Bürgermeisterwahl in Kalbach: Marcel Kister gewinnt hauchdünn

Marcel Kister

In Kalbach ist die Bürgermeisterwahl denkbar knapp ausgegangen. Marcel Kister hat sich gegen den amtierenden Bürgermeister Mark Bagus durchgesetzt. Zwischen den beiden Kandidaten lagen am Ende lediglich neun Stimmen. Kister kam auf 50,14 Prozent der Stimmen, Bagus erreichte 49,86 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,41 Prozent.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren am Sonntagabend ins Bürgerhaus Mittelkalbach gekommen, um den Ausgang der Wahl mitzuerleben. Unter den Gästen waren auch zahlreiche Kommunalpolitiker. Anwesend waren unter anderem Landrat Bernd Woide, sein Erster Kreisbeigeordneter und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Fulda, Frederik Schmitt, der CDU-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis 15 (Fulda II), Sebastian Müller, sowie der Vorsitzende der Bürgermeisterkreisversammlung und Bürgermeister der benachbarten Kaligemeinde Neuhof, Heiko Stolz (CDU).

Landrat Bernd Woide bezeichnete den Ausgang der Wahl als außergewöhnlich spannend. In seinen 20 Jahren an der Spitze der Landkreisverwaltung habe er ein solches „Wimpernschlagfinale“ noch nicht erlebt. Dass am Ende lediglich neun Stimmen zwischen dem bisherigen Amtsinhaber und seinem Herausforderer lagen, sei allerdings auch Ausdruck demokratischer Entscheidung. Woide gratulierte Marcel Kister herzlich zur gewonnenen Wahl und bot ihm eine gute Zusammenarbeit an. Kalbach sei eine wichtige Kommune für den Landkreis. Zugleich dankte er Mark Bagus dafür, sich erneut zur Wahl gestellt und den Bürgerinnen und Bürgern damit eine Auswahl ermöglicht zu haben.

CDU-Landtagsabgeordneter Sebastian Müller richtete seinen Dank an Mark Bagus für die „vertrauensvolle Zusammenarbeit der letzten Jahre“. Wann immer „landespolitische Indikationen gegeben waren“, habe man eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Ein solcher Wahlabend diene nach Müllers Worten nicht nur dazu, dem Sieger zu gratulieren, sondern auch darauf zu schauen, was in der Vergangenheit geleistet worden sei. Bei der Bürgermeisterwahl seien zwei Kandidaten angetreten, die über Fachkenntnis verfügten und daher für das Amt prädestiniert seien. Das knappe Ergebnis unterstreiche dies. Marcel Kister wünschte Müller für seine Amtszeit „alles Gute und Gottes reichen Segen“. Kalbach spiele eine Schlüsselrolle in der Region, entsprechend setze man darauf, dass sich die Gemeinde auch künftig gut entwickle.

Der neu gewählte Bürgermeister Marcel Kister zeigte sich angesichts seines Erfolges sichtlich bewegt. Er dankte Mark Bagus ausdrücklich für den „fairen Wahlkampf“. Als Kämmerer werde er ihm bis zu seinem Amtsantritt wie gewohnt mit vollem Engagement zur Verfügung stehen. Kister hoffe, noch einen guten Haushaltsplan für 2027 erstellen zu können. Die bisherige Zusammenarbeit sei stets von einem „respektvollen Miteinander“ geprägt gewesen, was auch für den Wahlkampf gegolten habe.

Positiv blickte Kister zudem auf das kürzlich stattgefundene FZ-Forum zurück, das ihm viel Freude bereitet habe. Seinen besonderen Dank richtete er an die Bürgerinnen und Bürger für das entgegengebrachte Vertrauen. Ein besonderer Dank galt seiner Familie und insbesondere seiner Ehefrau, auf deren große Unterstützung er sich während der stressigen Wahlkampfzeit jederzeit habe verlassen können. Ihr überreichte Kister einen Blumenstrauß.

Im Namen der Bürgermeisterkreisversammlung gratulierte Heiko Stolz, Bürgermeister der Gemeinde Neuhof, dem Wahlsieger ebenfalls herzlich. Zugleich dankte er Mark Bagus für die gute Zusammenarbeit der vergangenen sechs Jahre. „Lieber Mark, es war uns eine Ehre, die letzten sechs Jahre mit Dir zusammenzuarbeiten“, sagte Stolz. Nicht nur in der Kreisversammlung, sondern auch im Südkreis habe man in dieser Zeit „viel auf die Beine gestellt“. Die Zusammenarbeit mit Bagus habe er stets als „sehr angenehm“ empfunden. Stolz räumte ein, dass dieser Tag für den unterlegenen Amtsinhaber bitter zu Ende gegangen sein dürfte. Umso mehr zeige Bagus durch seine Anwesenheit „Größe in der Niederlage“.

Für das Regionalforum Fulda Südwest e.V. gratulierte dessen Vorsitzender, Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund, Marcel Kister zur gewonnenen Wahl und wünschte ihm für seine Amtszeit eine glückliche Hand. Auch Rothmund dankte Bagus für die gute Zusammenarbeit während der vergangenen sechs Jahre.

Glückwünsche überbrachte zudem Frederik Schmitt. Der Erste Kreisbeigeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Fulda gratulierte Kister zum Wahlerfolg und dankte zugleich Mark Bagus dafür, sich erneut der Wahl gestellt zu haben. Einen weiteren Dank richtete Schmitt an die Kalbacher Bürgerinnen und Bürger. Eine Wahlbeteiligung von 62,41 Prozent sei für eine Bürgermeisterwahl ein „enorm starkes Ergebnis“.

Im Namen der Ortsvorsteher gratulierte der Heubacher Ortsvorsteher Gerhard Müller (SPD) beiden Kandidaten für ihren Einsatz. Marcel Kister gratulierte er herzlich zur gewonnenen Wahl und wünschte ihm für die kommenden sechs Jahre eine glückliche Hand sowie Gottes reichen Segen. Mark Bagus dankte Müller für die stets gute, vertrauensvolle und von Respekt geprägte Zusammenarbeit im Gemeindeparlament.

Auch Jonathan Strott, Vorsitzender der CDU-Fraktion in Kalbach, trat am Wahlabend vor die Gäste. Seine Fraktion hatte Kister im Wahlkampf unterstützt. Strott gratulierte dem neuen Bürgermeister und dankte zugleich Mark Bagus für die Fairness im Wahlkampf sowie die gute Zusammenarbeit im Gemeindeparlament. Fast einstimmige Abstimmungsergebnisse im Gemeindeparlament seien für ein gutes kommunalpolitisches Miteinander ein Segen.

Am Ende ergriff auch der unterlegene Amtsinhaber Mark Bagus das Wort. Ihm war die Enttäuschung über den äußerst knappen Ausgang der Wahl deutlich anzumerken. Bagus war erneut als parteiunabhängiger Kandidat angetreten und hatte die Unterstützung der SPD-Fraktion erhalten. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, seinem Herausforderer und bisherigen Kämmerer Marcel Kister herzlich zur gewonnenen Wahl zu gratulieren.

Auch wenn das Ergebnis sehr knapp ausgefallen sei, gelte: „Gewonnen ist gewonnen.“ Bagus wünschte Kister für die kommenden sechs Jahre eine glückliche Hand und dankte ihm zugleich für die Fairness im Wahlkampf. Seinen Unterstützern und insbesondere seiner Familie sprach Bagus seinen Dank für die große Unterstützung in den vergangenen Wochen aus. Ein Amt zu bekleiden und gleichzeitig Wahlkampf zu führen, sei durchaus anstrengend gewesen, sagte der scheidende Bürgermeister abschließend.

Mit dem Wahlerfolg von Marcel Kister steht damit ein Wechsel an der Spitze der Gemeinde Kalbach bevor. Der bisherige Kämmerer übernimmt künftig die Verantwortung als Bürgermeister. Das Ergebnis hätte dabei kaum knapper ausfallen können: Neun Stimmen entschieden über den Ausgang der Wahl. +++

Mark Bagus
Kommentar dazu
Die Bürgermeisterwahl in Kalbach hat einen Sieger hervorgebracht. Marcel Kister hat sich gegen den amtierenden Bürgermeister Mark Bagus durchgesetzt und wird künftig an der Spitze der Gemeinde stehen. Doch wer dieses Ergebnis vorschnell als deutliche Abrechnung mit dem bisherigen Rathauschef oder als eindeutiges Signal für einen politischen Wechsel interpretiert, wird der Wahl nicht gerecht. Denn zwischen Sieg und Niederlage lagen gerade einmal neun Stimmen.

Kister kam auf 50,14 Prozent der Stimmen, Bagus erreichte 49,86 Prozent. Das entspricht einem Vorsprung von lediglich 0,28 Prozentpunkten. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,41 Prozent war die Entscheidung damit außerordentlich knapp. Schon wenige zusätzliche Stimmen hätten das Ergebnis drehen können. Kalbach hat damit zwar einen neuen Bürgermeister gewählt, aber keinen eindeutigen Auftrag für eine grundlegende politische Kursänderung erteilt.

Gerade diese Tatsache macht den Wahlausgang bemerkenswert. In politischen Debatten wird ein Wahlsieg schnell zur Botschaft hochstilisiert: Die Bürger hätten sich für einen neuen Kurs entschieden, eine bisherige Politik abgewählt oder einen deutlichen Wechsel verlangt. Für Kalbach lässt sich das aus diesem Ergebnis jedenfalls nicht belastbar ableiten. Dafür ist die Differenz schlicht zu gering. Es gibt einen Gewinner, aber keine eindeutige politische Mehrheit, aus der sich ein umfassender Kurswechsel herauslesen ließe. Und es gibt einen Amtsinhaber, der verloren hat, ohne dass das Ergebnis als klare Zurückweisung seiner bisherigen Arbeit interpretiert werden müsste.

Das Wahlergebnis zeigt vielmehr, wie offen die Entscheidung tatsächlich war. Kalbach stand nicht mit großem Abstand auf der einen oder anderen Seite. Die Wähler waren nahezu exakt geteilt. Am Ende entschied eine Differenz von neun Stimmen. Von einem klaren Auftrag für einen politischen Neuanfang zu sprechen, wäre deshalb überzogen. Das Ergebnis lässt eine Wechselstimmung nicht eindeutig erkennen. Es zeigt vor allem eines: Diese Wahl hätte mit wenigen Stimmen auch anders ausgehen können.

Hinzu kommt eine besondere Konstellation, die diese Bürgermeisterwahl von einem gewöhnlichen Zweikampf unterscheidet. Marcel Kister war bislang als Kämmerer der Gemeinde im Rathaus tätig und unterstand dort dem amtierenden Bürgermeister Mark Bagus. Nun verändert sich seine Rolle grundlegend. Aus dem Kämmerer wird der Bürgermeister, aus dem Verwaltungsmitarbeiter derjenige, der künftig die politische und administrative Verantwortung an der Spitze der Gemeinde trägt.

Kister trat als unabhängiger Kandidat an und wurde von der CDU unterstützt. Bagus kandidierte ebenfalls unabhängig und erhielt Unterstützung von der SPD. Formal standen sich damit zwei unabhängige Bewerber gegenüber, politisch waren die jeweiligen Unterstützerlager dennoch erkennbar. Auch daraus lässt sich allerdings kein eindeutiger Triumph eines politischen Lagers ableiten. Dafür war die Entscheidung zu knapp.

Für Kister beginnt damit eine anspruchsvolle Aufgabe. Seine bisherige Tätigkeit als Kämmerer dürfte ihm einen unmittelbaren Einblick in Verwaltungsabläufe und kommunale Finanzen verschafft haben. Das ist ein Vorteil. Ein Bürgermeister muss sich nicht nur politisch orientieren, sondern auch wissen, welche Entscheidungen organisatorisch und finanziell umsetzbar sind. Kister kennt das Rathaus bereits von innen und muss sich deshalb nicht erst mit dessen grundlegenden Strukturen vertraut machen.

Doch aus diesem Vorteil entsteht zugleich eine besondere Verantwortung. Als Kämmerer war Kister Teil der Verwaltung. Als Bürgermeister trägt er nun die politische und administrative Verantwortung an ihrer Spitze. Er wird Interessen zusammenführen, Prioritäten setzen und Entscheidungen erklären müssen. Dabei wird sich zeigen, ob aus der bisherigen Verwaltungserfahrung auch überzeugende politische Führung entsteht.

Für Mark Bagus endet seine Amtszeit dagegen auf denkbar knappste Weise. Neun Stimmen fehlten ihm für eine Fortsetzung. Von einer deutlichen Abrechnung mit dem bisherigen Bürgermeister kann angesichts dieses Ergebnisses jedenfalls keine Rede sein. Das Ergebnis ist vielmehr ein Hinweis darauf, wie wenig zwischen einer Fortsetzung seiner Amtszeit und dem Wechsel zu Kister gelegen hat.

Vielleicht liegt gerade darin die wichtigste Botschaft dieses Wahlabends. Demokratie produziert nicht immer klare Mehrheiten und eindeutige Stimmungsbilder. Manchmal entscheidet sie sich an wenigen Stimmen. Dann aber ist es Aufgabe der politischen Akteure, aus einem knappen Ergebnis nicht mehr herauszulesen, als tatsächlich darin steckt.

Kister hat gewonnen, und dieser Wahlsieg ist selbstverständlich anzuerkennen. Er trägt künftig die Verantwortung für Kalbach. Seine eigentliche Herausforderung besteht nun darin, aus einem äußerst knappen Wahlergebnis politische Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Das wird nur gelingen, wenn er nicht den Eindruck erweckt, die Wähler hätten ihm einen überwältigenden Auftrag für einen grundlegenden politischen Kurswechsel erteilt. Sein Auftrag besteht vielmehr darin, eine Gemeinde zusammenzuführen, deren Wähler bei dieser Wahl nahezu exakt geteilt waren.

Das gilt auch für den Blick zurück. Wer mit neun Stimmen Vorsprung gewinnt, sollte sich bewusst sein, dass der unterlegene Kandidat nahezu ebenso viele Wähler hinter sich versammeln konnte. Das ist keine Schwäche des Wahlsiegers, sondern eine demokratische Realität. Sie verlangt nach dem Wahltag weniger Triumph als Verantwortungsbewusstsein.

Kalbach bekommt damit einen neuen Bürgermeister, aber keinen politischen Freibrief. Der Wechsel an der Rathausspitze ist vollzogen. Ob daraus tatsächlich ein politischer Wechsel im größeren Sinne wird, entscheidet sich erst in den kommenden Jahren – an konkreten Entscheidungen, an der Zusammenarbeit mit den kommunalen Gremien, am Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern und letztlich an der Frage, ob Kister aus seiner bisherigen Verwaltungserfahrung eine überzeugende Führung entwickeln kann.

Gerade deshalb sollte der neue Bürgermeister das Wahlergebnis nicht als Auftrag zur Abrechnung mit dem bisherigen Kurs verstehen, sondern als Auftrag zur Zusammenarbeit. Wer mit neun Stimmen Vorsprung gewinnt, hat allen Grund, die eigene Mehrheit nicht größer erscheinen zu lassen, als sie ist. Das kann in einer Gemeinde wie Kalbach sogar eine Stärke sein: Ein derart knappes Ergebnis zwingt zum Zuhören, zum Ausgleich und dazu, politische Entscheidungen nicht nur gegenüber den eigenen Unterstützern zu begründen.

Der Wahlabend selbst lässt deshalb eine nüchterne Schlussfolgerung zu: Kalbach hat sich für Marcel Kister entschieden. Aber Kalbach hat sich nicht mit großer Mehrheit für das Eine und gegen das Andere entschieden. Der Unterschied betrug neun Stimmen. Mehr lässt sich aus diesem Ergebnis zunächst nicht seriös herauslesen.

Neun Stimmen haben den Unterschied gemacht. Jetzt muss Kister zeigen, was er daraus macht. n.hettler


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