Fuldaer Team holt zweiten Platz bei Innovationswettbewerb der Ernährungsindustrie

Anne Anton und Annabelle Lauterbach, die wegen ihres Auslandssemesters zur Preisverleihung nur mobil zugeschaltet werden konnte, präsentieren gemeinsam mit Professor Dr. Philipp Seibert ihre Snack-Neuentwicklung. Foto: Michaela Wohlleber

Mit einer koffein-, protein- und gemüsehaltigen Snack-Neuentwicklung, die Nebenprodukte aus der Getränkeherstellung verwertet, haben zwei angehende Lebensmitteltechnologinnen aus Fulda einen großen Erfolg erzielt: Anne Anton und Annabelle Lauterbach, beide 21 Jahre alt, belegten beim Innovationswettbewerb Trophelia Deutschland 2026 den zweiten Platz.

Trophelia gilt als einer der renommiertesten deutschen Wettbewerbe für Lebensmittelinnovationen aus Hochschulen und wird vom FEI, dem Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V., ausgeschrieben. Gesucht werden die besten Ideen für innovative Lebensmittelprodukte, die nicht nur unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten überzeugen, sondern auch aus ökologischer Sicht.

Ökologischer Mehrwert

Das Produkt des Fuldaer Teams nennt sich „Snicks“ – eine Wortkombination aus „Snack“ und „Sticks“. Die Rezeptur basiert auf Sojamehl, Gluten und Möhren. Wer eine Portion verzehrt – das entspricht einer Packung mit sieben Sticks – nimmt ungefähr eine Bio-Möhre samt Möhrengrün und weiteres Gemüse wie Zwiebeln und Lauch zu sich. Pro Portion sind das zwei Hände voll Gemüse. Eine Packung deckt zwei von fünf Gemüseportionen ab, die als Tagesportion von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen werden.

Ökologisch besonders wertvoll wird das Produkt durch Verwendung von Guayusa-Trester, einem koffeinhaltigen, pflanzlichen Nebenprodukt, das bei der Getränkeherstellung anfällt und üblicherweise entsorgt wird. Der Trester enthält nach der Extraktion noch so viel Koffein, dass sich in einem zweiten Extraktionsschritt eine koffeinhaltige Lösung herstellen lässt, die in die Sticks integriert wird. So wird der Lebenszyklus des Teeblatts verlängert.

Nährstoffreiche Zwischenmahlzeit

Gedacht ist „Snicks“ als Zwischenmahlzeit für ernährungsbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher. Der Snack kommt ohne zugesetzten Zucker aus und soll viel pflanzliches Protein und Ballaststoffe liefern. Als Alternative zu stark gesüßten Energy-Drinks oder der üblichen Tasse Kaffee soll er einen sanften Energieschub liefern, ohne nervös zu machen.

Zutaten aus der Region

Bei der Herstellung des Produkts setzten die Studentinnen auf möglichst regional produzierte Zutaten. Ein regionaler Bio-Getränkehersteller stellte den Guayusa-Trester zur Verfügung. Die Bio-Möhren für den Prototypen kamen zwar aus dem Supermarkt, könnten aber auch von einem regionalen Produzenten geliefert werden. „Uns ist nicht nur wichtig, ein pflanzliches Produkt zu entwickeln. Wir wollen auch die Region stärken und regionale Rohstoffe und Wertschöpfungsketten nutzen“, betonen die beiden Preisträgerinnen.

Bis zur Marktreife gedacht

Entstanden ist „Snicks“ im Studienmodul „Neue Produkte für die Zukunft“ im Fachbereich Lebensmitteltechnologie. Die Aufgabe für die Studierenden lautete, ein neuartiges, nachhaltiges und zugleich vermarktbares Lebensmittel zu entwickeln. „Es kommt nicht nur auf den Innovationsgrad an, sondern auch darauf, dass das Produkt tatsächlich umsetzbar ist“, sagt Professor Dr. Philipp Seibert, der die Entwicklung begleitete. Deshalb gehörten auch Schritte wie das Erstellen einer Marktanalyse, einer Vermarktungsstrategie und eines Verpackungsdesign dazu.

Es war die erste Wettbewerbsteilnahme von Studierenden der Fuldaer Lebensmitteltechnologie seit Seibert im Jahr 2022 die Professur für Technologie pflanzlicher Lebensmittel übernommen hat. „Dass es direkt Platz zwei geworden ist, ist eine tolle Bestätigung für die Innovationskraft, die wir mit den Studierenden hier in der Region haben“, betont er.

An der Haltbarkeit des Produkts muss noch gearbeitet werden. Als Frischeprodukt dagegen wäre „Snicks“ bereits jetzt denkbar. Allerdings ist das Team auf Praxispartner angewiesen, um die Innovation tatsächlich auf den Markt zu bringen. „Als Hochschule können wir nicht selbst als Produzenten auftreten. Wir liefern Ideen, die wir nur gemeinsam mit Lebensmittelherstellern umsetzen können“, erklärt Professor Seibert. Die Rezeptur jedenfalls bietet genügend Potenzial auch für weitere Produktvarianten, die in Zukunft hergestellt werden könnten. +++ pm


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*