"#Zusammen sind wir stark!" in Kassel - Tausende bei Demo

† Dr. Walter Lübcke

Nach dem Mord an Regierungspräsident Lübcke (CDU) haben in Kassel am Donnerstag etwa 10.000 Menschen gegen rechte Gewalt demonstriert. Zu der Kundgebung vor dem Regierungspräsidium hatte die Stadt zusammen mit einem Bündnis von Institutionen und Organisationen aufgerufen. Kassels Oberbürgermeister Geselle (SPD) sagte, "Wir sind nicht der braune Sumpf der Nation. Wir sind friedlich, tolerant und weltoffen."

DGB: Diese Tat muss vollends aufgeklärt werden

Michael Rudolph vom DGB-Bezirk Hessen-Thüringen sagte: "Walter Lübcke ist nach Halit Yozgat ein weiteres Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Kassel. Diese Tat muss vollends aufgeklärt werden. Die Erkenntnisse müssen öffentlich gemacht und dürfen nicht unter Verschluss gestellt werden. Die Vermutung liegt nahe, dass sich auch hinter diesem Mord ein rechtes Netzwerk verbirgt und eben kein Einzeltäter. Solche extrem rechten bis rechtsterroristischen Netzwerke müssen durch staatliche Strukturen offen gelegt und wirksam bekämpft werden. Die heutige Kundgebung in Kassel ist ein starkes Zeichen für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft, die sich gegen rechte Hetze stellt und ihr demokratisches Zusammenleben schützt. Wir müssen aber auch morgen gemeinsam aktiv werden und jeder und jede muss im eigenen Umfeld Haltung und Gesicht gegen Rassismus, Diskriminierung, Nationalismus und Ausgrenzung zeigen. Zivilgesellschaftliches Engagement und Projekte, die den Zusammenhalt stärken und sich gegen menschenverachtende Ideologien und Organisationen wenden, müssen finanziell noch deutlich stärker unterstützt und sicherheitspolitisch wo nötig beschützt werden als bisher."

Bischof Gerber sprach bei der Kundgebung

An die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen, „an einer Kultur des aufrichtigen Respekts und der unbedingten Achtung voreinander“ mitzuwirken, hat der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber bei einer Kundgebung am Donnerstag in Kassel appelliert. „Dr. Walter Lübcke kann uns hier ein bleibendes Vorbild sein“, sagte der katholische Oberhirte aus Fulda. Unter dem Motto „Zusammen sind wir stark - Nord- und Osthessen gemeinsam für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit“ hatte die Stadt Kassel angesichts des Mordes an Regierungspräsident Lübcke zu der Kundgebung vor dem Kasseler Regierungspräsidium aufgerufen. Bischof Gerber zeigte sich erschrocken, wie sich in Deutschland Menschen hätten radikalisieren lassen. „Niemand ist in seinem Handeln einfach nur Opfer bestimmter Konstellationen oder Situationen. Gerade in Zeiten, in denen Extremisten unterschiedlicher Couleur ihren Zielgruppen weis machen wollen, dass sie ganz und gar Opfer sind und es deswegen geboten sei, eine bestimmte radikale Richtung einzuschlagen, gerade heute müssen wir das neu betonen: Niemand ist einfach nur Opfer seiner Verhältnisse.“ Die Freiheit des Menschen sei immer auch die Freiheit, sich von einer Dynamik des Hasses zu distanzieren, unterstrich der Bischof. Gerber erinnerte an die Verantwortung eines Jeden für die eigene Haltung in oft unscheinbaren Begegnungen und plädierte für Wertschätzung: „Wert-Schätzung – das Bewusstsein für den eigenen Selbstwert und das Bewusstsein für die Würde des und der Anderen.“ Die Kundgebung solle ein Zeichen der Hoffnung sein, dass angesichts der komplexen Herausforderungen, welche die Situation der Welt kennzeichne, das Grundgefühl der eigenen Seele nicht Enge und Bedrohung sei, sondern der Horizont sich weite. „‘Du stelltest meine Füße in weiten Raum‘ (Ps 31,8). Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, selbst immer wieder Erfahrungen dieser Weite zu machen und miteinander so umzugehen, dass eine Kultur der Wertschätzung gestärkt wird.“ +++


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