
Was macht uns aus? Welche Vorstellungen und Werte prägen uns, und was hat unsere Mentalität damit zu tun? Diesen Fragen stellte sich der Thüringer Literaturrat in der Veranstaltungsreihe „Was uns trägt“ am vergangenen Donnerstag in der ANNELIESE DESCHAUER Galerie in Geisa, über die die Stadt Geisa in einer Mitteilung informiert.
Das Format wurde im Rahmen der vierteiligen Gesprächsreihe „Was uns trägt“ des Thüringer Literaturrates und der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen realisiert. Die Reihe greift damit eine zentrale Frage unserer Zeit auf: Was trägt uns in turbulenten Zeiten der Veränderung angesichts lauter und schriller geführter öffentlicher Debatten, wachsendem Zulauf für populistische Antworten sowie Herausforderungen wie finanzieller Instabilität, Klimakrise, Ressourcenverbrauch und weltweiten Migrationsbewegungen noch. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion debattierten in Geisa nun Gäste aus Literatur, Wissenschaft und Politik gemeinsam mit dem Publikum.
Durch den Abend führte der Journalist Sebastian Haak, der 2019 mit dem Journalistenpreis des Landes Thüringen ausgezeichnet wurde. Auf dem Podium konnte Haak die Schriftstellerin Daniela Danz, den Philosophen und Autor Peter Neumann und Geisas Bürgermeisterin Manuela Henkel begrüßen. Zu Beginn wollte Moderator Haak von der Bürgermeisterin wissen: Was trägt das Geisaer Land? „Unsere Region ist ländlich, tief geprägt vom katholischen Glauben, aber auch von den Erfahrungen des Sperrgebiets zu DDR-Zeiten“, fasste Henkel zusammen. „Familie, Gemeinschaft, Nachbarschaft und Tradition werden bei uns immer noch großgeschrieben. Zu DDR-Zeiten waren wir immer in der Opposition gegen den Staat und seine Ideologie, und deshalb war klar: Wir halten zusammen.“ Allerdings betonte Manuela Henkel auch nachteilige Aspekte wie Misstrauen gegenüber Unbekannten, die die Mentalität der Region in Teilen ausmachen.
Aber was sind Mentalitäten? In seinem gleichnamigen Buch hat sich Philosoph Peter Neumann zum Teil autobiografisch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Neumann, geboren 1987, ist promovierter Philosoph und ist seit November 2021 Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung DIE ZEIT. „Mentalitäten lassen sich groß-, aber auch kleinflächig denken“, betonte Neumann im Gespräch. So gäbe es Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen, zwischen Ost- und Westdeutschland. Aber auch Dörfer, die nur ein paar Kilometer auseinanderliegen, hätten zum Teil unterschiedlichste Mentalitäten. „Mentalitäten vergleiche ich immer mit einem Gummiband: Man kann sich noch so weit vom Ursprung entfernen, irgendwann schnippt man wieder zurück“, sagte Neumann mit einem Augenzwinkern.
Wie Mentalitäten zusammengebracht werden können, erläuterte Daniela Danz mit einem Gedicht aus ihrem Lyrikband „Portolan“. Danz, geboren 1976 in Eisenach, leitet den Bundeswettbewerb „Demokratisch handeln“ und ist seit 2021 Vizepräsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. In der Runde in Geisa erklärte Danz: „In dem Gedicht geht es um meinen Nachbarn, der eine ganz andere Mentalität als ich und meine Familie hat und trotzdem mögen und verstehen wir uns, obwohl wir, gerade politisch, weit auseinander liegen.“ Ihr Schlüssel dazu: „Wenn wir es als Gesellschaft schaffen, milder miteinander zu sein und den Fokus auf das zu legen, was uns verbindet, schaffen wir es, uns anzunähern.“ Das konnten auch die anderen Podiumsgäste bestätigen. In einer Gesellschaft, die sich immer mehr spalte, müsse man wieder mehr Wert auf das Miteinander legen, hieß es abschließend.
Weitere Termine der Reihe finden am 24.09. in Gößnitz, am 26.09. in Suhl sowie am 22.10. in Nordhausen statt. +++
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