Bischof Gerber: Pfingsten lädt ein, sich auf Gottes Wirken einzulassen

Bischof Gerber. Foto: Marzena Seidel

Kirche ist ein Resonanzraum – ein Ort, an dem die Fragen und Hoffnungen der Menschen auf ein neues, anderes Echo treffen. Diese zentrale Botschaft stellte Bischof Dr. Michael Gerber in seiner Predigt zum Pfingstfest im Fuldaer Dom in den Mittelpunkt. Dabei gehe es darum, neuen Wahrnehmungen mit einer offenen Haltung zu begegnen.

Ausgehend von der Erfahrung eines Kindes, dessen Stimme im Kirchenraum einen besonderen Nachhall gefunden hatte, entfaltete der Bischof ein eindrückliches Bild von Kirche: „Menschen erfahren, dass ihr Schrei im Raum der Kirche eine besondere Resonanz erfährt“, betonte Bischof Gerber. Kirche sei berufen, den Resonanzraum Jesu in der Gegenwart sichtbar zu machen. Einen Raum, in dem die Nöte und Anliegen der Menschen nicht ungehört verhallen, sondern auf Gottes mitfühlende Gegenwart treffen. Diese Erfahrung wurzelt im Evangelium selbst: Menschen, die Jesus begegneten, hätten erfahren, dass ihr Rufen ihn in seinem Denken, Fühlen und Handeln erreichten, so der Bischof. Diese göttliche Resonanz habe Leben verändert und eröffne bis heute neue Perspektiven.

Aufbruch in eine neue Wirklichkeit

Pfingsten markiere den Moment, in dem die Jünger aus ihrer Erstarrung und Verschlossenheit herausgeführt werden, sagte Gerber. Noch hallt in ihnen das schreckliche Geschehen des Karfreitags nach, noch überlagert der Schmerz ihre Wahrnehmung und lässt sie in Angst verharren. Doch mit dem Kommen des Heiligen Geistes beginne ein neues Hören und Verstehen.
Die Botschaft von Ostern und Pfingsten sei dabei keine Rückkehr zu den bekannten, vertrauten Klängen. „Es gibt kein Zurück zur früheren Harmonie“, machte der Bischof deutlich. Vielmehr eröffne Gottes Geist einen neuen Zugang zur Wirklichkeit: Er helfe, auch das Fremde, Verstörende und zunächst Unverständliche tiefer zu deuten und darin Gottes Gegenwart zu entdecken.

Offenheit für das Ungewohnte

Anknüpfend an Uraufführung der Messe für Solosopran und 2 Orgeln des zeitgenössischen Komponisten Hartwig Lehr, die im Pontifikalgottesdienst durch die Chöre des Fuldaer Doms dargeboten wurde, warb der Bischof für eine Haltung der Offenheit. Dabei bezog er sich konkret auf die Musik, die anders als das allgemein Gewohnte erklang: „Was uns fremd und dissonant erscheint, bekommt schnell ein Etikett verpasst. Das verhindert eine tiefere Auseinandersetzung, eine tiefere Suche danach, welche Botschaft sich hier zeigt“, sagte Gerber.
Pfingsten erzähle aber von der Herausforderung, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen. Und auch davon, dass es der Heilige Geist selbst sei, der uns hilft, diese Botschaft zu erschließen, so Gerber. Gerade darin liege eine wichtige Haltung: sich dem zunächst Unvertrauten auszusetzen und darauf zu vertrauen, dass Gottes Geist neue Zugänge im Glauben, in der Kirche und im eigenen Leben eröffnet.

Kirche als Raum neuer Klänge

Kirche sei deshalb mehr als nur ein Ort des Trostes oder der Bewahrung vertrauter Formen, so Gerber. Sie sei ein Raum, in dem die Spannungen und Fragen der Gegenwart bei Gott Resonanz finden und in eine neue, tiefere Harmonie hineingenommen werden. Diese Harmonie sei nicht die bloße Wiederholung des Bekannten. Sie erschließe sich oft erst im geduldigen Hören, mit den Ohren und mit dem Herzen. Das Pfingstfest lade dazu ein, sich diesem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen und Kirche als jenen Resonanzraum zu erleben, in dem Gottes Gegenwart Menschen neue Perspektiven erschließt und Hoffnung neu hörbar wird. Der Fuldaer Domchor sang unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber die Messe für Solospran und 2 Orgeln von Hartwig Lehr (*1952) sowie unter anderem das Confirma hoc, Deus von Gregor Aichinger. An der großen Domorgel spielte Domorganist Max Deisenroth, an der Chororgel Ulrich Moormann. +++


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