Spielen und dabei so viel Spaß haben, dass der pädagogische Hintergrund nicht auffällt: Mit dieser Idee hat Diego Lenero aus dem Fachbereich Angewandte Informatik die Jury im Ideenwettbewerb der Hochschule Fulda überzeugt. Mit seinem Lernspiel, das auf intuitives Erfassen komplexer Zusammenhänge setzt, sicherte er sich den mit 1.000 Euro dotierten ersten Preis.
Der Preisträger will mit seinem Unternehmen „Magigam“ reale wissenschaftliche, philosophische und gesellschaftliche Systeme in Spielregeln übersetzen. Die Spielenden probieren aus, treffen Entscheidungen und erleben unmittelbar die Konsequenzen. So sollen Zusammenhänge verständlich werden, ohne Erklärtexte zu lesen oder Quizfragen zu beantworten. Lernen passiert nebenbei durch Erleben von Ursache und Wirkung.
Diego Lenero ordnet seine Idee in den gesellschaftlichen Kontext ein: Jugendliche würden in einer reizüberfüllten Medienumgebung aufwachsen, während die Herausforderungen immer komplexer würden. Klassische Vermittlungsformen könnten mit perfekt optimierten Unterhaltungsmedien nicht mehr mithalten. Das sieht er als gesellschaftliches Risiko: „Wer komplexe Systeme nicht intuitiv versteht, ist anfällig für Vereinfachung, Desinformation und Manipulation“, sagt er.
Sein erstes Produkt „F.R.O.G.S“ setzt Mechanismen um, die an Biologie und Evolution angelehnt sind. Die Spielenden müssen über Generationen überleben und erfahren so, wie Evolution, natürliche Selektion und ökologische Zusammenhänge funktionieren. F.R.O.G.S ist als Testversion konzipiert, um zunächst zu prüfen, wie gut das sogenannte „Magigam Prinzip“ funktioniert. Erst dann soll das System auf weitere Themen wie Physik, Ethik, Macht und Verantwortung oder soziale Gerechtigkeit ausgeweitet werden. Erste Tests mit Spielenden zeigten hohe Motivation, starkes Wiederspielverhalten und erkennbares Systemverständnis. Eine begleitende, wissenschaftliche Studie untersucht nun, ob das Spiel bei Zwölfjährigen ein messbares Evolutionsverständnis erzeugt.
Hochkalorisches Konfekt für die klinischen Versorgung
Den mit 750 Euro dotierten Platz zwei belegte Mirjam Hunger, Bachelorabsolventin aus dem Fachbereich Oecotrophologie. Sie möchte mit „NutriMelt“ Patientinnen und Patienten mit Mangelernährung oder Schluckstörungen ein Produkt mit sehr hoher Energiedichte anbieten. Das hochkalorische „Eiskonfekt“ mit schokoladigem Überzug soll insbesondere ältere und multimorbide Menschen ansprechen und zu höherer Akzeptanz führen als herkömmliche Trinknahrung.
NutriMelt vereint medizinischen und psychosozialen Nutzen: Es steigert Energie- und Nährstoffaufnahme, beugt Mangelversorgung vor, unterstützt Wundheilung und Mobilität und bietet zugleich einen genussvollen Moment. Die Zielgruppe sieht die Ideengeberin unter anderem in jährlich zwei bis drei Millionen mangelernährten Krankenhauspatientinnen und -patienten sowie in Menschen, die in Pflegeheimen und Rehaeinrichtungen leben.
Elektrolytangereichertes Weinmischgetränk für Gesundheitsbewusste
Der dritte Preis, für den es 500 Euro gab, ging an einen Masterstudenten des Fachbereichs Gesundheitswissenschaften für die Idee „RevivaVino“. Enis Ciftci richtet sein Produkt an gesundheitsbewusste Erwachsene, die Wein schätzen, aber die typischen Begleiterscheinungen des Alkoholkonsums durch Wasser- und Elektrolytverlust reduzieren möchten. Durch eine gezielt abgestimmte Mischung aus Wein, Wasser, Zitronenlimonade und Mineralstoffen unterstützt RevivaVino die Flüssigkeitsbalance während des Trinkens und schafft so ein bekömmlicheres Genusserlebnis.
Insgesamt sechs Teams präsentierten ihre Ideen bei der Preisverleihung im Hochschulzentrum Fulda Transfer. Das Publikum konnte wie immer per Live-Abstimmung einen eigenen Preis vergeben. Noch einmal durfte sich Mirjam Hunger freuen. Für „NutriMelt“ erhielt sie einen Gutschein für einen Rundflug über die Wasserkuppe.
Den Ideenwettbewerb richtet die Hochschule Fulda einmal pro Jahr aus. Damit will sie Studierende anregen, über Gründungen nachzudenken. Die eingereichten Projektskizzen müssen neben der Produktidee auch deren Nutzen überzeugend darstellen und erste Ansätze für Marketing und Vertrieb liefern. Im Rahmen der Preisverleihung berichtete auch das junge Unternehmen Foxira von seinem EXIST-Förderjahr an der Hochschule. +++ pm

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