
Angesichts der niedrigen Füllstände der Gasspeicher in Süddeutschland hält Trading Hub Europe regionale Engpässe bei der Gasversorgung im kommenden Winter für möglich. Torsten Frank, Geschäftsführer von Trading Hub Europe (THE), sagte dem Newsletter „Energie und Klima“ des „Politico“, eine regionale Gasmangellage sei je nach Szenario theoretisch denkbar. Auch in der Vergangenheit habe es in bestimmten Wintersituationen bereits regionale Mangellagen gegeben.
Gleichzeitig ist nach Einschätzung des THE-Chefs nicht garantiert, dass die gesetzlichen Füllstandsvorgaben für die deutschen Gasspeicher erreicht werden. Für den 1. November gilt eine Vorgabe von 70 Prozent. Entscheidend sei dabei nicht allein die Menge des verfügbaren Gases, sondern auch dessen Transport. Das Gas, das eingespeichert werden solle, müsse zunächst dorthin transportiert werden können und dafür vorher im Marktgebiet zur Verfügung stehen. „Da wird es tricky“, sagte Frank. Ob sämtliche Faktoren so ineinandergreifen würden, dass die Vorgaben punktgenau erreicht werden könnten, könne er nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Dafür gebe es zu viele Einflussfaktoren.
Besonders niedrig sind die Füllstände nach den Angaben in den Speichern Wolfersberg, Inzenham-West und Breitbrunn im Süden Deutschlands. Frank warnte jedoch ausdrücklich davor, einen vergleichsweise niedrigen Speicherstand in Süddeutschland unmittelbar mit einer drohenden Versorgungskrise in Bayern oder Baden-Württemberg gleichzusetzen. Deutschland verfüge über weitere Möglichkeiten, Gas zu importieren. So könne beispielsweise über Österreich zusätzlich Gas nach Deutschland transportiert werden.
Offen ist unterdessen, ob Trading Hub Europe in diesem Jahr erneut im staatlichen Auftrag Gas für die deutschen Speicher beschaffen wird. Eine solche Beschaffung hatte THE bereits im Jahr 2022 durchgeführt. Frank wollte sich nicht darauf festlegen, ob es in diesem Herbst erneut zu einem entsprechenden Eingriff kommen wird. „Ich kann weder ausschließen noch bestätigen, dass THE in diesem Herbst erneut im staatlichen Auftrag Gas beschafft“, sagte er. Die Entscheidung hänge wesentlich von der Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur ab.
Sollte ein entsprechender Auftrag erteilt werden, werde Trading Hub Europe die Beschaffung durchführen. Darauf bereite sich das Unternehmen kontinuierlich vor, erklärte Frank. Nach seiner Einschätzung wird die Situation vom Bundeswirtschaftsministerium derzeit offenbar so bewertet, dass ein staatlicher Eingriff nicht erforderlich ist. Eine andere Einschätzung sei allerdings möglich. Frank hält es nach eigenen Angaben dennoch für nachvollziehbar, dass die Bundesregierung derzeit keinen zwingenden Anlass für ein Eingreifen sieht.
Damit bleibt die Lage bei der Gasversorgung mit Blick auf den kommenden Winter angespannt, ohne dass daraus bereits eine allgemeine Versorgungskrise abgeleitet werden kann. Während insbesondere die niedrigen Speicherstände in Süddeutschland Anlass zur Beobachtung geben, spielen für die tatsächliche Versorgungslage neben den Speichermengen auch Importmöglichkeiten, verfügbare Gasmenge im Marktgebiet und die Transportkapazitäten eine entscheidende Rolle. Trading Hub Europe bereitet sich nach den Worten seines Geschäftsführers zugleich darauf vor, im Bedarfsfall erneut im staatlichen Auftrag Gas zu beschaffen. +++

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