
Die Frage nach dem „Wer bin ich?“ bildete am vergangenen Freitag den Einstieg in die Verabschiedung der Abiturientinnen und Abiturienten der Fachrichtungen Biologietechnik und Gesundheit sowie der Absolventinnen und Absolventen zur/zum Chemisch-technischen Assistenten (CTA). Schulleiterin Frau Isabel Herbert zitierte einige Passagen aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland, die verdeutlichten, dass die Frage einfach klingt, aber die Antwort eine der schwierigsten überhaupt ist.
Alice habe Höhen und Tiefen durchlebt und sei sich selbst dabei etwas nähergekommen. Ähnlich seien die Erfahrungen der Schulzeit zu bewerten. Man habe unterschiedliche Phasen durchlaufen, die nicht alle geradlinig gewesen seien und die die eigene Identität geprägt hätten: „Es gab Tage, an denen Sie gemerkt haben, was alles in Ihnen steckt. Und es gab Tage, an denen Sie unsicher waren oder gezweifelt haben.“
Das Zeugnis, das ausgehändigt werde, dokumentiere die Leistung und den Bildungsabschluss, aber es erzähle nicht die ganze Geschichte. „Es erzählt nichts von den Herausforderungen, die Sie gemeistert haben, von den Freundschaften, die entstanden sind, von den Erfahrungen, die Sie geprägt haben, und von dem Menschen, zu dem Sie geworden sind.“ All diese Faktoren seien Teil der Antwort auf die Ausgangsfrage „Wer bin ich?“. Abschließend bedankte sich Frau Herbert bei allen Unterstützern auf dem zurückgelegten Weg und wünschte den Anwesenden von Herzen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg.
Die Fachschaft Religion veranschaulichte im Anschluss mittels verschiedener Schuhtypen die vielen Wege, die die Schülerinnen und Schüler im Laufe der Zeit gegangen sind: Wege zu Klausuren, zu Prüfungen, zum Unterricht, zur Cafeteria. Herr Markus Haar und Frau Andrea Sonnabend zeigten auf, dass „Schuhe mehr sind als nur Schuhe“. High Heels stünden zum Beispiel für außergewöhnliche Anlässe, Alltagsschuhe für verlässliche Begleiter im Alltag, Wanderschuhe für Schuhe, die Sicherheit geben – auch auf steinigen Wegen. Doch Schuhe, die immer funktionieren nicht nur Schuhe würden uns tragen, auch in der Bibel gebe es Worte, die Vertrauen schenken. So schloss der religiöse Impuls mit einem kurzen Segen.
Festrednerin und ehemalige CTA-Absolventin Melanie Witzel beeindruckte mit der Darstellung ihres Lebensweges von der Hauptschule bis zur Übernahme der Sachgebietsleitung Labor beim Abwasserverband Fulda. Sie beschrieb mehrere Hürden und Rückschläge, die zeigten, dass das echte Leben nicht immer geradlinig verläuft. Wichtig sei, was man daraus mache und was man daraus lerne. Sie ermutigte die Schülerinnen und Schüler dazu, Verantwortung zu übernehmen, durchzuhalten und auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Mit echtem Spaß und tiefer Freude könne man alles erreichen. „Glauben Sie an sich selbst und lassen Sie Zweiflern keinen Raum! Haben Sie keine Angst vor Umwegen! Manchmal braucht man einen weiteren Anlauf, um dann richtig durchzustarten. Und vor allem haben Sie Spaß an der Sache!“
Vor der Zeugnisübergabe griff die Abteilungsleiterin des Beruflichen Gymnasiums, Frau Julia Pappert, Gedanken aus dem Gedicht „Schön und gut und klar und wahr“ von Robert Gernhardt auf. Die darin beschriebenen weißen Tauben, die gemeinsam aufsteigen und nie allein fliegen, standen sinnbildlich für den Weg der Absolventinnen und Absolventen. Erfolg, so die Botschaft, werde oft erst durch Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Erfahrungen möglich. Die Abschlusszeugnisse der beiden Kurse des Beruflichen Gymnasiums wurden durch die Tutorin Frau Dr. Reus sowie die Abteilungsleiterin und Tutorin Frau Julia Pappert an die 21 Absolventinnen und Absolventen übergeben. Die Zeugnisse der CTA-Ausbildung händigte Frau Petra Weber den 12 Absolventinnen und Absolventen aus.
Unter der Leitung von Frau Katrin Döring zeigte der Kurs Darstellendes Spiel als Gruß aus der Schülerschaft „Eine Reise durch die Schulzeit“. Im Anschluss richtete Abiturientin und Schülersprecherin Dina Halimi pointierte Worte an die Anwesenden. Sie stellte heraus, dass die letzten drei Jahre in der Oberstufe dazu beigetragen hätten, herauszufinden, wer man ist und was man kann. Die Schülerinnen und Schüler hätten gemeinsam gelacht, gelernt, gezweifelt und den Abschluss letztendlich geschafft, worauf sie stolz sein könnten. Sie seien reifer und mutiger geworden und hätten nun eine Zukunft voller Möglichkeiten. Bildung sei die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.
Bildung sei ein Privileg, denn die Meinung frei äußern zu dürfen, sei nicht selbstverständlich. In vielen Teilen der Welt seien Frauen zum Beispiel immer noch benachteiligt. Man verweigere ihnen Bildung und nehme ihnen folglich auch ihre Stimme. Frau Halimi rief dazu auf, für eine Gesellschaft einzutreten, die Chancen bietet und Bildung ermöglicht. Alle Absolventen sollten Mut, Werte und Neugier mitnehmen – nicht nur das Abitur.
Im Namen des Fördervereins der Eduard-Stieler-Schule e.V. überreichte Dr. Rudolph Drexler die Auszeichnungen für außerordentliche Leistungen an Celine Zentgraf (BG Biologietechnik), Nam Tran Khoa Le (BG Gesundheit), Josefine Klüh (einjährige CTA) sowie Jakob Bien, (zweijährige CTA).
Im Namen der Katholischen Kirche des Bistums Fulda bedankte sich Frau Andrea Sonnabend bei Frau Celine Zentgraf für ihre besondere Leistungen im Fach Religion. Als Prüfungsbeste im Fach Chemie erhielten Diana Walther, Celine Zentgraf, Josefine Klüh und Jakob Bien durch Herrn Thomas Niedenthal ein Geschenk der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), das eine Jahresmitgliedschaft sowie ein Buchpräsent umfasst. Bei strahlend blauem Himmel ging die Veranstaltung anschließend in einen geselligen privaten Teil über. +++ pm
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