
Wiesbaden. „Die am heutigen Tag bekanntgegebene Aufnahme zehn weiterer Schulträger in den Pakt für den Nachmittag zum kommenden Schuljahr belegt nachdrücklich die hohe Attraktivität der von der hessischen Landesregierung zielstrebig umgesetzten Koalitionsinitiative zum Ausbau der Ganztagsbetreuung an den hessischen Grundschulen. Das größte Ganztagsprogramm in der Geschichte unseres Bundeslandes wird nach anfänglich sechs Pilotregionen zum Schuljahr 2016/17 bereits rund die Hälfte der hessischen Schulträger umfassen. Der Ansatz eines freiwilligen Angebotes unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten, durch das allen Eltern der hessischen Grundschulkinder ein freiwilliges und individuell ausgestaltetes Bildungs- und Betreuungsangebot von 7.30 Uhr bis 17.00 Uhr zur Verfügung gestellt wird, hat die Erwartungen somit erfüllt. Binnen kürzester Zeit hat sich der Pakt für den Nachmittag in der Praxis zu einem veritablen Erfolgsmodell entwickelt“, kommentierte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Armin Schwarz, die heutige Ankündigung zur Ausweitung des Paktes für den Nachmittag.
„Durch eine gezielte Schwerpunktsetzung und erhebliche zusätzliche Mittel erfährt die Ganztagsbetreuung in Hessen überdies auch eine qualitativ und personell vorbildliche Ausstattung. So werden zusätzlich zu dem bereits heute zu verzeichnenden Rekordwert von rund 2.000 Lehrerstellen im Ganztagsbereich für die Ausweitung des Paktes und die Erweiterung bestehender Ganztagsprofile an weiterführenden Schulen zum kommenden Schuljahr nochmals insgesamt 230 Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Bewährt hat sich überdies das von Beginn an verfolgte Prinzip der CDU-Fraktion, wonach im Gegensatz zu den von der SPD geforderten Zwangsumwandlungen von Grundschulen zu Ganztagsschulen nach unserer Auffassung vielmehr den Eltern und den Betroffenen vor Ort die Wahl über die gewünschte Form des Ganztags- oder Halbtagsangebotes überlassen werden soll. Nicht zuletzt zwischen städtischem und ländlichem Raum existieren dabei nicht selten gegensätzliche Erwartungen an die schulischen Angebote. Die individuell sehr unterschiedlichen familiären Strukturen und beruflichen Anforderungen erlauben folglich keine pauschale Lösungen und Einheitskonzepte, sondern verlangen nach passgenauen und flexiblen Angeboten, welche den verschiedenen Bedürfnissen der Eltern gleichermaßen gerecht werden. Mit dem Pakt für den Nachmittag werden diese unterschiedlichen Anforderungen und Bedarfslagen vor Ort umfassend berücksichtigt und dadurch eine bedarfsorientierte Angebotsvielfalt auf der Grundlage von Freiwilligkeit und Flexibilität gewährleistet“, so Schwarz.
SPD: Pakt bleibt Mogelpackung
„Der Pakt für den Nachmittag ist und bleibt trotz aller ministeriellen Beschwörungsversuche eine Mogelpackung. Pakt-Schulen sind keine Ganztagsschulen, sondern lediglich Schulen mit nachmittägigen Angeboten, für die Eltern außerdem noch tief in die Tasche greifen sollen. Nicht ohne Grund, trifft das Programm nach wie vor nur auf eine dürftige Nachfrage. Wenn gerade einmal 67 weitere Grundschulen Interesse an einer Teilnahme bekunden, lässt dies nur den Schluss zu, dass der Pakt eher ein Rohrkrepierer als ein Renner ist. Viele Schulen sehen darin offenbar keinen Vorteil für sich. Es geht einzig und allein darum, Eltern auf der Suche nach Betreuung für ihre Grundschulkinder zu entlasten. Für die SPD stehen darüber hinaus gebührenfreie Bildung, Chancengleichheit und eine verbesserte Unterrichtsqualität im Vordergrund. Hier sind gebundene Ganztagsschulen klar im Vorteil. Sie sorgen für weniger Sitzenbleiber, bessere Lernergebnisse, ein besseres Sozialverhalten und weniger Stress zu Hause.
Ganztagsschulen bieten zudem mehr Chancengleichheit, weil der Lernerfolg nicht von der Förderung und Begleitung des Elternhauses abhängt, sondern alle Kinder gleichermaßen erreicht. Sie sind aber auch für die Integration und Bildung von Flüchtlingskindern geeignet, weil sie gemeinsam unterrichtet, schneller Deutsch lernen und eine besondere Förderung erhalten können. Ein weiteres Plus ist die kostenfreie Lernbegleitung und Teilhabeassistenz, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen. Während beim Pakt die Kommunen und Eltern zuzahlen, sind Ganztagsschulen gebührenfrei. Die Landesregierung versäumt es, den Ausbau des Ganztagsangebots für eine Qualitätssteigerung des Unterrichts zu verwenden. Sechs echte Ganztagsschulen unter fast 1200 Grundschulen sind eindeutig zu wenig. Nur zusätzlich zum Pflichtunterricht des Vormittags einfach zusätzlich noch Betreuung, Hausaufgabenhilfe oder Freizeitangebote am Nachmittag anzubieten, hilft keinen Schritt dabei, mehr Zeit zum Lernen zu schaffen. Da an der Nachmittagsgruppe nur ein Teil der Vormittagsgruppe teilnimmt, kann der Unterrichtsalltag nicht neu rhythmisiert werden. Dies gelingt nur Ganztagsschulen in der gebundenen oder teilgebundenen Form.
Dem letzten ifo-Bildungsbarometer zufolge wünschen sich mehr als die Hälfte aller Eltern verbindliche Ganztagsschulen. Die Landesregierung blockiert das Elternwahlrecht nach echten Ganztagsschulen. Statt quasi nur das Betreuungsangebot sukzessive zu erweitern und den Pakt auszubauen, sollten die zur Verfügung stehenden Mittel endlich in den Ausbau echter Ganztagsschulen fließen. Hessen liegt im Ländervergleich noch immer auf dem letzten Platz und hat einen enormen Nachholbedarf. Die Landesregierung ergreift den letzten Strohhalm, um sich aus dem Bundesländervergleichskeller herauszuziehen.“ +++ fuldainfo
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