Globale Gesundheit: Internationales Forschungsteam startet Zusammenarbeit über vier Kontinente

Fulda ist in diesen Tagen nicht nur Treffpunkt für Studierende aus aller Welt. Die Stadt ist zugleich Start- und Vernetzungspunkt für ein neues, international ausgerichtetes Forschungsprojekt zur Globalen Gesundheit, das von der Volkswagen-Stiftung mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Beteiligt sind Medizin- und Gesundheitswissenschaftlerinnen und – wissenschaftler aus Ghana, Sri Lanka und Kolumbien, die gemeinsam mit Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern der Hochschule Fulda und Universität Gießen untersuchen, wie Gesundheitsversorgung unter den Bedingungen von Migration, Krisen, sozialer Ungleichheit und Klimawandel gerechter und nachhaltiger gestaltet werden kann.

„Wir haben den Auftakt unseres Forschungsprojekts bewusst mit der Internationalen Sommeruniversität gekoppelt“, sagt Professor Dr. Uwe Hunger von der Hochschule Fulda, der das Forschungsprojekt leitet und zugleich die ISU verantwortet. „Beide Formate können voneinander profitieren: Wir gewinnen neue Teilnehmende für die ISU und binden gleichzeitig ISU-Dozentinnen und – Dozenten und Studierende in den Austausch zum Start des Forschungsprojekts ein.“ Für ihn ist dabei entscheidend: „Über so weite Distanzen zusammenzuarbeiten wird deutlich leichter, wenn man sich persönlich kennt. Für einige Beteiligte ist es der erste Aufenthalt in Europa – umso wichtiger ist diese gemeinsame Auftaktphase, um Vertrauen aufzubauen und den Grundstein für die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren zu legen.“

ISU-Seminar als „Arbeitsraum“ für wissenschaftlichen Nachwuchs

ISU-Programm und Projektauftakt laufen daher in Fulda nicht nur parallel. Die Organisatorinnen und Organisatoren haben auch Schnittstellen eingebaut. So greift ein ISU-Seminar das Projektthema direkt auf: Im Seminar „Global Health, Migration and Sustainability“ arbeiten in das Projekt einbezogene Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus allen vier Ländern an ihren Forschungsvorhaben. Noch bis zum Ende der ISU am 1. August werden sie ihre Promotions- und Masterthemen fachlich schärfen, aufeinander abstimmen und Forschungsaufenthalte in den Partnerländern planen. Zusätzlich nehmen weitere ISU-Teilnehmende am Seminar teil, sodass ein Austausch zwischen Projektteam und internationaler Studierendengruppe entsteht.

Vertragsunterzeichnung an historischer Stelle

Ein Höhepunkt der Auftaktphase war die zweitägige Konferenz „Global Health Diasporas“, die in die zweite ISU-Woche eingebettet war und internationale Konferenzatmosphäre nach Fulda brachte. „Global Health“ versteht Gesundheit nicht nur medizinisch, sondern auch als Frage von Lebensbedingungen, sozialer Gerechtigkeit und Politik, ein Ansatz, der historisch eng mit dem Sozialmediziner Rudolf Virchow verbunden ist. Unter „Health Diasporas“ sind Gemeinschaften ausgewanderter Medizinfachkräfte zu verstehen, die sich in Netzwerken organisieren und dabei Bezug auf das gemeinsame Herkunftsland nehmen.

Einblicke in die historischen Entwicklungslinien der Global-Health-Forschung erhielt das Team anschließend in Berlin bei einem Besuch der Charité. Die Projektleitungen der einzelnen Länder unterzeichneten außerdem die Kooperationsverträge in der alten Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums, an dem Ort also, wo Virchow einst wirkte. Ergänzt wurde das Programm durch erste Kontakte zur tamilischen Diaspora in Berlin, unter anderem bei einem Besuch des Murugan- und Sri-Ganesha-Tempels, begleitet von einem tamilisch-deutschen Kardiologen.

Schwerpunkt: Mobilität von Gesundheitsfachkräften

Inhaltlich befasst sich das Projekt mit der internationalen Mobilität von Gesundheitsfachkräften und ihren Auswirkungen auf Länder des Globalen Südens. Viele Regionen dort, vor allem ländliche Gebiete, leiden unter Fachkräftemangel im Gesundheitssystem, während medizinisches Personal in großer Zahl in wohlhabendere Länder abwandert („medical brain drain“). Das schwächt die Versorgung vor Ort.
Das Team sieht Potenziale: Wissenstransfer und Investitionen aus der Diaspora können zur Stärkung der Gesundheitssysteme beitragen. Das Projekt untersucht deshalb, wie im Ausland lebende Gesundheitsfachkräfte positive Veränderungen in Kolumbien, Ghana und Sri Lanka anstoßen können und welche gesellschaftlichen Faktoren Engagement und Austausch mit lokalen Gemeinschaften fördern oder behindern. „Wir wissen, dass Kanäle ins Heimatland nicht verloren gehen“, sagt Professor Hunger. +++ pm


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