Gasknappheit im Winter? 44 Prozent der Deutschen fürchten Engpässe bei Haushalten und Unternehmen

Gasknappheit im Winter? 44 Prozent der Deutschen fürchten Engpässe bei Haushalten und Unternehmen

Die Sorge vor einer möglichen Gasknappheit im kommenden Winter ist in Deutschland deutlich verbreitet. 44 Prozent der Deutschen befürchten, dass es bei der Versorgung von Haushalten und Unternehmen mit Gas zu Problemen kommen könnte. Das geht aus einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ und von RTL hervor. 53 Prozent der Befragten sehen dagegen keine Gefahr von Versorgungsengpässen. Sieben Prozent machten keine Angaben.

Die Zahlen fallen in eine Situation, in der die deutschen Gasspeicher derzeit etwa zur Hälfte gefüllt sind. Damit liegt der Füllstand niedriger als in den vergangenen Jahren zum Ende des Sommers. Die Entwicklung der vergangenen Monate sorgt deshalb nicht nur auf den Energiemärkten für Aufmerksamkeit, sondern offenbar auch in der Bevölkerung für wachsende Unsicherheit.

Auffällig sind die regionalen und politischen Unterschiede bei der Einschätzung. Befragte in Ostdeutschland rechnen häufiger mit Problemen bei der Gasversorgung als Westdeutsche. Zugleich unterscheiden sich die Erwartungen je nach politischer Präferenz erheblich. Die Anhänger von Union, SPD und Grünen erwarten mehrheitlich keine Versorgungsengpässe im kommenden Winter. Bei den Anhängern der AfD ist das Bild umgekehrt: Eine deutliche Mehrheit befürchtet Probleme bei der Gasversorgung. Die Anhänger der Linken sind in dieser Frage gespalten.

Damit zeigt die Umfrage nicht nur eine allgemeine Sorge um die Energieversorgung, sondern auch unterschiedliche Wahrnehmungen des Risikos. Während ein Teil der Bevölkerung die Lage offenbar als beherrschbar einschätzt, wächst bei anderen die Befürchtung, dass die vergleichsweise niedrigen Speicherstände zum Problem werden könnten. Entscheidend wird dabei weniger die Momentaufnahme als die Entwicklung bis zum Beginn der Heizperiode sein.

Das liegt auch an der besonderen Funktionsweise des europäischen Gasmarktes. Üblicherweise kaufen Händler während der Sommermonate Gas zu günstigeren Preisen ein, lagern es ein und verkaufen es im Winter wieder, wenn die Nachfrage steigt und die Preise entsprechend höher liegen. In den vergangenen Monaten wurde allerdings weniger Gas eingelagert als in den Vorjahren. Ein Grund dafür war der gestiegene Gaspreis infolge des Irankrieges.

Die Speicherstände sind deshalb nicht allein eine Frage der vorhandenen Gasmenge, sondern auch eine Frage des richtigen Zeitpunkts und der wirtschaftlichen Bedingungen. Je höher die Preise, desto schwieriger kann es für Händler sein, Gas in großem Umfang für die kommende Heizsaison einzukaufen. Gleichzeitig wächst der Druck, rechtzeitig ausreichende Reserven aufzubauen.

Theoretisch müssen die Gasspeicher bis zum 1. November auf bis zu 80 Prozent gefüllt sein. Diese gesetzlichen Vorgaben wurden nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und den damaligen Engpässen bei der Gasversorgung eingeführt. Sie sollen sicherstellen, dass für die kalte Jahreszeit ausreichende Mengen zur Verfügung stehen.

Die 80-Prozent-Marke ist dabei keine zufällig gewählte Zahl. Sie beruht auf Hochrechnungen darüber, wie viel Gas bei einem vergleichsweise kalten Winter benötigt werden könnte. Das bedeutet zugleich: Ein bestimmter Speicherstand lässt sich nicht unabhängig von der tatsächlichen Witterung und dem Verbrauch bewerten. Ein milder Winter kann die Nachfrage deutlich reduzieren, während längere Kälteperioden den Gasverbrauch erheblich erhöhen können.

Die aktuelle Umfrage macht damit vor allem eines sichtbar: Die Erinnerung an die Energiekrise ist noch präsent. Obwohl Deutschland die akuten Versorgungsengpässe der vergangenen Jahre überwunden hat, ist das Vertrauen in eine jederzeit gesicherte Energieversorgung nicht selbstverständlich. Dass 44 Prozent der Befragten einen möglichen Engpass im kommenden Winter fürchten, zeigt, wie sensibel die Bevölkerung weiterhin auf niedrige Speicherstände und steigende Energiepreise reagiert.

Ob aus der gegenwärtigen Sorge tatsächlich ein Versorgungsproblem wird, lässt sich aus den aktuellen Speicherständen allein nicht ableiten. Die entscheidenden Faktoren werden die weitere Befüllung der Speicher, die Entwicklung der Gaspreise, die internationale Versorgungslage und letztlich der Verlauf des Winters sein. Fest steht jedoch: Je näher die Heizperiode rückt, desto stärker wird sich der Blick auf die Frage richten, ob Deutschland seine gesetzlich vorgesehenen Speicherziele erreicht.


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