40. Kissinger Sommer startet mit Jubiläumsprogramm „Mazel Tov“

Mit einem umfangreichen Programm und einem besonderen Jubiläumsmotto startet am 11. Juni der 40. Kissinger Sommer. Das Internationale Musikfestival in der unterfränkischen Welterbestadt Bad Kissingen steht in diesem Jahr unter dem Titel „Mazel Tov“ und bietet bis zum 18. Juli mehr als 80 Veranstaltungen. Die Jubiläumsausgabe wurde um eine Woche verlängert und ist das fünfte Festival, das unter der künstlerischen Leitung von Intendant Alexander Steinbeis gestaltet wurde.

Der hebräische und jiddische Ausdruck „Mazel Tov“, der so viel wie „Glückwunsch“ bedeutet, steht dabei nicht nur als Gratulation zum 40-jährigen Bestehen des Festivals. Zugleich richtet sich der Blick auf die jüdische Geschichte und Kultur Bad Kissingens und Europas. Bis zur Deportation der letzten in der Stadt lebenden Juden durch die Nationalsozialisten im Jahr 1942 war Bad Kissingen Heimat einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Bayerns. Darüber hinaus zog die Kurstadt zahlreiche jüdische Gäste aus ganz Europa an.

Musikalisch greift das Festival diese Thematik in vielfältiger Weise auf. Auf dem Programm stehen Werke mit jüdischen Bezügen oder von Komponisten jüdischer Herkunft. Vertreten sind unter anderem Ernest Bloch, Hanns Eisler, George Gershwin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Fanny Hensel, Kurt Weill und Mieczysław Weinberg. Auch Operettenkomponisten wie Paul Abraham sowie Kabarettgrößen wie Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender und Mischa Spoliansky finden Berücksichtigung. Ergänzt wird das Angebot durch mehrere Programme mit Klezmermusik und jiddischen Evergreens.

Das Jubiläumsprogramm umfasst die gesamte Bandbreite musikalischer Formate – von Kammermusik und Oper über Konzertgalas bis hin zu Kleinkunstveranstaltungen. Austragungsorte sind die historischen Konzertsäle der Kurstadt.

Zu den Höhepunkten zählen zahlreiche Gastspiele renommierter Orchester. Das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer eröffnet den Konzertsommer mit zwei Auftritten. Ebenfalls jeweils zweimal zu hören sind das BBC Symphony Orchestra unter Sakari Oramo sowie die Tschechische Philharmonie unter Dalia Stasevska. Aus Berlin reisen das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano, das Konzerthausorchester Berlin unter Joana Mallwitz sowie die Berliner Barock Solisten an. Weitere Gäste sind die Bamberger Symphoniker unter Jakub Hrůša, das hr-Sinfonieorchester unter Alain Altinoglu, das WDR Sinfonieorchester unter Cristian Măcelaru, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter David Danzmayr und die Camerata Salzburg. Aus München kommen das Jewish Chamber Orchestra Munich unter Daniel Grossmann und das Münchner Rundfunkorchester unter Mihhail Gerts.

Begleitet werden die Orchester von zahlreichen international renommierten Solistinnen und Solisten. Am Klavier treten unter anderem Rudolf Buchbinder, Mao Fujita, Elisabeth Leonskaja, Lukas Sternath, Jean-Yves Thibaudet und der Gewinner des KlavierOlymps 2025, Alon Kariv, auf. Zu den Violinistinnen und Violinisten gehören Lisa Batiashvili, Isabelle Faust, Anne-Sophie Mutter, Julia Fischer, Josef Špaček und Christian Tetzlaff. Außerdem sind die Cellisten Kian Soltani und Daniel Müller-Schott zu erleben.

Ein besonderer Höhepunkt ist das Jubiläumskonzert „40 Jahre Kissinger Sommer“. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir Simon Rattle wird gemeinsam mit seinem Chor sowie mehr als 500 Sängerinnen und Sängern aus zwölf bayerischen Laienchören Carl Orffs monumentale „Carmina Burana“ aufführen. Veranstaltungsort ist die Open-Air-Kulisse des frisch sanierten Turniergebäudes.

Zum Abschluss des Festivals kehrt die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli mit einem eigenen „Festival im Festival“ nach Bad Kissingen zurück. Gemeinsam mit dem Pianisten David Fray präsentiert sie Lieder und Arien. Hinzu kommen Konzertarien mit dem Ensemble Les Musiciens du Prince – Monaco unter Gianluca Capuano sowie eine halbszenische Aufführung von Christoph Willibald Glucks Oper „Orfeo ed Euridice“.

Auch die Kammermusik nimmt einen breiten Raum im Programm ein. In Klavier-Rezitalen sind unter anderem Piotr Anderszewski, Igor Levit, Alexander Malofeev, Grigory Sokolov sowie die KlavierOlympioniken Elia Cecino und Dmitry Yudin zu hören. Lisa Batiashvili musiziert gemeinsam mit der Pianistin Nino Gvetadze und dem Schumann Quartett. Weitere Programme gestalten Julia Fischer und Yulianna Avdeeva, Augustin Hadelich und Seong-Jin Cho, Timothy Ridout und Frank Dupree sowie Marie-Elisabeth Hecker und Martin Helmchen. Das Quatuor Modigliani präsentiert gemeinsam mit Roman Borisov Streichquartette, während Guido Sant’Anna und Plínio Fernandes zu einer spanisch-südamerikanischen Klangreise einladen. Mandolinist Avi Avital bringt mit seinem Between Worlds Ensemble und Sängerin Alessia Tondo italienische Klänge nach Bad Kissingen.

Im Bereich Vokalmusik reicht das Spektrum von Kunstlied und Oper bis zu geistlichen Konzerten. Bariton Benjamin Appl und Akkordeonist Martynas Levickis widmen sich amerikanischer Musik. Die Mezzosopranistin Shachar Lavi interpretiert jüdische Orchesterlieder. Die Solopartien in der „Carmina Burana“ übernehmen Nikola Hillebrand, Sunnyboy Dladla und John Brancy. Vera-Lotte Boecker und Daniel Behle gestalten die Opern- und Operettengala. Das Berliner Kollektiv tutti d’amore setzt sich mit der Operette auseinander, während die traditionelle „Kissinger LiederWerkstatt“ bekannte Kunstlieder neuen Auftragswerken gegenüberstellt. Zwei Konzertgottesdienste mit regionalen Ensembles ergänzen das Angebot.

Auch Cabaret, Chanson und Revue sind Teil des Jubiläumsprogramms. Katharine Mehrling, Paul Herwig und das Berliner Ensemble präsentieren den Brecht-Liederabend „Fremder als der Mond“ mit Musik von Hanns Eisler und Paul Dessau. Katharine Mehrling und Tilmar Kuhn erinnern an den UFA-Komponisten Werner Richard Heymann. Dagmar Manzel bringt Chansons der 1920er Jahre auf die Bühne, während Sharon Brauner und ihre Band The Toy Goys jiddische Evergreens präsentieren. Meret Becker widmet sich gemeinsam mit ihrem Trio der elsässisch-jüdischen Chansonsängerin Barbara. Mit einem neuen Programm kehrt zudem die „Vaudeville-Varieté-Burlesque-Revue“ von Sheila Wolf ins Kurtheater zurück.

Darüber hinaus bietet der Kissinger Sommer Klezmer, Jazz, Elektronik und weitere musikalische Grenzgänge. David Orlowsky und die CHAARTS Chamber Artists sowie Gilad Harel und Iliya Magalnyk präsentieren Klezmermusik. Simon Höfele und Kaan Bulak verbinden Trompete und Elektronik. Die Jazzrausch Bigband sorgt für Jazzklänge, während das Festival mit „Houseverbot Rave@Kurtheater“ und europäischen Techno-DJs bis in die frühen Morgenstunden ausklingt.

Begleitend zum musikalischen Programm stehen zahlreiche Gesprächs- und Bildungsangebote auf dem Plan. Ein Symposium unter dem Titel „Bad Kissingen als Resonanzraum – Jüdische Kultur im Spiegel der Gegenwart“ widmet sich am Eröffnungswochenende dem Festivalschwerpunkt. Die Stadtführung „Auf jüdischen Spuren durch Bad Kissingen“ findet an jedem Festivalsamstag statt. Waltraud Meier liest Texte von Else Lasker-Schüler und Gad Kaynar-Kissinger. Im Museum Obere Saline zeichnet die Ausstellung „40 Jahre Kissinger Sommer“ die Geschichte des Festivals anhand seiner grafischen Gestaltung nach. Das „Quartett der Kritiker“ diskutiert Einspielungen von Johannes Brahms’ Zweitem Klavierkonzert.

Zum Rahmenprogramm gehören außerdem zwölf kostenfreie Prélude-Konzerte auf öffentlichen Plätzen der Stadt. Mitglieder der gastierenden Orchester und Ensembles aus Bad Kissingen gestalten die Open-Air-Veranstaltungen an den Wochenenden jeweils um 18 Uhr. Der fünfte „Symphonic Mob“ lädt Amateurmusikerinnen und Amateurmusiker zum gemeinsamen Musizieren mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Mihhail Gerts ein. Die Puppenphilharmonie Berlin bietet erneut ein Kinderkonzert an. Konzerteinführungen finden jeden Freitagnachmittag im Grünen Saal statt. Samstags lädt Intendant Alexander Steinbeis bei „Auf einen Kaffee mit …“ zum Künstlergespräch. Die After-Concert-Lounge im Schmuckhof des Regentenbaus bietet freitags Gelegenheit zum Ausklang bei Frankenwein. Für die meisten Veranstaltungen sind noch Karten erhältlich. Zudem werden Wochenendpakete mit Preisvorteilen angeboten.

Fortgesetzt wird auch das Musikvermittlungsprojekt „Gesund mit Musik“, das 2026 bereits in seine fünfte Runde geht. Ziel ist es, Menschen, die Konzerte nicht oder nicht mehr persönlich besuchen können, digitale Zugänge zu den Aufführungen zu ermöglichen. Vier Konzerte mit international renommierten Orchestern werden als Livestream in Einrichtungen des Gesundheitssektors übertragen und dort durch ein Rahmenprogramm ergänzt. Gezeigt werden die Auftritte des Budapest Festival Orchestra mit Elisabeth Leonskaja am 12. Juni und mit Julia Fischer am 13. Juni, das Konzert der Bamberger Symphoniker mit Lukas Sternath am 9. Juli sowie das Gastspiel des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin mit Mao Fujita am 10. Juli. Darüber hinaus werden die Konzerte auf der Internetseite des Festivals und über YouTube live übertragen und anschließend als Video-on-Demand bereitgestellt. +++


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