
Wer die Räume der neu sanierten Tourist Information in Fulda betritt, kann nicht nur Stadtführungen und Hotelübernachtungen buchen oder Souvenirs kaufen – er wird zugleich auch Teil eines Kunstwerkes von Prof. Franz Erhard Walter. Der renommierte Künstler hat das Wortkunstwerk „Orte Zeit Raum“ eigens für das Erdgeschoss des Palais Buttlar geschaffen, in dem zukünftig Gäste aus ganz Deutschland und der Welt in Fulda begrüßt werden. Das raumbezogene Werk besteht aus dreizehn Buchstabenformen, die an sorgsam ausgewählten Stellen in der Tourist Information hängen. Der Betrachter kann sie beliebig aufeinander beziehen und schafft so immer wieder neue Lese-Form-Gefüge. Die Formen bestehen aus glänzendem Metall und sind so an der Wand befestigt, dass sie davor zu schweben scheinen.
Zwar war Corona-bedingt eine große Präsentation des Kunstwerkes nicht möglich, doch gab es zumindest eine kleine Feierstunde, in der der Künstler selber sein Kunstwerk erläuterte. Mit Blick auf die drei Begriffe des Werks „Orte Zeit Raum“ sprach Walther von „Grundbefindlichkeiten unserer Existenz“. Die Schrift, die in ihrer reduzierten, von der Architektur inspirierten Typografie bewusst ohne Diagonalen auskommt und deshalb Doppeldeutigkeiten – beispielsweise zwischen A und R – mit sich bringt, hat Walther bereits 1958 an der Werkkunstschule Offenbach entwickelt und seither immer wieder in unterschiedlicher Weise aufgegriffen. Im konkreten Fall sei es zwingend gewesen, die Buchstaben plastisch zu gestalten, „denn sonst kann kein Dialog mit der Architektur des Gebäudes entstehen“, sagte der Biennale-Preisträger von 2017. Sein besonderer Dank galt in diesem Zusammenhang dem Architekten Stephan Koch, der den kompletten Umbau und die Erweiterung der Tourist-Information im historischen Palais Buttlar geplant und begleitet hat, sowie der Metallbaufirma Vogel aus Fulda-Kämmerzell, deren Team viel Know-how und Herzblut investiert hatte in die Herstellung der Metallelemente sowie in die hochpolierten Oberflächen, die fast wie Spiegel wirken.
Dominik Höhl, neuer Leiter der Tourist Information, schätzt die Kombination von Kunsterlebnis und Alltagsnutzung in den neuen Räumlichkeiten: „Hier werden jeden Tag Hunderte von Besucherinnen und Besuchern sein und moderne Kunst unmittelbar erleben dürfen.“ Seine Vorgängerin Elisabeth Schrimpf, Leiterin der Tourist-Information bis Ende 2021, hat gemeinsam mit dem Künstler auch einen neuen Rundgang zusammengestellt, der Interessierte zu acht Kunststationen mit Walther-Werken in Fulda führt, beginnend in der neuen Tourist Information. Der begleitende Flyer enthält einen Plan und Informationen zu den einzelnen Kunstwerken. Im Aufenthaltsbereich haben Interessierte die Möglichkeit, sich mit der partizipativen Kunst von Franz Erhard Walther auseinanderzusetzen. Hier wird auch die Entstehung des Wortkunstwerkes mit einem Video gezeigt. +++ pm/ja
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