
Zu einem Vortrag unter dem Titel „Wie gehe ich als Angehöriger mit demenzkranken Menschen um?“ hatte das Team der Seniorenbeauftragten der Gemeinde Kalbach eingeladen. Seniorenbeauftragter Bruno Fischer begrüßte im Bistro des Seniorenzentrums ArteCare Kalbach den Chefarzt der Klinik für Geriatrische und Innere Medizin am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda, Dr. med. Steffen Schlee, als Gastreferenten. Ebenso hieß er die zahlreichen Zuhörer willkommen, die das Bistro bis auf den letzten Platz füllten.
Zu Beginn seines Vortrags erläuterte Dr. Schlee, dass in Deutschland derzeit rund 1,8 Millionen Menschen an Demenz leiden. Das entspreche in etwa der Einwohnerzahl der Stadt Hamburg. Demenz sei eine Erkrankung des Gehirns, bei der nach und nach wichtige Fähigkeiten verloren gingen. Erinnerungsvermögen, Sprache, Orientierung sowie Denk- und Planungsfähigkeit nähmen ab. Im weiteren Verlauf verändere sich auch das Verhalten der Betroffenen. Dabei gelte stets: Demenz nehme Fähigkeiten, nicht aber die Würde eines Menschen.
Im weiteren Verlauf erklärte der Mediziner den Unterschied zwischen normaler Vergesslichkeit und einer Demenzerkrankung. Menschen mit Demenz vergäßen unter anderem die Namen naher Angehöriger, legten Gegenstände an ungewöhnlichen Orten ab und verlören dauerhaft den Überblick über Termine oder wichtige Ereignisse. Hinzu kämen Wortfindungsstörungen sowie der Verlust der Orientierung selbst in vertrauter Umgebung. Entscheidend sei nicht das Vergessen an sich, sondern der zunehmende Verlust der Selbstständigkeit im Alltag.
Einen Schwerpunkt seines Vortrags legte Dr. Schlee auf die Kommunikation mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Unter den Leitgedanken „Verstehen, Verbinden und Vertrauen“ machte er deutlich, dass Worte zwar wichtig seien, jedoch nicht allein über gelingende Kommunikation entschieden. Zuhören schaffe Nähe und Sicherheit, Einfühlungsvermögen ermögliche Verständigung auch dann, wenn Worte fehlten. Menschen mit Demenz verstünden häufig mehr, als angenommen werde, benötigten jedoch andere Wege, um sich auszudrücken und verstanden zu werden.
Der Referent betonte die Bedeutung eines aufmerksamen Zuhörens sowie eines freundlichen Blickkontakts. Gefühle sollten wahrgenommen, benannt und ernst genommen werden. Kurze Sätze, einfache Worte und eine ruhige Sprache erleichterten die Verständigung. Ebenso wichtig seien Geduld und ausreichend Zeit, damit Betroffene Informationen verarbeiten und antworten könnten. Ziel sei nicht eine perfekte Kommunikation, sondern das Aufrechterhalten einer Beziehung. Auch bewusst zugelassene Pausen könnten dabei hilfreich sein.
Bei Wortfindungsstörungen empfahl Dr. Schlee, geduldig zu warten, Blickkontakt zu halten und gegebenenfalls den ersten Buchstaben eines gesuchten Wortes zu nennen oder den Begriff zu umschreiben. Unterstützende Impulse seien hilfreich, ohne dem Betroffenen die Antwort vorwegzunehmen. Wiederholte Fragen sollten ruhig und freundlich beantwortet werden. Gleichzeitig sei es wichtig, die dahinterstehenden Gefühle ernst zu nehmen und den Betroffenen zu vermitteln: „Ich bin für Sie da.“ Wertschätzung und Sicherheit könnten Ängste mindern.
Auch im pflegerischen Alltag sollten Menschen mit Demenz möglichst viele Entscheidungen selbst treffen können. Wahlmöglichkeiten wie „Möchten Sie sich jetzt waschen oder später?“ oder „Was möchten Sie selbst übernehmen?“ stärkten die Selbstbestimmung. Gemeinsam sollten Aufgaben in kleinen Schritten bewältigt und jeder Erfolg anerkannt werden. So könne Selbstständigkeit möglichst lange erhalten bleiben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt sei das Anknüpfen an Erinnerungen. Fragen nach früheren Erlebnissen oder Lebensabschnitten könnten Gespräche eröffnen und emotionale Zugänge schaffen. Erinnerungen vermittelten Identität, Verbundenheit und Freude.
Zum Abschluss seines Vortrags unterstrich Dr. Steffen Schlee, dass eine wertschätzende Kommunikation die Grundlage für Vertrauen, Sicherheit und gemeinsame Lösungen bilde. Sie trage dazu bei, Menschen mit Demenz respektvoll zu begleiten, ihre Würde zu bewahren und ihre Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Bruno Fischer dankte dem Referenten für den verständlichen und eindrucksvollen Vortrag. Die Ausführungen seien außerordentlich gelungen und aus seiner Sicht beispielhaft gewesen. Als Zeichen des Dankes überreichten Robert Jung vom Seniorenzentrum ArteCare und Bruno Fischer dem Referenten einen Präsentkorb mit verschiedenen Köstlichkeiten. Im Anschluss nutzten die Besucher die Gelegenheit, sich bei Getränken und einem Imbiss weiter auszutauschen. +++
Das könnte Sie auch interessieren
„Aus Erfahrung die Zukunft gestalten“: Pianale-Dozenten eröffnen 19. Pianale Piano Festival
Sparkasse Fulda verabschiedet Harald Zentgraf nach fast 45 Jahren in den Ruhestand
Landkreis Fulda wirbt für richtige Mülltrennung: Bio-Tonne spart Kosten und schont Ressourcen
Pierre Lamely weist Forderung nach AfD-Verbotsverfahren zurück

Hinterlasse jetzt einen Kommentar