Es gibt diese besonderen Momente im Jahr, in denen die Zeit selbst kurz innehält. Der Altjahresabend gehört dazu. In feierlicher und erwartungsvoller Stimmung hat die Bonhoeffergemeinde am 31. Dezember im Bonhoefferhaus in Ziehers-Nord einen gut besuchten Gottesdienst gefeiert – einen Abend, an dem viele bewusst kamen, um das vergangene Jahr zu beschließen, still zu werden und sich zugleich mit Segen und Zuversicht auf den Weg ins neue Jahr zu machen.
Im Mittelpunkt stand ein kurzer, aber umso markanterer Predigttext aus dem Hebräerbrief: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit … dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“ (Hebr 13,8–9a). Pfarrer Marvin Lange machte diese Worte zu einem „Handlauf“ für die Schwelle zwischen den Jahren. Ein Bild, das blieb. Denn es griff die Erfahrung vieler auf: Ein Jahr voller Unsicherheiten, Umbrüche und Situationen, in denen Lebenswege sich plötzlich „neu berechnen“. Bekanntes gerät ins Wanken, Gewissheiten verlieren ihre Selbstverständlichkeit.
Doch der Gottesdienst verharrte nicht bei dieser Diagnose. Er führte weiter – zu einer klaren theologischen Zusage. Festigkeit, so die Botschaft, wächst nicht aus Selbstbehauptung, nicht aus innerer Härte oder dem Versuch, alles im Griff zu behalten. Sie wächst aus Gnade. Aus dem Vertrauen, getragen zu sein, auch dann, wenn die Zukunft offen bleibt und Antworten fehlen. Diese Perspektive verlieh dem Rückblick Tiefe und dem Ausblick Richtung.
Die Predigt regte viele zum Nachdenken an. Spürbare Stille legte sich in manchen Momenten über den Raum. Nicht wenige Besucherinnen und Besucher zeigten sich berührt, einige verdrückten Tränen. Gleichzeitig war der Abend von herzlichen Neujahrswünschen und persönlichen Begegnungen geprägt, die die Gemeinschaft auch jenseits der Liturgie erlebbar machten. Hier wurde deutlich: Kirche ist mehr als Worte – sie ist Beziehung.
Musikalisch gestaltete Stephanie Muhl den Gottesdienst mit großer Ausdruckskraft an Orgel und Klavier. Ihre Musik trug die feierliche Grundstimmung, setzte Momente der Sammlung und öffnete zugleich den Raum – zwischen Dankbarkeit für das Gewesene und Hoffnung auf das Kommende.
Einen hochemotionalen Schlusspunkt setzte das gemeinsame Lied „Nehmt Abschied, Brüder“. Für viele war es der passende Klang für den Übergang ins neue Jahr: Abschied nehmen, ohne in Wehmut stecken zu bleiben. Weitergehen, ohne die Hände leer zu haben. Ein Jahreswechsel, der nicht laut war – aber von Haltung geprägt. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar