Bei 25 Grad und viel Sonne ist die 44. Tour der Hoffnung 2026 ins Ziel gerollt. Mehr als 160 Radfahrerinnen und Radfahrer legten über drei Tage rund 250 Kilometer zurück, um Spenden für krebskranke Kinder und Jugendliche zu sammeln. Der Reinerlös der ehrenamtlich organisierten Benefiz-Radtour beträgt in diesem Jahr 1.444.500 Euro. Sämtliche helfenden und organisierenden Hände arbeiten zu hundert Prozent ehrenamtlich.
„Unsere gemeinsamen drei Tage waren wieder unfassbar emotional“, sagte Schirmherrin Petra Behle nach der Zieleinfahrt. Die Teilnehmer erlebten bei insgesamt 22 Stopps zahlreiche besondere Begegnungen: Volksfeststimmung vor einer Brauerei, den morgendlichen Start auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Magdeburg, eine Polonaise auf der Wiese eines Badesees, Besuche in einem Autohaus und eine Einfahrt auf dem Marktplatz von Köthen unter Glockengeläut, begleitet von Cheerleadern und zahlreichen Menschen. Eine Mischung aus Sonne und einzelnen Wolken habe zudem ideale Bedingungen geschaffen, um bei den Stopps das Leben zu feiern und möglichst viele Spenden zu sammeln, sagte die Olympiasiegerin und neunfache Biathlon-Weltmeisterin.
Immer wieder winkten Menschen am Straßenrand oder aus ihren Autos. Lastwagenfahrer hupten, Kinder staunten und verfolgten den langen Tross in grünen Trikots und gelben Helmen. „Es hat einfach alles gepasst“, sagte der erste Vorsitzende Dr. Mathias Rinn. Gemeinsam mit Jürgen Merlau hatte er bereits im Winter mit der Organisation der dreitägigen Tour begonnen. Der Schriftführer war nach eigenen Angaben zusammengerechnet drei Wochen unterwegs, um zwischen Magdeburg, Halle und Leipzig neben Unternehmen auch Städte und Gemeinden für die Sache der Tour zu gewinnen.
Die minutiöse Vorbereitung zahlte sich aus. Das Roadbook konnte bis zum Zieleinlauf Punkt für Punkt abgearbeitet werden. Am Tag nach dem Abschluss zeigte sich Rinn vor allem erleichtert über den reibungslosen und unfallfreien Verlauf. Einen wesentlichen Anteil daran hatten nach seinen Worten die mehr als drei Dutzend Helferinnen und Helfer. Auch Wolfgang Rinn, der zweite Vorsitzende des Trägervereins Tour der Hoffnung e. V., war in die Organisation eingebunden. Schatzmeister Benjamin Wagner hielt während der gesamten Tour den Stand des Spendenkontos aktuell und verbuchte jede einzelne Spende.
Der Prolog begann traditionell am Donnerstag in Gießen. Die erste Etappe führte über 60 Kilometer zunächst nach Heuchelheim und Wieseck und weiter über Lollar, Staufenberg, Reiskirchen und Lich zurück nach Gießen. Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann stellte die Biebertaler Sporthalle zum Duschen zur Verfügung und packte persönlich Carepakete für die Teilnehmer. Am Abend ging es mit drei Bussen weiter nach Magdeburg in das Maritim Hotel, das die Tour der Hoffnung seit Jahren unterstützt.
Nach einer kurzen Nacht startete das Fahrerfeld am frühen Freitagmorgen im Bördepark in Magdeburg. Verabschiedet wurde es von der 95-jährigen DDR-Radlegende Täve Schur. Mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze als Mitradler führte die zweite Etappe zunächst in den Kurpark Schönebeck, anschließend nach Staßfurt zu einem salzhaltigen Badesee und weiter auf den Marktplatz von Köthen. In Halle endete der Tag nach insgesamt 116 Kilometern im Gewerbegebiet bei der A/V/E GmbH.
Der Abschlusstag begann am Samstag in Halle zwischen den Omnibussen der Halleschen Verkehrs AG mit einem Stopp beim Skoda-Autohaus Liebe. In Merseburg wartete eine spektakuläre Einfahrt auf die Radler. Nach einer kurzen Auffahrt fand sich das Fahrerfeld auf der Velodrom-Strecke wieder, der letzten erhaltenen Radrennbahn in Sachsen-Anhalt. Dort drehten die Teilnehmer unter großem Beifall eine Ehrenrunde. Der Förderverein hatte sich für den Besuch etwas Besonderes einfallen lassen und eigene Tour-der-Hoffnung-Energydrinks produzieren lassen.
Vor dem Kulturhaus in Leuna herrschte bereits bei der Einfahrt Volksfeststimmung. Weitere Stationen folgten auf dem Marktplatz in Lützen und bei einer Spielbank in Leuna-Günthersdorf. Fahrtechnisch anspruchsvoll wurde es anschließend in Leipzig. Die zahlreichen Schienen der Straßenbahn gehören zum Stadtbild, können für Radfahrer jedoch zu einer besonderen Herausforderung werden.
Das Ziel der Tour lag schließlich im Park an der onkologischen Kinderstation des Universitätsklinikums. Prof. Dr. Roland Päffle begrüßte die Teilnehmer. Unter großem Applaus wurden auch dort Spendenschecks überreicht. Besonders still wurde es beim Auftritt von Mitradler Tim Reinicke. Sein Sohn war vor zwei Jahren an Leukämie erkrankt. Die zweite Chemotherapie zeigte zwar Wirkung, kam jedoch zu spät. Sein jüngerer Bruder Oskar erwies sich glücklicherweise als passender Rückenmarkspender. Das Team der Universitätsklinik konnte die Operation erfolgreich durchführen. Heute ist Paul wieder gesund.
Seitdem engagiert sich die Familie Reinicke für die Tour der Hoffnung. Sie möchte damit auch die Arbeit der Mediziner, Pflegekräfte und aller anderen Beteiligten würdigen. Die persönliche Geschichte machte bei der Abschlussveranstaltung deutlich, weshalb sich die Teilnehmer der Tour Jahr für Jahr auf den Weg machen.
Die Spendengelder fließen in die Forschung, in neue Behandlungskonzepte sowie in die pflegerische und psychosoziale Betreuung und die klinische Versorgung. Bei der Tour der Hoffnung gilt nach Angaben der Organisatoren das Prinzip, dass die Spenden zu hundert Prozent bei den Begünstigten ankommen. Sämtliche Kosten für Organisation und Durchführung werden von Sponsoren getragen. Deshalb gehört die Übergabe von Spendenschecks zu den festen Momenten jedes Stopps. Ob sechsstellige Summe oder spontan überreichte 20 Euro: Jeder Betrag wird mit Applaus aufgenommen. Immer wieder wird eine Spende auch mit der traditionellen Tour-der-Hoffnung-La-Ola gefeiert.
Durch die einzelnen Stationen führten Eiskunstläuferin Marina Kielmann und Thomas Ernst. Die musikalischen Botschafter Jessica Kessler und Dominik Reichelt sorgten mit der Tour-Ballade „Ein Licht am Horizont“ für den musikalischen Rahmen und brachten bei den Stopps zugleich die Gäste zum Tanzen. Zwei Tour-Aktive gingen mit Sparschweinen durch die Menge und sammelten weitere Spenden. Anschließend sprach Petra Behle den Gastgebern ihren Dank aus. Erinnerungsfotos wurden gemacht, Autogramme gesammelt und schließlich ertönte der Pfiff zur Weiterfahrt.
Bei den bis zu 116 Kilometer langen Etappen geht es nicht um Geschwindigkeit. Entscheidend ist, dass alle Teilnehmer gesund das Ziel erreichen. Motorradstaffeln der Polizei und ehrenamtliche Helfer begleiteten und sicherten die Strecke ab, damit der motorisierte Verkehr dem Fahrerfeld nicht zu nahe kommt. Eine Gruppe von Tour-Radlern um Wolfgang Rinn trägt dabei rote Helme. Sie steht über Funk mit Tourleitung und Polizei in Verbindung und sorgt dafür, dass der Tross zusammenbleibt, wenn ein Fahrer aus der Spur gerät oder sich Fahrzeuge zu schnell nähern.
Auch in diesem Jahr waren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten dabei. Schauspieler Johann von Bülow, Skispringer Stephan Leyhe, Boxer Henry Maske, die Schwimmer Dagmar Hase, Jens Lehmann und Prof. Klaus Steinbach, Ruderin Kathrin Boron, die Biathleten Katrin Apel, Sven Fischer und Frank Ullrich sowie Hessenschau-Moderator Andreas Hieke gehörten zu den Teilnehmern. Mit dabei waren zudem die Tour-Urgesteine Jupp Kapellmann und Klaus-Peter Thaler, die sich bereits seit der ersten Tour im Jahr 1983 für die Benefizaktion engagieren. Insgesamt umfasste die Liste 28 prominente Teilnehmer.
Fußballer und Trainer Felix Magath brachte die besondere Atmosphäre der Tour während eines Stopps auf den Punkt: „Ich bin hier in einer Gemeinschaft, wie ich noch keine Gemeinschaft erlebt habe.“ Neben der eigentlichen Spendenaktion sind es auch die Begegnungen innerhalb der Tour-Familie, die den besonderen Charakter der Veranstaltung ausmachen. Viele Teilnehmer kennen sich seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Zwischen Frühstück, langen Etappen und gemeinsamen Abendessen bleibt Zeit für Gespräche, neue Ideen und Freundschaften. Der Tag kann bereits um 5.30 Uhr mit dem gemeinsamen Frühstück beginnen und nach acht Stunden im Sattel bis spät am Abend weitergehen.
„Es war wieder unglaublich, was auch unsere Radlerinnen und Radler selbst mitgebracht haben“, sagte Petra Behle. Ihren Dank richtete sie an alle Beteiligten und insbesondere an die engagierten und treuen Sponsoren.
Während die 44. Tour der Hoffnung gerade erst zu Ende gegangen ist, steht das Ziel für das kommende Jahr bereits fest. „Nächstes Jahr geht’s nach Hannover“, kündigte Dr. Mathias Rinn am späten Samstagabend an. Die 45. Tour der Hoffnung wird vom 11. bis 15. August 2027 stattfinden und damit einen Tag länger dauern. Der Prolog soll weiterhin in und rund um Gießen stattfinden, künftig allerdings ebenfalls über einen zusätzlichen Tag.
Ganz beendet ist die Arbeit mit der Zieleinfahrt allerdings nicht. Das Medizinische Kuratorium entscheidet in den kommenden Wochen über insgesamt 41 eingereichte Anträge. Darunter sind 24 wissenschaftliche und 17 therapiebegleitende Vorhaben. Der Förderbedarf liegt bei mehr als 2,8 Millionen Euro. Im November sollen die Zuwendungen übergeben werden.
„Daran ist deutlich zu erkennen, dass der Bedarf besteht“, sagte Petra Behle. Deshalb endet ihr Appell auch nach dem Zieleinlauf nicht: „Auch wenn die 44. Tour der Hoffnung nun vorbei ist, es kann weiterhin gespendet werden.“
Die 1.444.500 Euro, die in diesem Jahr zusammengekommen sind, markieren damit nicht das Ende, sondern den nächsten Schritt einer Benefizaktion, die seit Jahrzehnten auf ehrenamtliches Engagement, persönliche Begegnungen und die Bereitschaft setzt, gemeinsam für krebskranke Kinder und Jugendliche in die Pedale zu treten. +++
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