Zeitung: Ökostrom-Förderung anfällig für Missbrauch

Der Manipulationsanreiz ist laut der Untersuchung erheblich

Ökostrom

Berlin. Die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) weist womöglich ein riesiges Schlupfloch auf: Denn die Förderhöhe hängt davon ab, ob am Standort des Windrads im Schnitt viel oder wenig Wind bläst, schreiben die Zeitungen der Funke-Mediengruppe in ihren Freitagausgaben. Ist der Standort eher schlecht, wird den Betreibern der Windanlagen nach dem sogenannten “Referenzertragsmodell” bis zu 20 Jahre lang mehr EEG-Umlage pro Kilowattstunde gezahlt.

Die Rechnung bezahlen die Stromverbraucher über die sogenannte EEG-Umlage, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird. Die endgültige Einordnung, wie “gut” der Standort ist, hängt vom Ertrag nach fünf Jahren ab. Betreiber von Windrädern an sehr guten Standorten haben damit einen Anreiz, zunächst weniger Strom zu produzieren als möglich, um später höhere Förderbeträge zu bekommen. Die Bundesregierung war seit vielen Jahren über diesen Missstand informiert. Interne Unterlagen zeigen, dass das Bundeswirtschaftsministerium bereits im November 2013 über die brisanten Untersuchungen zum Manipulationspotenzial schriftlich informiert wurde. Anfang 2014 lagen dem Ministerium zudem die detaillierten Ergebnisse der Manipulationsuntersuchung des Fachhauses “Deutsche WindGuard” vor. So hieß es 2014 in einer Untersuchung des Berliner Thinktanks Agora Energiewende: “Die eigentliche Manipulation erfolgt in den betrachteten Fällen in den ersten fünf Betriebsjahren. Nachdem die Dauer der erhöhten Anfangsvergütung festgelegt beziehungsweise das Gutachten bestätigt wurde, würde das Potenzial des Standortes und der Anlage voll ausgenutzt werden können.”

Der Manipulationsanreiz ist laut der Untersuchung erheblich. Ein Windrad an einem sogenannten 130-Prozent-Standort, also mit hervorragenden Windverhältnissen, wie sie zum Beispiel an den Küsten herrschen, würde über die Förderlaufzeit 600.000 Euro mehr Einnahmen erzielen, wenn es in den ersten fünf Jahren so gedrosselt wird, dass es nur als 100-Prozent-Windrad einsortiert wird. Diese Untersuchungen kommentiere man nicht, teilte das Wirtschaftsministerium von Brigitte Zypries (SPD) den Funke-Zeitungen mit. “Wir können auch nicht bestätigen, dass es solche in der Studie beschriebenen Manipulationen tatsächlich gegeben hat.” Ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE) sagte, der Missbrauch sei ein “theoretisches” Problem ohne praktische Relevanz. Kein einziger Manipulationsfall sei dem Verband bekannt. +++

 
 
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3 Kommentare

  1. Was wir wirlich brauchen sind mehr und sichere AKWs. Den Abfall können wir dann ja auf den Mond oder den Mars schiessen. Genau dazu wird es kommen.

    Warum? Weil die gesamte Energiepolitik der CDU genau darauf ausgelegt ist, daß die Energiewende scheitert und man dann reuemütig zu den AKWs zurückkehren kann.

    Niemand will Windkraftanlagen, die Lärm verursachen. Niemand will neue Hochspannungsleitungen, die quer durch bewohnte Gebiete wie Fulda verlaufen. Niemand will mehr Geld für Strom ausgeben. Die gesamte sog. “Energiewende” ist eine Lachnummer, die noch nie jemand ordentlich durchgerechnet hat.

    Es gibt nach wie vor keine Speicher für Windenergie. Mit Solar ist es ähnlich. Woher soll dann bitte schön der von der Industrie benötigte gleichmäßig fliessende Strom kommen? Aus alten AKWs aus Polen oder anderen ehem. Ostblockstaaten? Oder aus Frankreich?

    Es gibt derzeit keine schlüssigen Konzepte, wie man den Strombedarf einer ganzen Republik nur mit Wind- Wasser oder Solarkraft kontinuierlich decken kann.

    Nur warum die CDU/CSU/SPD Bundesregierung das bis heute noch nicht getan hat – also die Hausaufgaben erledigt hat – bleibt man uns bis heute schuldig.

    Darüber sollten Leute, die wirklich was davon verstehen, mal öffentlich nachdenken.

    Und was es für den Strombedarf bedeuten würde, wenn immer mehr Autos und Busse in Deutschland elektrisch fahren würden.

    Nachdenken und Handeln!

  2. Dass wir erneuerbare Energien benötigen ist unumstritten. Es muss jedoch richtig gemacht werden und dem Lobbyismus und dem verfehlten EEG ein Ende gesetzt werden. Wir besitzen heute schon soviel Wind- und Solarstrom, dass die ganze Republik damit versorgt werden könnte, wenn der Strom immer und jederzeit(!) verfügbar wäre. Aber das ist nicht der Fall. Um das Problem zu lösen muss der Windstrom in Gas gewandelt werden, denn nur die jederzeit wenn nötig abrufbare Energie macht Sinn. Solange die Braunkohle Vorrang in der Einspeisung vor den Erneuerbaren hat, verursacht im Moment jedes zusätzliche neu installierte Windrad unnötige Kosten für die Stromzahler. Und was gar nicht geht, Windräder in Wäldern. Ein Windrad soll Co² neutral sein und wenn ich hierfür den halben Wald abholzen muss, dann bin ich nicht mehr Co² neutral. Alles ein schwieriges Thema.

  3. Das ist wieder typisch für die Windindustrie: “kein Manipulationsfall bekannt”. Natürlich ist das keine Manipulation, denn es ist legalisiert durch unsere verfehlte Energie-Politik und durch das völlig sinnfreie EEG. Deshalb darf man nur solche Parteien wählen am 24.09.2017, die sich klar für einen sofortigen Stopp des Windkraftausbaus aussprechen, besonders im Wald. Keine Stimme für Windkraft-Parteien. Die Energiewende ist technisch unsinnig und kostet den Stromkunden wahnsinnig viel Geld. Deshalb sollte die Politik schnellstmöglich das EEG grundlegend ändern, am besten sogar abschaffen, so dass die massive Vernichtung unserer Natur und besonders unserer Wälder gestoppt wird. Jeder Bürger sollte sich informieren, welche Parteien den Stopp des Windkraftausbaus in ihrem Wahlprogramm festgelegt haben, so dass man am 24.09.2017 das Kreuz an der richtigen Stelle machen kann.

Demokratie braucht Teilhabe!