Die Druckwelle kam in der Nacht. Fenster zerbarsten, Räume wurden verwüstet, Wände stürzten ein. Nach den massiven russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt ist auch das ARD-Studio in Kiew schwer beschädigt worden. Der WDR teilte am Sonntag mit, Ursache der Zerstörungen sei vermutlich die Wucht der Explosionen gewesen. Mitarbeiter befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht im Gebäude.
Nun müsse zunächst geprüft werden, ob das Haus statisch noch sicher sei. Trotz der erheblichen Schäden solle die Berichterstattung aus der Ukraine weitergehen. Produktion und Live-Schalten würden mit mobilen technischen Lösungen und Ausweichmöglichkeiten fortgesetzt, erklärte der WDR, der für das ARD-Studio in Kiew verantwortlich ist.
ARD-Studioleiter Vassili Golod sprach von einer seit Jahren andauernden Realität in der Ukraine. Die russischen Luftangriffe seien „massiv, rücksichtslos und Teil der brutalen Lebensrealität“. Die Folgen seien tausende tote Zivilisten, zerstörte Krankenhäuser, Schulen und nun auch Redaktionsräume. Zugleich lobte Golod das Team vor Ort, das sich von der Gewalt nicht einschüchtern lasse und weiter seiner Aufgabe nachgehe: „zu berichten, was ist“.
Die Angriffe auf Kiew waren Teil einer groß angelegten russischen Offensive in der Nacht zu Sonntag. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax setzte Moskau dabei mehrere Waffensysteme ein, darunter Oreschnik-, Iskander-, Kinschal- und Zirkon-Raketen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland bereits zuvor vorgeworfen, bei der Angriffswelle eine Hyperschallrakete eingesetzt zu haben.
Während Russland erklärte, militärische Kommandozentralen, Luftwaffenstützpunkte und Rüstungsbetriebe attackiert zu haben, meldete Kiew Angriffe auf zivile Ziele. Laut Selenskyj wurden mindestens 83 Menschen verletzt. Insgesamt habe Russland 600 Drohnen und 90 Raketen eingesetzt, die sich vor allem gegen die Hauptstadt richteten. Nach ukrainischen Angaben kamen mindestens vier Menschen ums Leben.
Das russische Verteidigungsministerium bezeichnete die Angriffe als Reaktion auf Attacken gegen zivile Ziele in Russland. Russische Behörden hatten zuvor erklärt, bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Studentenwohnheim in der von Russland kontrollierten Region Luhansk seien 18 Menschen getötet worden. Das ukrainische Militär wies die Verantwortung zurück und erklärte stattdessen, eine Elite-Drohnenkommandountereinheit in der Region angegriffen zu haben.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Oreschnik-Mittelstreckenrakete, die laut Moskau bei den nächtlichen Angriffen eingesetzt wurde. Das System kann sowohl mit nuklearen als auch mit konventionellen Sprengköpfen bestückt werden. Unter dem inzwischen außer Kraft gesetzten INF-Vertrag wäre ihre Entwicklung verboten gewesen. +++

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