Es ist einer dieser Tage, an denen ein Ort ein Stück Zukunft feiert – und zugleich seine Vergangenheit nicht vergisst. Rund 100 Menschen sind in die Ortsmitte von Elm gekommen, wo der Rohbau des neuen Gemeinschaftshauses steht. Richtfest. Ein Meilenstein für ein Projekt, das viele Jahre brauchte, um Wirklichkeit zu werden.
Bürgermeister Matthias Möller erinnert an die lange Vorgeschichte. Schon 2017 habe er gemeinsam mit der damaligen Ortsvorsteherin Inge Vey darüber beraten, wie es mit dem alten Gebäude weitergehen könne, dessen Substanz zunehmend Sorgen bereitete. Es sollte dauern, bis aus Überlegungen Entscheidungen wurden – und schließlich ein Neubau.
Dieser Weg war kein schneller. Aber einer, der viele mitnahm. Politik, Ortsbeirat, Vereine und Bürgerschaft rangen gemeinsam um die beste Lösung. Gutachten wurden abgewogen, der Zustand des alten Hauses bewertet, und immer blieb der Respekt vor der enormen Eigenleistung, mit der die Elmer ihr früheres Gemeinschaftshaus einst errichtet hatten. Ende 2024 fiel dann die letzte Hürde: Der Abriss. Im Sommer 2025 wurde die Bodenplatte gegossen, im Januar begann ein Bauunternehmen aus Thüringen mit dem Holzrahmenbau.
Nun steht der Rohbau – und mit ihm die Gewissheit, dass hier mehr entsteht als nur ein Gebäude. „Ein Schmuckstück“, nennt Möller das Projekt. Eines mit Strahlkraft über den Ort hinaus. Und er spricht von einem „mustergültigen basisdemokratischen Beteiligungsprozess“, der sich in zahllosen Gesprächen und Planungsrunden entwickelt habe. Das neue Haus, so die Hoffnung, werde zum Zentrum des Ehrenamts.
Der Bürgermeister nutzt die Bühne auch für Dank. An Mitarbeiter wie Thomas Rau und Moritz Föller, die das Projekt mitgetragen haben. An die Architekten Kerstin Heim, Carsten Trapp und Stefan Wagner – und an viele weitere, deren Arbeit sich nun sichtbar auszahlt.
Auch ein personeller Wechsel bekommt an diesem Tag seinen Moment. Elke Viehfeger übergibt das Amt an ihren Nachfolger Axel Pauli. In seiner ersten Rede spart der neue Ortsvorsteher nicht mit Emotionen. Der Abriss des alten Hauses habe Wehmut ausgelöst – schließlich sei es vor rund 50 Jahren in Eigenleistung entstanden. Doch nun wachse hier ein neuer Treffpunkt heran, der den Ort über Jahrzehnte prägen könne.
Pauli richtet den Blick nach vorn: Das Gebäude müsse mit Leben gefüllt werden. Von den Menschen, die sich schon jetzt engagieren – und von denen, die noch folgen werden.
Die Dimensionen des Neubaus lassen keinen Zweifel an seiner Bedeutung: Rund 775 Quadratmeter Nutzfläche, ein großer Saal mit Bühne, dazu ein seitlich angebauter Musikpavillon – gedacht unter anderem für den örtlichen Eisenbahner Musikverein. Insgesamt werden 5,05 Millionen Euro investiert, 1,2 Millionen Euro kommen als Förderung vom Land Hessen.
Und es soll schnell weitergehen. Marc Schmidt kündigt an, dass schon in den kommenden Tagen Fenster eingebaut sowie Heizungs- und Sanitärinstallationen begonnen werden. Regionale Firmen übernehmen die Arbeiten. Das Ziel ist ehrgeizig: Bereits zur Elmer Kirmes Ende Oktober soll das Haus erstmals genutzt werden können.
Den traditionellen Abschluss des Richtfests übernimmt Zimmermann Jörg Pfeiffer. Mit dem Richtspruch, gesprochen hoch oben am Bau, und dem Wurf des Glases, das am Boden zerschellt, erhält das Gebäude seinen symbolischen Segen.
Danach zieht es die Gäste hinein – in einen Bau, der noch nach Holz riecht und doch schon jetzt erkennen lässt, was hier entstehen wird: ein neuer Mittelpunkt für Elm. Ein Ort für Begegnung, Musik, Feste. Und vielleicht auch ein Stück gelebte Gemeinschaft, das weit über den Tag des Richtfests hinausreicht. +++ U.Schwind

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