen Liter weniger zu trinken, als sie benötigen. Weitere 17,86 Prozent lagen zwischen einem halben und einem Liter unter ihrem Bedarf, während 21,96 Prozent bis zu einem halben Liter zu wenig Flüssigkeit aufnahmen. Demgegenüber deckten 16,97 Prozent ihren Bedarf oder überschritten ihn um bis zu einem halben Liter. Weitere 21,66 Prozent tranken nach eigenen Angaben mehr als einen halben Liter über ihrem individuellen Bedarf.

Auch zwischen den Bundesländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Hessen belegt mit einem Anteil von lediglich 31,5 Prozent ausreichend trinkender Teilnehmer Rang 14 von 16. Im Durchschnitt nehmen die Befragten dort täglich 2,55 Liter Flüssigkeit zu sich, obwohl ihr berechneter Bedarf bei 2,72 Litern liegt. Daraus ergibt sich ein durchschnittliches Defizit von 0,17 Litern pro Tag. Gleichzeitig werden in Hessen im Durchschnitt 264 Kilokalorien täglich über Getränke aufgenommen.

An der Spitze des Ländervergleichs liegen Schleswig-Holstein und Hamburg. Dort erreichen jeweils 50 Prozent der Befragten ihren individuellen Flüssigkeitsbedarf. Am Ende der Rangliste steht Baden-Württemberg. Dort decken lediglich 29,1 Prozent ihren täglichen Bedarf. Gleichzeitig weist das Bundesland mit durchschnittlich minus 0,38 Litern das größte Flüssigkeitsdefizit aller Länder auf.

Die Umfrage zeigt außerdem Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen erreichen ihren berechneten Flüssigkeitsbedarf seltener als Männer. Während Männer im Durchschnitt lediglich 0,06 Liter unter ihrem Bedarf liegen, beträgt das Defizit bei Frauen 0,2 Liter. Nur 36,5 Prozent der Frauen geben eine ausreichende tägliche Flüssigkeitsaufnahme an. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 40,7 Prozent. Zugleich nehmen Männer mit durchschnittlich 338 Kilokalorien deutlich mehr überschüssige Kalorien über Getränke auf als Frauen mit durchschnittlich 226 Kilokalorien.

Nach Altersgruppen fällt auf, dass jüngere Erwachsene ihren Flüssigkeitsbedarf häufiger decken als ältere Teilnehmer. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen nimmt im Durchschnitt 3,43 Liter Flüssigkeit auf und liegt damit 0,46 Liter über dem errechneten Bedarf. Bei den 25- bis 34-Jährigen beträgt der Überschuss 0,41 Liter. In den Altersgruppen zwischen 35 und 54 Jahren ergibt sich dagegen jeweils ein durchschnittliches Defizit von 0,09 Litern. Am größten ist die Lücke bei den 55- bis 64-Jährigen. Sie trinken durchschnittlich 2,03 Liter und liegen damit 0,44 Liter unter ihrem errechneten Bedarf. Gleichzeitig nehmen die jüngeren Altersgruppen deutlich mehr Kalorien über Getränke auf. Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es durchschnittlich 628 Kilokalorien pro Tag, während die 55- bis 64-Jährigen auf rund 152 Kilokalorien kommen.

Auch die körperliche Aktivität beeinflusst das Ergebnis. Teilnehmer, die sich täglich bewegen, weisen mit einem durchschnittlichen Bedarf von 3,61 Litern den höchsten Flüssigkeitsbedarf auf. Tatsächlich trinken sie im Durchschnitt 2,97 Liter und liegen damit 0,65 Liter unter ihrem Bedarf. Nur 25,6 Prozent dieser Gruppe erreichen ihren individuellen Flüssigkeitsbedarf. Gleichzeitig entfällt auf sie mit durchschnittlich 419 Kilokalorien auch der höchste Wert an überschüssigen Kalorien aus Getränken. Teilnehmer mit seltener körperlicher Aktivität erreichen ihren berechneten Bedarf dagegen deutlich häufiger.

Dr. med. Ulrike Thieme, Medizinische Leiterin bei ZAVA, bewertet die Ergebnisse mit Sorge. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr sei nicht nur kurzfristig für Konzentration und Leistungsfähigkeit wichtig, sondern könne langfristig auch bei Beschwerden wie Bluthochdruck, Übergewicht, Kopfschmerzen, Nierensteinen oder Harnwegsinfektionen eine Rolle spielen. Besonders Frauen seien aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre anfälliger für Blasenentzündungen. Eine gute Flüssigkeitsversorgung könne dazu beitragen, das Risiko wiederkehrender Harnwegsinfektionen in bestimmten Altersgruppen um bis zu 50 Prozent zu senken, da die Blase regelmäßig durchgespült werde und Bakterien schneller ausgeschwemmt werden könnten. +++


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